| #35 http://www.newadvent.org/fathers/1801.htm24.05.2005 - 10:14 |
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| #34 gggggg24.05.2005 - 00:23 |
| Interview mit Peter Seewald zu Kardinal Joseph Ratzinger und zur Papstwahl - Aus: Passauer Neue Presse PNP: Herr Seewald, Sie haben zwei Interview-Bücher mit Kardinal Joseph Ratzinger gemacht und kennen ihn deshalb sehr gut. Glauben Sie, dass das Konklave ihn zum Papst wählen wird? Seewald: Es sind Menschen, die den neuen Papst wählen, aber das Konklave ist natürlich kein Politikum. Der Heilige Geist wird hier schon auch ein Wörtchen mitreden, das ist jedenfalls fester katholischer Glaube. Es gibt aber hier eine interessante Konstellation. Vielleicht ist es ein Omen. Ausgerechnet die nächste Woche steht im Kirchenkalender deutlich unter dem Patronat der Deutschen: Am Dienstag, 19. 4., feiert die Kirche das Gedenken von Leo IX. der wohl bedeutendste deutsche Papst, der von 1049 bis 1054 regierte. Und am Donnerstag, 21. 4., steht Bruder Konrad aus Parzham auf dem Plan und Parzham ist bekanntlich nicht weit weg von Ratzingers Geburtsort Marktl am Inn und liegt ebenfalls im Bistum Passau PNP: Sie zweifeln also nicht daran, dass der nächste Papst ein Bayer ist? Seewald: Ich kann es mir jedenfalls gut vorstellen. Die Situation der Kirche ist nicht unbedingt so, dass man im Augenblick krampfhaft nach Neuerungen suchen müsste. Das Pontifikat Johannes Pauls II. war sehr reich. Womöglich sind noch ein, zwei weitere Päpste damit beschäftigt, die vielen Anstöße umzusetzen und die Früchte dieses Pontifikats ganz zur Blüte zu bringen. Mit Karol Wojtyla hat bereits eine Neuzeit des Glaubens begonnen. Andererseits lässt sich nicht übersehen, dass die Kirche in den letzten Jahrzehnten mit ihren Positionen in allen für die Zukunft relevanten Fragen gescheitert ist: Denken Sie nur an Embryonenschutz, Genmanipulation, Euthanasie, den Schutz der Einzigartigkeit der Ehe. Auch innerkirchlich gibt es riesige Defizite. Vielleicht muss man angesichts eines Glaubensabfalles von ungeheuerlichem Ausmaß sogar von einem innerkirchlichen Schisma sprechen. Ich meine, bei manchen Gemeinden ist fraglich geworden, ob sie überhaupt noch katholisch sind. Die Frage ist: Welchen Papst braucht man in solchen Zeiten? Einen, der aufweicht und zerstreut, oder einen, der zusammenhält; der an den Ernst des Lebens, die Verantwortung vor den Menschen und vor Gott erinnert; der wieder zurückführt zum Eigentlichen. Im Übrigen hat die Demonstration von Millionen von Menschen in Rom, die niemand für möglich hielt, den bisherigen Kurs eindrucksvoll bestätigt. Daran kommt niemand vorbei. PNP: Aber die Kontinuität könnte doch auch ein anderer Kandidat wahren? Seewald: Joseph Ratzinger kennt das Pontifikat Johannes Pauls II. wie kaum ein anderer und er hat es mitgeprägt insofern könnte er es jetzt als Johannes Paul III. zur Vollendung bringen. PNP: Sie wissen, dass Ratzinger der Titel Panzerkardinal verliehen wurde? Seewald: Das war die englische Presse, und deren antideutschen Ressentiments kennt man ja. Ratzinger ist streng, aber er ist kein Hardliner. Was das betrifft, halte ich ihn für eine der verkanntesten Persönlichkeiten unserer Zeit. Warum ist das so? Ich glaube, er ist vielen als Sündenbock sehr willkommen. Es ist ein psychologisches Phänomen. Auf Ratzinger wurde all das abgeladen, was man irgendwie unangenehm fand an dieser Kirche. Weil es unbequem ist. Es ist auch eine Art von Spießigkeit, die sich dahinter verbirgt. Seine Biographie zumindest gibt ein solches Urteil nicht her: Seine Vita ist im Gegenteil geprägt vom Kampf gegen Ideologismus und Engstirnigkeit. Bezeichnenderweise hat er sich dabei immer für die kleinen Leute eingesetzt. Die Kirche im Dorf lassen, das ist sein Dogma. PNP: Und was bedeutet das für die Zukunft der Kirche? Seewald: Ratzingers Denken ist stark geprägt von den Kirchenvätern. Ich kann mir deshalb gut vorstellen, dass mit ihm als Papst wieder eine Zeit der Väter anbrechen könnte nicht nur der Kirchenväter, sondern auch der Väter des Zweiten Vatikanischen Konzils, an dem Joseph Ratzinger als Berater von Kardinal Frings und später als offizieller Konzilstheologe maßgeblich beteiligt war. Das Konzil ist nach seinem Ende vielfach in eine Richtung gelaufen, die ursprünglich niemand beabsichtigt hatte. Ratzinger könnte auch hier gewissermaßen vollenden. Was im Übrigen auch hieße nach einem Wort des Konzils verstärkt die Arzneien der Barmherzigkeit zu gebrauchen. PNP: Joseph Ratzinger ist ein Kardinal aus Deutschland. Viele Vatikankenner sind davon überzeugt, ein Deutscher habe bei der Papstwahl keine Chance. Seewald: Ratzinger wird in Italien längst nicht mehr als strenger Deutscher betrachtet. Umso mehr ihn seine Landsleute diskreditierten fast krankhaft, möchte man sagen, im Selbsthass und in der inzwischen typisch deutschen Selbstverleugnung umso stärker haben ihn die Italiener zu einem der ihren gemacht, adoptiert. Und eines darf man nicht vergessen: Der Kardinal ist zwar Deutscher, aber von seiner Herkunft ist er ganz Bayer, ein bayerischer Patriot sogar. Alles Preußische ist ihm fremd. Er hat ein bayerisches Herz und ist ganz eingebunden in die abendländische Kultur seiner Heimat, die sprichwörtliche Liberalität Bayerns. PNP: Aber seine Theologie ist doch von einer stark konservativen Haltung geprägt? Seewald: Es gibt eine starke Kontinuität in Ratzingers Theologie und Leben, nämlich dass er den Glauben in unsere Zeit hineinretten will. Manche nennen das konservativ, aber eigentlich galt er immer als Progress ist. Einer seiner Lehrer hielt ihn gar für eine echte Gefahr. Man kann nicht wirklich sagen, dass Ratzinger sich gewandelt hat. Sein Buch Einführung ins Christentum stammt aus dem Jahr 1967, und man wird darin keinen anderen Ratzinger finden als den, den wir heute kennen. Eines meiner Lieblingszitate von ihm lautet: Die Kirche braucht eine Revolution des Glaubens. Sie darf sich nicht mit dem Zeitgeist liieren. Sie muss sich von ihren Gütern trennen, um ihr Gut zu bewahren. PNP: Also käme mit Ratzinger ein Revolutionär auf den Papstthron? Seewald: Der Papst ist der Papst. Er ist weder reaktionär noch revolutionär. Johannes Paul II. hat gerade vorgemacht, dass diese Kategorien hier nicht treffen. Ich bin aber davon überzeugt, dass mit Ratzinger eine große Kollegialität in der Führung der Kirche Einzug halten würde. Auch in Fragen der Sexualmoral ist Ratzinger nicht der Moralapostel, den manche in ihn sehen. Diese Richtung kam eher von Wojtyla her. Ratzinger ist auf der Höhe der Zeit, das war er immer und das würde er auch Papst sein. PNP: Ratzinger ist mit 78 Jahren hochbetagt. Seine Gesundheit soll auch nicht immer die beste sein. Seewald: Sie haben Recht, ein gewisses Manko ist auf den ersten Blick seine mangelnde gesundheitliche Robustheit. Aber offensichtlich hat ihm der Herrgott eine ganz andere Kraft zur Seite gestellt, die unabhängig ist von seiner physischen Konstitution. PNP: Will Ratzinger denn selber Papst werden? Er sehnt sich doch seit langem nach dem Ruhestand? Seewald: Gut, er wollte noch Bücher schreiben. Aber wenn er Papst wird, dann wird er sich damit abfinden, dass das nicht geht. Ein Vorbild darin ist der heilige Augustinus, der große Lehrmeister Ratzingers. Ende seines Lebens wollte er noch einmal ein großes schriftstellerisches Werk vollenden, wurde aber durch seine Pflichten als Bischof daran gehindert. Vorsehung - das ist für den Kardinal eine Kategorie, die mehr zählt als das persönliche Befinden. Ich glaube er würde, wenn es nur irgendwie geht, dazu bereit sein, die verbliebene Kraft einzusetzen, um als Packesel Gottes seine Last zu tragen. Dazu gibt es eine nette kleine Geschichte: In seinem Bischofswappen ist neben verschiedenen anderen Symbolen einem Bär und einer Muschel auch ein Mohr abgebildet. Der Korbiniansbär symbolisiert den Lastträger Gottes, die Muschel gleichzeitig Pilgerschaft und die auf Augustinus zurückgehende Legende von der Unmöglichkeit, die Größe Gottes, diesen riesigen Ozean an Weisheit, mit einer einzigen Muschel auszuschöpfen. Was aber bedeutet der Mohr, der seit tausend Jahren im Wappen der Freisinger Bischöfe steht? Das Geheimnis um diese Figur ist völlig in Vergessenheit geraten. Aber vielleicht wird man es jetzt neu sehen können. Für mich jedenfalls ist auch Ratzinger ein wenig solch ein Mohr im Sinne des alten Kinderlieds Wer fürchtet sich vorm schwarzen Mann? Diese Angst vor dem anderen, die manche umtreibt, wenn sie den Namen Ratzinger hören, ist doch ganz erstaunlich. Das andere ist: Der Mohr hat seine Schuldigkeit noch nicht getan. Und im Übrigen trägt der Mohr im Bischofswappen eine dreizackige Krone Aus Passauer Neue Presse - Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung von Peter Seewald Über maßgeschneiderte Messen, liturgische Events und den tieferen Sinn der Liturgie sprach der Wiener Erzbischof Kardinal Christoph Schönborn im KATH.NET-Exklusiv-Interview. Wien (www.kath.net) KATH.NET: Eminenz, in manchen Pfarren gibt es heute maßgeschneiderte Messen: Das Hochgebet wird verändert oder das Credo, statt der liturgisch vorgesehenen Tagesgebete werden andere Gebete gesprochen, statt der Lesungen andere Texte Was sagen Sie dazu? Kardinal Schönborn: Grundsätzlich gilt: Die Liturgie ist immer Liturgie der Kirche, des ganzen Volkes Gottes, die Gläubigen haben ein Recht darauf, dass die Liturgie der Kirche gefeiert wird, wie sie in der Gemeinschaft der Weltkirche gültig ist. Die Gläubigen, die Gemeinden und die Priester haben aber auch die Pflicht, den Gottesdienst in der Gemeinschaft der ganzen Kirche zu feiern. Dieses Recht und diese Pflicht ist nicht eine Einengung der Freiheit, sondern die Voraussetzung dafür, dass die Gläubigen wirklich am Gottesdienst der Kirche teilnehmen und nicht an dem, was einzelne Personen als Liebhaberei oder als wenn auch gut gemeinte liturgische Ideen selber hervorbringen. Der tiefste Grund für diese Ordnung der Liturgie ist, dass sie Gottesdienst ist, das heißt, dass im christlichen Gottesdienst zuerst Gott sich den Menschen zuneigt, Christus der Feiernde ist, der zu uns in seinem Wort spricht, und der uns in seine Hingabe an den Vater zum Heil aller Menschen mit hinein nimmt. Deshalb ist es immer die erste Sorge der Kirche gewesen, dass Christus im Mittelpunkt der Liturgie steht. Er ist der Hauptzelebrant. Damit das deutlich bleibt, ist es gut und richtig, dass es eine kirchliche Ordnung der Liturgie gibt, die uns zur Christusbegegnung in Liturgie hilft. KATH.NET: Welche Elemente in der Heiligen Messe sind veränderbar, wo gibt es einen Gestaltungsfreiraum? Welche Elemente dürfen nicht geändert werden? Warum? Kardinal Schönborn: Ich kann nicht oft genug empfehlen, die so schöne und reichhaltige Allgemeine Einleitung zum Messbuch zu lesen und zu meditieren. Die Liturgie der Kirche kennt eine ganze Reihe von freien Gestaltungsräumen. Ich erinnere dazu nur an die großen Gottesdienste mit dem Heiligen Vater in vielen Teilen der Welt, die viel an kulturellen und örtlichen Gestaltungsmöglichkeiten sichtbar gemacht haben. Ich erinnere aber auch an die Spielräume, die in der Messordnung selber vorgesehen sind. Zum Beispiel beim Bußakt, bei der Gabenprozession und in den Fürbitten. Mit großer Eindeutigkeit hält die Kirche daran fest, dass das Hochgebet als das Herzstück der Eucharistie nicht zur freien Gestaltung zur Verfügung steht. Es wird immer wieder beklagt, dass die Beteiligung der Gläubigen am Hochgebet fehle. Das ist wohl ein Missverständnis, denn das innere Mitbeten und Mitgehen mit dem Hochgebet der Kirche ist nicht nur möglich, sondern ausdrücklich erwünscht. Es ist ja Gebet der Kirche, das der Priester für die ganze Kirche spricht, zu dem aber nur er beauftragt und ermächtigt ist. Gestaltungsmöglichkeiten ergeben sich bei den so genannten Akklamationen, die im Hochgebet erlaubt und nach den Wandlungsworten des Einsetzungsberichtes auch ausdrücklich vorgesehen sind. KATH.NET: Liturgie wird heute gern als Event angeboten. Viele Menschen empfinden Liturgie als Erlebnis, als Gruppenerfahrung, als kulturelles Ereignis, als ästhetisches Beiwerk. Welchen Stellenwert nimmt die Liturgie tatsächlich in der Kirche ein? Kardinal Schönborn: Die Liturgie ist natürlich ein Event. Sie ist überhaupt der größte Event, den man sich vorstellen kann. Denn in ihr geschieht (Event heißt ja geschehen) das Geheimnis des Glaubens. Der Tod und die Auferstehung Jesu werden für uns gegenwärtig. Was kann es Größeres geben als diesen Event. Und deshalb ist die Eucharistiefeier von unvergleichlicher Aktualität, spannender als alles Spektakel und schöner als alle Schauspiele. Freilich fordert das heraus, dass wir uns möglichst auf diesen Event einlassen und ihn mit Leib und Seele, mit unserer ganzen Person und mit unserem ganzen Engagement mitfeiern. Es ist ja kein Zufall, dass der Event Messe dann besonders eindrucksvoll ist, wenn der Zelebrant von dem Geheimnis, das er feiert, ganz und gar ergriffen ist. Dann wird den Mitfeiernden bewusst, dass hier das größte Ereignis der Menschheitsgeschichte gefeiert wird. Ich habe das unvergesslich bei Padre Pio erlebt, dessen Messfeier zwar jeden Tag dieselbe war und doch jedes Mal von einer unvergleichlichen Neuheit, Lebendigkeit und faszinierenden Intensität war. Die Gestaltung des Gottesdienstes ist dann gelungen, wenn sie sich ganz in den Dienst dieses Events stellt, der Mittelpunkt und Inhalt der Eucharistiefeier ist. Dann besteht auch nie die Gefahr, dass es langweilig und abgenützt wird, es sei denn, dass wir selber abgenützt und gelangweilt sind. Das ist aber nicht Fehler der Liturgie, sondern unsere mangelnde Bereitschaft und unsere fehlende Glaubensoffenheit. KATH.NET: Welche Gefahr besteht, wenn die Liturgie zu einem Ereignis wird, wo jedes Mal etwas Neues geboten wird, wo die Gläubigen sich immer wieder auf etwas Neues einstellen müssen? Kardinal Schönborn: C. S. Lewis, mein Leib- und Magendichter, sagt einmal in einem Brief an einen Freund, was er sich als Laie vom Zelebranten wünscht. Er sagt in etwas Folgendes: Was ich mir als Laie wünsche, ist nur dieses eine, dass ich während des Gottesdienstes nicht ständig denken muss: Was um Gottes Willen geht jetzt dem Zelebranten schon wieder durch den Kopf? Es ist etwas Wunderbares, wenn der Gottesdienst in Treue zu seiner kirchlichen Gestalt, aber mit echter Innigkeit, Anteilnahme und Freude über die Gegenwart Christi in unsere Mitte gefeiert wird. Ich kann mir nichts Lebendigeres und Aktuelleres vorstellen als die ganz normale heilige Messe. Ich glaube, selbst wenn ich hundert Jahre alt würde, wovor mich Gott bewahre, ich würde mir nie etwa anderes wünschen als nur das eine: jeden Tag in der täglichen Eucharistiefeier tiefer einzudringen in das wunderbare Geheimnis, das uns in ihr geschenkt ist und aus dem wir leben dürfen. KATH.NET: Viele Menschen empfinden das ewig Gleiche in einer katholischen Messfeier als langweilig. Andererseits suchen heute viele nach Ritualen, nach einer Ordnung inmitten einer Welt, die sich permanent verändert und kaum mehr Halt bietet. Hätte die Kirche hier nicht eigentlich eine Chance, indem sie den Menschen die Liturgie als einen solchen stabilen Anhaltspunkt vermittelt? Darauf ist meine kurze Antwort: Ja. Genau so. Interview: Petra Biermeier |
| #33 rrrrrrHomepage24.05.2005 - 00:10 |
| http://blogg.de/tag/katholische_kirche |
| #32 rrrrrrr24.05.2005 - 00:07 |
| Kardinal Ratzinger zum "nicht sprechenden Papst" Interview von Ludwig Waldmüller mit Kardinal Joseph Ratzinger "Im Bogen eines langen päpstlichen Dienens und Lebens kann auch eine Phase des Nicht-Sprechens durchaus ihren Sinn haben". Das hat Kardinal Joseph Ratzinger, Präfekt der Glaubenskongregation und Dekan des Kardinalskollegiums, gegenüber Radio Vatikan gesagt Normalerweise müsse ein Papst natürlich sprechen können, so Ratzinger. Aber eine solche "Phase des Nicht-Sprechens" könne sinnvoll sein, wenn der Papst auf andere Weise fähig sei, seine Entscheidungen bekannt zu geben. Johannes Paul, so Ratzinger, habe gerade durch sein Leiden den Menschen eine besondere Botschaft geschenkt: "Leiden hat Sinn, Leiden kann etwas Positives sein". Der Leidensweg des Papstes sei aber als Stück eines langen Weges zu sehen; man könne auch die Botschaft sehen, dass der Papst "nun in die Passion Jesu Christi miteintritt". Kardinal Ratzinger betonte auch, dass er viele Reaktionen von Menschen - unter anderem die Vereinigung der Parkinson-Kranken - bekommen habe, die von dem Mut des Papstes beeindruckt waren, der sich in seinem Leid öffentlich zeigte. Herr Kardinal, der Papst liegt im Krankenhaus, man sagt, er kann im Moment nicht sprechen. Wie ist das theologisch zu verstehen: Muss ein Papst sprechen können, um Papst sein zu können? Ich würde sagen, normalerweise natürlich schon. Aber im Bogen eines langen päpstlichen Dienens und Lebens kann auch eine Phase des Nicht-Sprechens durchaus ihren Sinn haben, wenn der Papst auf andere Weise fähig ist, Entscheidungen bekannt zu geben und zu kommunizieren, zu hören und zu antworten; es gibt ja dazu viele Möglichkeiten. Ich glaube, wir haben gerade in diesen letzten Jahren gelernt, dass das Zeugnis eines leidenden Papstes eine große Bedeutung hat, dass Leiden eine eigene Art der Verkündigung ist. Ich habe durch viele Briefe und persönliche Zeugnisse gesehen, wie leidende Menschen sich dadurch neu angenommen fühlen. Mir hat die Vereinigung der Parkinson-Kranken geschrieben, dass sie dem Papst so danken, dass er gleichsam ihr Bild rehabilitiert, indem er öffentlich den Mut hat, als solcher Leidender aufzutreten und dennoch mit ganzem Einsatz zu wirken. Und er hat uns gerade auch in der Zeit seines Leidensweges vieles geschenkt und Neues gesagt. Kurzum: Es ist ja ein Stück eines ganzen Weges. Wir haben vom Papst sehr viele Worte geschenkt bekommen, eine große Botschaft. Eine andere Botschaft ist, dass er nun in die Passion Jesu Christi miteintritt; und das zeigt, wie Leiden fruchtbar ist als Mittragen mit dem Herrn, Mittragen mit den vielen Leidenden dieser Welt, denen sichtbar wird: Leiden hat Sinn, Leiden kann etwas Positives sein. Insofern, glaube ich, ist das, wenn man das Ganze seines Papstlebens und wirkens betrachtet, eine Botschaft, die gerade in dieser Welt sehr wichtig ist, in der man das Leiden verstecken oder abschaffen will, das man eben nicht abschaffen kann. Was trägt ihn denn so, dass er sich wie Sie sagen sich selbst in diesem Leid noch so zeigen kann? Ich denke, wir haben gerade in seinem letzten Buch eine Antwort darauf gefunden, wo er uns sagt, dass er im Zusammenhang mit dem Attentat einerseits und mit der Botschaft von Faustina Kowalska über das göttliche Mitleid andererseits gelernt hat, dass im Mitleiden Gottes das Leiden selbst einen neuen positiven Sinn gewonnen hat und eine wesentliche Form ist, wie Gott uns erlöst, dem Bösen eine Grenze setzt. Er setzt dem Bösen nicht Grenzen, indem er Gewalt dagegen setzt; er begrenzt es gerade durch sein Mitleiden, indem er nun das Böse nicht selber tut, sondern den Menschen, die Welt in seinem Leiden neu aufnimmt und annimmt. Diese innere Überzeugung, die in ihm gerade seit dem Attentat gereift ist und für die ihm die Botschaft von Faustina Kowalska über das göttliche Mitleiden ein theologischer Vorlauf gewesen war, ist sozusagen die inwendige Schau, von der er dabei lebt und mit der er das im Gefolge des leidenden Christus als Zeichen des Vertrauens auf das göttliche Mitleiden annimmt und den anderen weitergibt. Ist dann seine Botschaft eine andere als früher? Bringt ihn dieses Leiden näher an Jesus Christus, den Leidenden, während er vorher vielleicht mehr der Verkündiger war? Ich würde sagen, darüber sollten wir nicht urteilen, wann jemand näher an Jesus Christus ist. Das ganze gehört zusammen: Christus hat, wie einer der italienischen Gründer einer der Bewegungen gesagt hat, tagsüber gelehrt, nachtsüber gebetet und am Ende seines Lebens gelitten, und alles zusammen bildet den Weg Jesu Christi, durch den er uns das wahre Gesicht Gottes gezeigt hat. Er hat Anteil genommen in großem Umfang an dem Auftrag des Verkündigens, er war immer ein betender Mensch, und er ist nun in besonderer Weise ein Leidender Mensch. In allem zusammen tritt er auch immer tiefer in die Gemeinschaft mit Christus ein. Quelle: Radio Vatikan, 01.03.2005 |
| #31 tttttttt24.05.2005 - 00:05 |
| Europa. Seine geistigen Grundlagen gestern, heute, morgen. Joseph Cardinal Ratzinger Europa - was ist das eigentlich? Diese Frage wurde in einem der Sprachzir-kel der römischen Bischofssynode über Europa von Kardinal Glemp immer wieder nachdrücklich gestellt: Wo beginnt, wo endet Europa? Warum gehört zum Beispiel Sibirien nicht zu Europa, obwohl es doch weitgehend von Eu-ropäern bewohnt wird, die auch auf durchaus europäische Weise denken und leben? Und wo verliert sich Europa im Süden der russischen Staaten-gemeinschaft? Wo läuft im Atlantik seine Grenze? Welche Inseln sind Euro-pa, welche nicht und warum nicht? In diesen Gesprächen wurde völlig klar, daß "Europa" nur ganz sekundär ein geographischer Begriff ist: Europa ist kein geographisch deutlich faßbarer Kontinent, sondern ein kultureller und historischer Begriff. Die Entstehung Europas Das zeigt sich ganz evident, wenn wir auf die Ursprünge Europas zurückzu-gehen versuchen. Wer vom Ursprung Europas redet, verweist gewöhnlich auf Herodot (ca. 484-425 vor Christus), der wohl als erster Europa als geo-graphischen Begriff kennt und es so definiert: "Die Perser sehen Asien mit seinen Völkern als ihr Land an. Europa und das Land der Griechen, meinen sie, liegt vollkommen außerhalb ihrer Grenzen." Die Grenzen Europas selbst werden nicht angegeben, aber es ist klar, daß Kernlande des heuti-gen Europa völlig außerhalb des Blickfelds des antiken Historikers lagen. In der Tat hatte sich mit der Ausbildung der hellenistischen Staaten und des Römischen Reiches ein "Kontinent" gebildet, der zur Grundlage des späte-ren Europa wurde, aber ganz andere Grenzen aufwies: Es waren die Länder rund um das Mittelmeer, die durch ihre kulturelle Verbundenheit, durch Verkehr und Handel, durch ein gemeinsames politisches System miteinan-der einen wirklichen "Kontinent" bildeten. Erst der Siegeszug des Islam hat im 7. und im beginnenden 8. Jahrhundert eine Grenze durch das Mittel-meer gezogen, es sozusagen in der Mitte durchgeschnitten, so daß, was bis-her ein Kontinent gewesen war, sich nunmehr in drei Kontinente teilte: A-sien, Afrika, Europa. Im Osten vollzog sich die Umbildung der alten Welt langsamer als im Westen: Das Römische Reich mit Konstantinopel als Mittelpunkt hielt dort - wenn auch immer weiter zurückgedrängt - bis ins 15. Jahrhundert hinein stand. Während die Südseite des Mittelmeers um das Jahr 700 endgültig aus dem bisherigen Kulturkontinent herausgefallen ist, vollzieht sich zur selben Zeit eine immer stärkere Ausdehnung nach Norden. Der Limes, der bisher eine kontinentale Grenze gewesen war, ver-schwindet und öffnet sich in einen neuen Geschichtsraum hinein, der nun Gallien, Germanien, Britannien als eigentliche Kernlande umgreift und sich zusehends nach Skandinavien ausstreckt. In diesem Prozeß der Verschie-bung der Grenzen wurde die ideelle Kontinuität mit dem vorangehenden, geographisch anders bemessenen mittelmeerischen Kontinent durch eine geschichtstheologische Konstruktion gewahrt: Im Anschluß an das Buch Daniel sah man das durch den christlichen Glauben erneuerte und ver-wandelte Römische Reich als das letzte und bleibende Reich der Weltge-schichte überhaupt an und definierte daher das sich konstituierende Völ-ker- und Staatengebilde als das bleibende Sacrum Imperium Romanum. Dieser Prozeß einer neuen geschichtlichen und kulturellen Identifizierung ist unter Karl dem Großen ganz bewußt vollzogen worden, und hier taucht nun auch wieder das alte Wort Europa in verwandelter Bedeutung auf: Die-se Vokabel wurde nun geradezu als Bezeichnung für das Reich Karl\s des Großen gebraucht und drückte zugleich das Bewußtsein der Kontinuität und der Neuheit aus, mit dem sich das neue Staatengefüge als die eigent-lich zukunftstragende Kraft auswies - zukunftstragend, gerade weil es sich in der Kontinuität der bisherigen Geschichte und letztlich im Immerwäh-renden verankert begriff. In dem so sich bildenden Selbstverständnis ist ebenso das Bewußtsein der Endgültigkeit wie das Bewußtsein einer Sen-dung ausgedrückt. Der Begriff Europa ist zwar nach dem Ende des Karolin-gischen Reiches wieder weitgehend verschwunden und nur in der Gelehr-tensprache erhalten geblieben; in die Populärsprache geht er erst zu Beginn der Neuzeit - wohl im Zusammenhang mit der Türkengefahr als Weise der Selbstidentifizierung - über, um sich allgemein im 18. Jahrhundert durch-zusetzen. Unabhängig von dieser Wortgeschichte bedeutet die Konstituie-rung des Frankenreiches als des nie untergegangenen und nun neu gebo-renen Römischen Reiches in der Tat den entscheidenden Schritt auf das zu, was wir heute meinen, wenn wir von Europa sprechen. Freilich dürfen wir nicht vergessen, daß es auch noch eine zweite Wurzel Europas, eines nicht westlichen, nicht abendländischen Europa gibt: Das Römische Reich hatte ja, wie schon gesagt, in Byzanz über die Stürme der Völkerwanderung und der Islamischen Invasion hin standgehalten. Byzanz verstand sich als das wirkliche Rom; hier war das Reich in der Tat nicht un-tergegangen, weshalb man auch weiterhin Anspruch auf die westliche Reichshälfte erhob. Auch dieses östliche Römische Reich hat sich weit nach Norden, in die slawische Welt hinein ausgedehnt und eine eigene, grie-chisch-römische Welt geschaffen, die sich von dem lateinischen Europa des Westens durch die andere Liturgie, die andere Kirchenverfassung, durch die andere Schrift und durch den Verzicht auf das Latein als gemeinsame Bil-dungssprache unterscheidet. Freilich gibt es auch genug verbindende Ele-mente, die die zwei Welten doch zu einem gemeinsamen Kontinent machen können: An erster Stelle das gemeinsame Erbe der Bibel und der alten Kir-che, das übrigens in beiden Welten über sich hinausweist auf einen Ur-sprung, der nun außerhalb Europas, in Palästina liegt; dazu die gemeinsa-me Reichsidee, das gemeinsame Grundverständnis der Kirche und damit auch die Gemeinsamkeit grundlegender Rechtsvorstellungen und rechtli-cher Instrumente; schließlich würde ich auch das Mönchtum erwähnen, das in den großen Erschütterungen der Geschichte der wesentliche Träger nicht nur der kulturellen Kontinuität, sondern vor allem der grundlegenden religiösen und sittlichen Werte, der letzten Orientierungen des Menschen geblieben ist und als vorpolitische und überpolitische Kraft zum Träger der immer wieder nötigen Wiedergeburten wurde. Zwischen den beiden Europen gibt es mitten in der Gemeinsamkeit des we-sentlichen kirchlichen Erbes allerdings doch noch einen tiefreichenden Un-terschied, auf dessen Bedeutung besonders Endre von Ivanka hingewiesen hat: In Byzanz erscheinen Reich und Kirche nahezu miteinander identifi-ziert; der Kaiser ist das Haupt auch der Kirche. Er versteht sich als Stellver-treter Christi, und im Anschluß an die Gestalt des Melchisedek, der König und Priester zugleich war (Gen 14,18), führt er seit dem 6. Jahrhundert den offiziellen Titel "König und Priester". Dadurch daß das Kaisertum seit Kon-stantin aus Rom abgewandert war, konnte sich in der alten Reichshaupt-stadt die selbständige Stellung des römischen Bischofs als Nachfolger Petri und Oberhaupt der Kirche entwickeln; hier wird schon seit Beginn der kon-stantinischen Ära eine Dualität der Gewalten gelehrt: Kaiser und Papst ha-ben je getrennte Vollmachten, keiner verfügt über das Ganze. Papst Gelasi-us I. (492-496) hat die Sicht des Westens in seinem berühmten Brief an Kaiser Anastasius und noch deutlicher in seinem vierten Traktat formuliert, wo er der byzantinischen Melchisedek-Typologie gegenüber betont, daß die Einheit der Gewalten ausschließlich in Christus liege. "Dieser selbst hat nämlich wegen der menschlichen Schwäche (superbia!) für spätere Zeiten die beiden Ämter getrennt, damit sich niemand überhebe (c. 11)." Für die Dinge des ewigen Lebens bedürfen die christlichen Kaiser der Priester (pon-tifices), und diese wiederum halten sich für den zeitlichen Lauf der Dinge an die kaiserlichen Verfügungen. Die Priester müssen in weltlichen Dingen den Gesetzen des durch göttliche Ordnung eingesetzten Kaisers folgen, während dieser sich in göttlichen Dingen dem Priester zu unterwerfen habe. Damit ist eine Gewaltentrennung und -unterscheidung eingeführt, die für die fol-gende Entwicklung Europas von höchster Bedeutung wurde und sozusagen das eigentlich Abendländische grundgelegt hat. Weil auf beiden Seiten ent-gegen solchen Abgrenzungen immer der Totalitätsdrang, das Verlangen nach der Überordnung der eigenen Macht über die andere lebendig blieb, ist dieses Trennungsprinzip auch zum Quell unendlicher Leiden geworden. Wie es recht zu leben und politisch wie religiös zu gestalten ist, bleibt ein grundlegendes Problem auch für das Europa von heute und von morgen. Der Umbruch in die Neuzeit hinein Wenn wir nach dem bisher Gesagten die Entstehung des Karolingischen Reiches einerseits, das Fortbestehen des Römischen Reiches in Byzanz und seine Slawenmission andererseits als die eigentliche Geburt des "Konti-nents" Europa ansehen dürfen, so bedeutet für die beiden Europen der Be-ginn der Neuzeit einen Umbruch, der sowohl das Wesen dieses Kontinents wie seine geographischen Umrisse betrifft. 1453 wurde Konstantinopel von den Türken erobert. O. Hiltbrunner kommentiert dazu lakonisch: "Die letz-ten Gelehrten wanderten nach Italien aus und vermittelten den Huma-nisten der Renaissance die Kenntnis der griechischen Originale; der Osten aber versank in Kulturlosigkeit." Das mag etwas schroff formuliert sein, weil ja auch das Osmanische Reich seine Kultur hatte; richtig ist, daß die christlich-griechische, "europäische" Kultur von Byzanz damit ein Ende fand. So drohte damit der eine Flügel Europas zu verschwinden, aber das byzantinische Erbe war nicht tot: Moskau erklärt sich zum dritten Rom, bildet nun selbst ein eigenes Patriarchat auf der Basis der Idee einer zwei-ten translatio imperii und stellt sich damit als eine neue Metamorphose des Sacrum Imperium dar - als eine eigene Form von Europa, das doch dem Westen verbunden blieb und sich immer mehr an ihm orientierte, bis schließlich Peter der Große es zu einem westlichen Land zu machen ver-suchte. Diese Nordverschiebung des byzantinischen Europa brachte es mit sich, daß nun auch die Grenzen des Kontinents weit nach Osten in Bewe-gung kamen. Die Festlegung des Ural als Grenze ist durchaus willkürlich, jedenfalls wurde die Welt östlich davon immer mehr zu einer Art Hinterhaus Europas, weder Asien noch Europa, vom Subjekt Europa wesentlich ge-formt, ohne selbst an seinem Subjektcharakter teilzunehmen: Objekt und nicht selber Träger seiner Geschichte. Vielleicht ist damit überhaupt das Wesen eines Kolonialstatus definiert. Wir können also bezüglich des byzantinischen, nicht abendländischen Eu-ropa zu Beginn der Neuzeit von einem doppelten Vorgang sprechen: Auf der einen Seite steht das Erlöschen des alten Byzanz mit seiner historischen Kontinuität zum Römischen Reich; auf der anderen Seite erhält dieses zwei-te Europa mit Moskau eine neue Mitte und weitet seine Grenze nach Osten hin aus, um schließlich in Sibirien eine Art kolonialen Vorbau einzurichten. Gleichzeitig können wir im Westen ebenfalls einen doppelten Vorgang mit weitreichender historischer Bedeutung konstatieren. Ein großer Teil der germanischen Welt reißt sich los von Rom; eine neue, aufgeklärte Art des Christentums entsteht, so daß durch das "Abendland" von nun an eine Trennlinie verläuft, die deutlich auch einen kulturellen Limes, eine Grenze zweier unterschiedlicher Denk- und Verhaltensweisen bildet. Freilich gibt es auch innerhalb der protestantischen Welt Risse, zum einen zwischen Lu-theranern und Reformierten, denen sich Methodisten und Presbyterianer zugesellen, während die Anglikanische Kirche einen Mittelweg zwischen ka-tholisch und evangelisch auszubilden versucht; dazu kommt dann auch die Differenz zwischen staatskirchlich geformtem Christentum, das für Europa kennzeichnend wird und Freikirchen, die ihren Zufluchtsraum in Nordame-rika finden, worüber noch zu sprechen sein wird. Achten wir zunächst noch auf den zweiten Vorgang, der die neuzeitliche Situation des ehemals lateini-schen Europa wesentlich umprägt: die Entdeckung Amerikas. Der Oster-weiterung Europas durch die fortschreitende Ausdehnung von Rußland nach Asien entspricht der radikale Ausbruch Europas aus seinen geogra-phischen Grenzen in die Welt jenseits des Ozean, die nun den Namen Ame-rika empfängt; die Teilung Europas in eine lateinisch-katholische und eine germanisch-protestantische Hälfte überträgt sich auf diesen von Europa mit Beschlag belegten Erdteil. Auch Amerika wird zunächst zu einem erweiter-ten Europa, zur "Kolonie", schafft sich aber gleichzeitig mit der Erschütte-rung Europas durch die Französische Revolution seinen eigenen Subjekt-charakter: Vom 19. Jahrhundert an steht es, wenngleich tief von seiner eu-ropäischen Geburt geprägt, Europa doch als eigenes Subjekt gegenüber. Bei dem Versuch, durch den Blick auf die Geschichte die innere Identität Europas zu erkennen, haben wir jetzt zwei grundlegende geschichtliche Umbrüche anvisiert: als erstes die Ablösung des alten mediteranen Konti-nents durch den weiter nördlich angesetzten Kontinent des Sacrum Imperi-um, in dem sich seit der Karolingischen Epoche "Europa" als westlich-lateinische Welt bildet; daneben das Fortbestehen des alten Rom in Byzanz mit seinem Ausgriff in die slawische Welt. Wir hatten als zweiten Schritt den Fall von Byzanz und die damit erfolgende Nord- und Ost-Verschiebung des christlichen Reichsgedankens auf der einen Seite Europas beobachtet, auf der anderen Seite die innere Teilung Europas in germanisch-protestantische und lateinisch-katholische Welt, dazu den Ausgriff nach Amerika, auf das sich diese Teilung überträgt und das sich schließlich als eigenes, Europa gegenüberstehendes geschichtliches Subjekt konstituiert. Nun müssen wir einen dritten Umbruch ins Auge fassen, dessen weithin sichtbares Fanal die Französische Revolution bildete. Zwar war das Sacrum Imperium schon seit dem späten Mittelalter als politische Realität in Auflö-sung begriffen und auch als tragende Geschichtsdeutung immer brüchiger geworden, aber jetzt erst zerbricht auch formell dieser geistige Rahmen, oh-ne den sich Europa nicht hätte bilden können. Dies ist sowohl in realpoliti-scher wie in ideeller Hinsicht ein Vorgang von erheblicher Tragweite. In i-deeller Hinsicht bedeutet dies, daß die sakrale Fundierung der Geschichte und der staatlichen Existenz abgeworfen wird: Die Geschichte mißt sich nicht mehr an einer ihr vorausliegenden und sie formenden Idee Gottes; der Staat wird nunmehr rein säkular betrachtet, auf Rationalität und Bürger-willen gegründet. Erstmals in der Geschichte überhaupt entsteht der rein säkulare Staat, der die göttliche Verbürgung und Normierung des Politi-schen als mythische Weltansicht ablegt und Gott selbst zur Privatsache er-klärt, die nicht ins Öffentliche der gemeinsamen Willensbildung gehört. Die wird nun allein als Sache der Vernunft angesehen, für die Gott nicht ein-deutig erkennbar erscheint: Religion und Glaube an Gott gehören dem Be-reich des Fühlens, nicht der Vernunft zu. Gott und sein Wille hören auf, öf-fentlich relevant zu sein. Auf diese Weise entsteht mit dem ausgehenden 18. und dem beginnenden 19. Jahrhundert eine neue Art von Glaubensspaltung, deren Ernst wir zu-sehends zu fühlen bekommen. Sie hat im Deutschen keinen Namen, weil sie hier sich langsamer ausgewirkt hat. In den lateinischen Sprachen wird sie als Spaltung zwischen "Christen" und "Laien" bezeichnet. Diese Span-nung ist in den letzten zwei Jahrhunderten als ein tiefer Riß durch die la-teinischen Nationen gegangen, während das protestantische Christentum es zunächst leichter hatte, liberalen und aufgeklärten Ideen in seinem Inne-ren Raum zu geben, ohne daß der Rahmen eines weitläufigen christlichen Grundkonsenses dabei hätte gesprengt werden müssen. Die realpolitische Seite der Ablösung der alten Reichsidee besteht darin, daß nun definitiv die Nationen, die durch die Ausbildung einheitlicher Sprachräume als solche identifizierbar geworden waren, als die eigentlichen und einzigen Träger der Geschichte erscheinen, also einen Rang erhalten, der ihnen vorher so nicht zugekommen war. Die explosive Dramatik dieses nun pluralen Geschichts-subjekts zeigt sich darin, daß sich doch die großen europäischen Nationen mit einer universalen Sendung betraut wußten, die notwendig zum Konflikt zwischen ihnen führen mußte, dessen tödliche Wucht wir in dem nun ver-flossenen Jahrhundert leidvoll erfahren haben. Die Universalisierung der europäischen Kultur und ihre Krise Schließlich ist da aber noch ein weiterer Vorgang zu bemerken, mit dem sich die Geschichte der letzten Jahrhunderte deutlich in ein neues hinein überschreitet. Hatte das alte vorneuzeitliche Europa in seinen beiden Hälf-ten wesentlich nur ein Gegenüber gekannt, mit dem es sich auf Leben und Tod auseinanderzusetzen hatte, nämlich die islamische Welt; hatte die neu-zeitliche Wende die Ausweitung nach Amerika und in Teile Asiens ohne ei-gene große Kultursubjekte gebracht, so erfolgt nun der Ausgriff auf die bei-den bisher nur marginal berührten Kontinente: Afrika und Asien, die man jetzt ebenfalls zu Ablegern Europas, zu "Kolonien" umzugestalten versuchte. Bis zu einem gewissen Grad ist das auch gelungen, insofern jetzt auch A-sien und Afrika dem Ideal der technisch geprägten Welt und ihres Wohlstands nacheifern, so daß auch dort die alten religiösen Überlieferun-gen in eine Situation der Krise eintreten und rein säkular denkende Schich-ten immer mehr das öffentliche Leben beherrschen. Aber es gibt auch eine Gegenwirkung: Die Renaissance des Islam ist nicht nur mit dem neuen ma-teriellen Reichtum islamischer Länder verbunden, sondern auch von dem Bewußtsein gespeist, daß der Islam eine tragfähige geistige Grundlage für das Leben der Völker zu bieten vermöge, die dem alten Europa abhanden gekommen zu sein scheint, das so trotz seiner noch währenden politischen und wirtschaftlichen Macht immer mehr zum Abstieg und zum Untergang verurteilt angesehen wird. Auch die großen religiösen Traditionen Asiens, vor allem seine im Buddhismus ausgedrückte mystische Komponente erhe-ben sich als geistige Kräfte gegen ein Europa, das seine religiösen und sittli-chen Grundlagen verneint. Der Optimismus über den Sieg des Europäi-schen, den Arnold Toynbee noch zu Beginn der sechziger Jahre vertreten konnte, erscheint heute seltsam überholt: "Von 28 Kulturen, die wir identi-fiziert haben sind 18 tot und neun von den verbliebenen zehn - alle in der Tat außer unserer - zeigen, daß sie bereits niedergebrochen sind." Wer würde das heute so noch sagen mögen? Und überhaupt - was ist das, "un-sere" Kultur, die noch geblieben ist? Ist die siegreich über die Welt ausge-breitete Zivilisation der Technik und des Kommerzes die europäische Kul-tur? Oder ist sie nicht eher posteuropäisch aus dem Ende der alten europä-ischen Kulturen geboren? Ich sehe da eine paradoxe Synchronie: Mit dem Sieg der posteuropäischen technisch-säkularen Welt, mit der Universalisie-rung ihres Lebensmusters und ihrer Denkweise verbindet sich weltweit, be-sonders aber in den streng nicht-europäischen Welten Asiens und Afrikas der Eindruck, daß die Wertewelt Europas, seine Kultur und sein Glaube, worauf seine Identität beruhten, am Ende und eigentlich schon abgetreten sei; daß nun die Stunde der Wertesysteme anderer Welten, des präkolum-bianischen Amerika, des Islam, der asiatischen Mystik gekommen sei. Eu-ropa scheint in dieser Stunde seines äußersten Erfolgs von innen her leer geworden, gleichsam von einer lebensbedrohenden Kreislaufkrise gelähmt, sozusagen auf Transplantate angewiesen, die dann aber doch seine Identi-tät aufheben müssen. Diesem inneren Absterben der tragenden seelischen Kräfte entspricht es, daß auch ethnisch Europa auf dem Weg der Verab-schiedung begriffen erscheint. Es gibt eine seltsame Unlust an der Zukunft. Kinder, die Zukunft sind, werden als Bedrohung der Gegenwart angesehen; sie nehmen uns etwas von unserem Leben weg, so meint man. Sie werden weithin nicht als Hoffnung, sondern als Grenze der Gegenwart empfunden. Der Vergleich mit dem untergehenden Römischen Reich drängt sich auf, das als großer geschichtlicher Rahmen noch funktionierte, aber praktisch schon von denen lebte, die es auflösen sollten, weil es selbst keine Lebens-kraft mehr hatte. Damit sind wir bei den Problemen der Gegenwart angelangt. Über die mög-liche Zukunft Europas gibt es zwei gegensätzliche Diagnosen. Da ist auf der einen Seite die These von Oswald Spengler, der für die großen Kulturgestal-ten eine Art von naturgesetzlichem Verlauf glaubte feststellen zu können: Es gibt den Augenblick der Geburt, den allmählichen Aufstieg, die Blütezeit einer Kultur, ihr langsames Ermüden, Altern und Tod. Spengler belegt seine These eindrucksvoll aus der Geschichte der Kulturen, in der man dieses Verlaufsgesetz nachzeichnen kann. Seine These war, daß das Abendland in seiner Spätphase angelangt sei, die allen Beschwörungen zum Trotz un-ausweichlich auf den Tod dieses kulturellen Kontinents hinausläuft. Natür-lich kann er seine Gaben an eine neu aufsteigende Kultur weiterreichen, wie es in früheren Untergängen geschehen ist, aber als dieses Subjekt habe er seine Lebenszeit hinter sich. Diese als biologistisch gebrandmarkte These hat zwischen den beiden Weltkriegen besonders im katholischen Raum lei-denschaftliche Bestreiter gefunden; eindrucksvoll ist ihr auch Arnold Toyn-bee entgegengetreten, freilich mit Postulaten, die heute wenig Gehör fin-den. Toynbee stellt die Differenz zwischen materiellem-technischem Fort-schritt einerseits, wirklichem Fortschritt andererseits heraus, den er als Vergeistigung definiert. Er räumt ein, daß sich das Abendland - die "westli-che Welt" - in einer Krise befindet, deren Ursache er im Abfall von der Reli-gion zum Kult der Technik, der Nation und des Militarismus sieht. Die Krise heißt für ihn letztlich: Säkularismus. Wenn man die Ursache der Krise kennt, kann man auch den Weg der Heilung angeben: Das religiöse Moment muß neu eingeführt werden, wozu für ihn das religiöse Erbe aller Kulturen gehört, besonders aber das, "was vom abendländischen Christentum übrig-geblieben ist." Der biologistischen tritt hier eine voluntaristische Sicht entgegen, die auf die Kraft schöpferischer Minderheiten und herausragen-der Einzelpersönlichkeiten setzt. Es stellt sich die Frage: Ist die Diagnose richtig? Und wenn - liegt es in unserer Macht, das religiöse Moment neu einzuführen, in einer Synthese aus Restchristentum und religiösem Menschheitserbe? Letztlich bleibt die Frage zwischen Spengler und Toynbee offen, weil wir nicht in die Zukunft schauen können. Aber unabhängig da-von stellt sich die Aufgabe, nach dem zu fragen, was Zukunft gewähren kann und was die innere Identität Europas in allen geschichtlichen Meta-morphosen weiterzuführen vermag. Oder noch einfacher: was auch heute und morgen die Menschenwürde und ein ihr gemäßes Dasein zu schenken verspricht. Um darauf Antwort zu finden, müssen wir noch einmal in unsere Gegen-wart hineinblicken und zugleich ihre geschichtlichen Wurzeln gegenwärtig halten. Wir waren vorhin ja bei der Französischen Revolution und dem 19. Jahrhundert stehen geblieben. In dieser Zeit haben sich vor allem zwei neue "europäische" Modelle entwickelt. Da steht bei den lateinischen Nationen das laizistische Modell: Der Staat ist streng geschieden von den religiösen Körperschaften, die in den privaten Bereich verwiesen sind. Er selber lehnt ein religiöses Fundament ab und weiß sich allein auf die Vernunft und ihre Einsichten gegründet. Angesichts der Fragilität der Vernunft haben sich diese Systeme als brüchig und diktaturanfällig erwiesen; sie überleben ei-gentlich nur, weil Teile des alten moralischen Bewußtseins auch ohne die vorigen Grundlagen weiterbestehen und einen moralischen Basiskonsens ermöglichen. Auf der anderen Seite stehen im germanischen Raum in un-terschiedlicher Weise die staatskirchlichen Modelle des liberalen Protestan-tismus, in denen eine aufgeklärte, wesentlich als Moral gefaßte christliche Religion - auch mit staatlich verbürgten Kultformen - den moralischen Kon-sens und eine weit gespannte religiöse Grundlage verbürgt, der sich die ein-zelnen nicht staatlichen Religionen anzupassen haben. Dieses Modell hat in Groß-Britannien, in den skandinavischen Staaten und zunächst auch im preußisch dominierten Deutschland staatlichen und gesellschaftlichen Zu-sammenhalt über lange Zeit hin verbürgt. In Deutschland allerdings hat der Zusammenbruch des preußischen Staatskirchentums ein Vakuum geschaf-fen, das sich dann ebenfalls als Leerraum für eine Diktatur anbot. Heute sind die Staatskirchen überall von der Auszehrung befallen: Von religiösen Körpern, die Derivate des Staates sind, geht keine moralische Kraft aus, und der Staat selbst kann moralische Kraft nicht schaffen, sondern muß sie voraussetzen und auf ihr aufbauen. Zwischen den beiden Modellen stehen die Vereinigten Staaten von Nordamerika, die einerseits - auf freikirchlicher Grundlage geformt - von einem strikten Trennungsdogma ausgehen, ande-rerseits über die einzelnen Denominationen hinweg doch tief von einem nicht konfessionell geprägten protestantisch-christlichen Grundkonsens geprägt wurden, der sich mit einem besonderen Sendungsbewußtsein reli-giöser Art der übrigen Welt gegenüber verband und so dem religiösen Mo-ment ein bedeutendes öffentliches Gewicht gab, das als vorpolitische und überpolitische Kraft für das politische Leben bestimmend sein konnte. Frei-lich darf man sich nicht verbergen, daß auch in den Vereinigten Staaten die Auflösung des christlichen Erbes unablässig voranschreitet, während gleichzeitig die schnelle Zunahme des spanischen Elements und die Anwe-senheit religiöser Traditionen aus aller Welt das Bild verändert. Vielleicht muß man hier doch auch anmerken, daß die Vereinigten Staaten die Pro-testantisierung Lateinamerikas, also die Ablösung der katholischen Kirche durch freikirchliche Formen unübersehbar fördern, aus der Überzeugung heraus, daß die katholische Kirche keine stabilen Wirtschafts- und politi-schen Systeme gewährleisten könne, insofern also als Erzieherin der Natio-nen versage, während man erwartet, daß das freikirchliche Modell einen ähnlichen moralischen Konsens und demokratische Willensbildung ermög-lichen werde, wie sie für die Vereinigten Staaten charakteristisch sind. Um das Bild weiter zu komplizieren, muß man hinzunehmen, daß heute die ka-tholische Kirche die größte Religionsgemeinschaft in den Vereinigten Staa-ten bildet, daß sie in ihrem Glaubensleben ganz entschieden zur katholi-schen Identität steht, daß aber die Katholiken hinsichtlich des Verhältnis-ses von Kirche und Politik die freikirchlichen Traditionen in dem Sinn auf-genommen haben, daß gerade eine nicht dem Staat verschmolzene Kirche die moralischen Grundlagen des Ganzen besser gewährleistet, so daß die Förderung des demokratischen Ideals als eine tief dem Glauben gemäße moralische Verpflichtung erscheint. Man kann in einer solchen Position mit gutem Recht eine zeitgemäße Fortführung des Modells von Papst Gelasius sehen, von dem ich oben gesprochen hatte. Kehren wir nach Europa zurück. Zu den zwei Modellen, von denen wir vor-her sprachen, hat sich noch im 19. Jahrhundert ein drittes gesellt, nämlich der Sozialismus, der sich alsbald in zwei unterschiedliche Wege aufteilte, den totalitären und den demokratischen. Der demokratische Sozialismus hat sich von seinem Ausgangspunkt her als ein heilsames Gegengewicht gegenüber den radikal liberalen Positionen in die beiden bestehenden Mo-delle einzufügen vermocht, sie bereichert und auch korrigiert. Er erwies sich dabei auch als die Konfessionen übergreifend: In England war er die Partei der Katholiken, die sich weder im protestantisch-konservativen noch im liberalen Lager zu Hause fühlen konnten. Auch im wilhelminischen Deutschland konnte sich das katholische Zentrum weithin dem demokrati-schen Sozialismus näher fühlen als den streng preußisch protestantischen konservativen Kräften. In vielem stand und steht der demokratische Sozia-lismus der katholischen Soziallehre nahe, jedenfalls hat er zur sozialen Be-wußtseinsbildung erheblich beigetragen. Das totalitäre Modell hingegen verband sich mit einer streng materialistischen und atheistischen Ge-schichtsphilosophie: Die Geschichte wird deterministisch als ein Prozeß des Fortschritts über die religiöse und die liberale Phase hin zur absoluten und endgültigen Gesellschaft verstanden, in der Religion als Relikt der Vergan-genheit überwunden sein und das Funktionieren der materiellen Bedingun-gen das Glück aller gewährleisten wird. Die scheinbare Wissenschaftlichkeit verbirgt einen intoleranten Dogmatismus: Der Geist ist Produkt der Materie; die Moral ist Produkt der Umstände und muß je nach den Zwecken der Ge-sellschaft definiert und praktiziert werden; alles, was der Herbeiführung des glücklichen Endzustandes dient, ist moralisch. Hier ist die Umwertung der Werte, die Europa gebaut hatten, vollständig. Mehr, hier vollzieht sich ein Bruch mit der gesamten moralischen Tradition der Menschheit: Es gibt kei-ne von den Zwecken des Fortschritts unabhängigen Werte mehr, alles kann im gegebenen Augenblick erlaubt oder sogar notwendig, im neuen Sinn mo-ralisch sein. Auch der Mensch kann zum Mittel werden; nicht der einzelne zählt, sondern einzig die Zukunft wird zur grausamen Gottheit, die über alle und alles verfügt. Die kommunistischen Systeme sind inzwischen zunächst an ihrer falschen ökonomischen Dogmatik gescheitert. Aber man übersieht allzu gern, daß sie tieferhin an ihrer Menschenverachtung, an ihrer Unterordnung der Mo-ral unter die Bedürfnisse des Systems und seine Zukunftsverheißungen zugrunde gegangen sind. Die eigentliche Katastrophe, die sie hinterlassen haben, ist nicht wirtschaftlicher Natur; sie besteht in der Verwüstung der Seelen, in der Zerstörung des moralischen Bewußtseins. Ich sehe ein we-sentliches Problem unserer Stunde für Europa und für die Welt darin, daß zwar nirgends das wirtschaftliche Scheitern bestritten wird und daher Alt-kommunisten ohne Zögern zu Wirtschaftsliberalen geworden sind; hingegen wird die moralische und religiöse Problematik, um die es eigentlich ging, fast völlig verdrängt. Insofern besteht die vom Marxismus hinterlassene Problematik auch heute fort: Die Auflösung der Urgewißheiten des Men-schen über Gott, über sich selbst und über das Universum - die Auflösung des Bewußtseins moralischer Werte, die nie zur Disposition stehen, ist noch immer und gerade jetzt wieder unser Problem und kann zur Selbstzerstö-rung des europäischen Bewußtseins führen, die wir - unabhängig von Spenglers Untergangsvision - als eine reale Gefahr ins Auge fassen müs-sen. Wo stehen wir heute? So stehen wir vor der Frage: Wie soll es weitergehen? Gibt es in den gewalti-gen Umbrüchen unserer Zeit eine Identität Europas, die Zukunft hat und zu der wir von innen her stehen können? Für die Väter der europäischen Einigung nach den Verwüstungen des Zweiten Weltkriegs - Adenauer, Schumann, de Gasperi - war es klar, daß es eine solche Grundlage gibt und daß sie im christlichen Erbe unseres durch das Christentum gewordenen Kontinents besteht. Für sie war klar, daß die Zerstörungen, mit denen uns die Nazidiktatur und die Diktatur Stalins konfrontierten, gerade auf der Ab-stoßung dieser Grundlage beruhten - auf einer Hybris, die sich dem Schöp-fer nicht mehr unterwarf, sondern beanspruchte, selbst den besseren, den neuen Menschen zu schaffen und die schlechte Welt des Schöpfers umzu-montieren in die gute Welt, die aus dem Dogmatismus der eigenen Ideologie entstehen sollte. Für sie war klar, daß diese Diktaturen, die eine ganz neue Qualität des Bösen hervorbrachten, weit über alle Greuel des Krieges hin-aus, auf der gewollten Abschaffung Europas beruhten und daß man wieder zu dem zurückkehren müsse, was diesem Kontinent in allen Leiden und Verfehlungen seine Würde gegeben hatte. Der anfängliche Enthusiasmus der neuen Zuwendung zu den großen Konstanten des christlichen Erbes ist schnell verflogen, und die europäische Einigung hat sich dann zunächst fast ausschließlich unter wirtschaftlichen Aspekten vollzogen, unter weitge-hender Ausklammerung der Frage nach den geistigen Grundlagen einer sol-chen Gemeinschaft. In den letzten Jahren ist das Bewußtsein dafür wieder gewachsen, daß die wirtschaftliche Gemeinschaft der europäischen Staaten auch einer Grund-lage gemeinsamer Werte bedarf: Das Anwachsen der Gewalt, die Flucht in die Droge, das Zunehmen der Korruption läßt uns sehr fühlbar werden, daß der Werteverfall durchaus auch materielle Folgen hat und daß Gegensteue-rung notwendig ist. Die zu erhoffende künftige europäische Verfassung wird zu den Grundlagen europäischer Identität Stellung nehmen müssen. Ich möchte hier nicht in die Diskussionen um diesen Text eintreten, sondern nur drei wesentliche Elemente benennen, die meiner Überzeugung nach nicht fehlen dürfen. Das erste ist die Unbedingtheit, mit der Menschenwür-de und Menschenrecht als Werte erscheinen müssen, die jeder staatlichen Rechtssetzung vorangehen. Günter Hirsch hat mit Recht betont, daß diese Grundrechte nicht vom Gesetzgeber geschaffen noch den Bürgern verliehen werden, "vielmehr existieren sie aus eigenem Recht, sie sind seit je vom Ge-setzgeber zu respektieren, ihm vorgegeben als übergeordnete Werte." Die-se allem politischen Handeln und Entscheiden vorangehende Gültigkeit der Menschenwürde verweist letztlich auf den Schöpfer: Nur er kann Rechte setzen, die im Wesen des Menschen gründen und für niemanden zur Dispo-sition stehen. Insofern ist hier wesentlich christliches Erbe in seiner beson-deren Art von Gültigkeit kodifiziert. Daß es Werte gibt, die für niemanden manipulierbar sind, ist die eigentliche Gewähr unserer Freiheit und menschlicher Größe; der Glaube sieht darin das Geheimnis des Schöpfers und der von ihm dem Menschen verliehenen Gottebenbildlichkeit. So schützt dieser Satz ein Wesenselement der christlichen Identität Europas in einer auch dem Ungläubigen verstehbaren Formulierung. Nun wird heute kaum jemand direkt die Vorgängigkeit der Menschenwürde und der grundlegenden Menschenrechte vor allen politischen Entscheiden verleugnen; zu kurz liegen noch die Schrecknisse des Nazismus und seiner Rassenlehre zurück. Aber im konkreten Bereich des sogenannten medizini-schen Fortschritts gibt es sehr reale Bedrohungen dieser Werte: Ob wir an die Klonation, an die Vorratshaltung menschlicher Föten zum Zweck der Forschung und der Organspende, an den ganzen Bereich der genetischen Manipulation denken - die stille Auszehrung der Menschenwürde, die hier droht, kann niemand übersehen. Dazu kommen in wachsendem Maß der Menschenhandel, neue Formen der Sklaverei, das Geschäft mit menschli-chen Organen zum Zweck der Transplantation. Immer werden natürlich "gute Zwecke" vorgebracht, um das zu rechtfertigen, was nicht zu rechtfer-tigen ist. Fassen wir zusammen: Die Festschreibung von Wert und Würde des Men-schen, von Freiheit, Gleichheit und Solidarität mit den Grundsätzen der Demokratie und der Rechtsstaatlichkeit schließt ein Menschenbild, eine moralische Option und eine Idee des Rechts ein, die sich keineswegs von selbst verstehen, aber in der Tat grundlegende Identitätsfaktoren Europas sind, die auch in ihren konkreten Konsequenzen verbürgt werden müßten und freilich nur verteidigt werden können, wenn sich ein entsprechendes moralisches Bewußtsein immer neu bildet. Ich komme zu einem zweiten Punkt, der für die europäische Identität we-sentlich ist: Ehe und Familie. Die monogame Ehe ist als grundlegende Ord-nungsgestalt des Verhältnisses von Mann und Frau und zugleich als Zelle staatlicher Gemeinschaftsbildung vom biblischen Glauben her geformt wor-den. Sie hat Europa, dem abendländischen wie dem östlichen, sein beson-deres Gesicht und seine besondere Menschlichkeit gegeben, auch und ge-rade weil die damit vorgezeichnete Form von Treue und von Verzicht immer wieder neu leidvoll errungen werden mußte. Europa wäre nicht mehr Euro-pa, wenn diese Grundzelle seines sozialen Aufbaus verschwände oder we-sentlich verändert würde. Wir alle wissen, wie sehr Ehe und Familie heute gefährdet sind - zum einen durch die Aushöhlung ihrer Unauflöslichkeit durch immer leichtere Formen der Scheidung, zum anderen durch ein sich immer mehr ausbreitendes neues Verhalten, das Zusammenleben von Mann und Frau ohne die rechtliche Form der Ehe. In krassem Gegensatz dazu steht das Verlangen homosexueller Lebensgemeinschaften, die nun paradoxerweise eine Rechtsform verlangen, die mehr oder weniger der Ehe gleichgestellt werden soll. Mit dieser Tendenz tritt man aus der gesamten moralischen Geschichte der Menschheit heraus, die bei aller Verschieden-heit der Rechtsformen der Ehe doch immer wußte, daß diese ihrem Wesen nach das besondere Miteinander von Mann und Frau ist, das sich auf Kin-der hin und so auf die Familie hin öffnet. Hier geht es nicht um Diskrimi-nierung, sondern um die Frage, was der Mensch als Mann und Frau ist und wie das Miteinander von Mann und Frau recht geformt werden kann. Wenn einerseits ihr Miteinander sich immer mehr von rechtlichen Formen löst, wenn andererseits homosexuelle Gemeinschaft immer mehr der Ehe gleich-rangig angesehen wird, stehen wir vor einer Auflösung des Menschenbildes, deren Folgen nur äußerst gravierend sein können. Dazu fehlt leider ein kla-res Wort in der Charta. Mein letzter Punkt betrifft den religiösen Bereich. Es würde den Rahmen dieser Konferenz überschreiten, die großen Fragen zu diskutieren, um die in diesem Bereich gerungen wird. So beschränke ich mich auf einen Punkt, der für alle Kulturen grundlegend ist: die Ehrfurcht vor dem, was dem an-deren heilig ist und die Ehrfurcht vor dem Heiligen überhaupt, vor Gott, die sehr wohl auch demjenigen zumutbar ist, der selbst nicht an Gott zu glau-ben bereit ist. Wo diese Ehrfurcht zerbrochen wird, geht in einer Gesell-schaft Wesentliches zugrunde. In unserer gegenwärtigen Gesellschaft wird gottlob jemand bestraft, der den Glauben Israels, sein Gottesbild, seine gro-ßen Gestalten verhöhnt. Es wird auch jemand bestraft, der den Koran und die Grundüberzeugungen des Islam herabsetzt. Wo es dagegen um Christus und um das Heilige der Christen geht, erscheint die Meinungsfreiheit als das höchste Gut, das einzuschränken die Toleranz und die Freiheit über-haupt gefährden oder gar zerstören würde. Meinungsfreiheit findet aber ihre Grenze darin, daß sie Ehre und Würde des anderen nicht zerstören darf; sie ist nicht Freiheit zur Lüge oder zur Zerstörung von Menschenrechten. Hier gibt es einen merkwürdigen und nur als pathologisch zu bezeichnenden Selbsthaß des Abendlandes, das sich zwar lobenswerterweise fremden Wer-ten verstehend zu öffnen versucht, aber sich selbst nicht mehr mag, von seiner eigenen Geschichte nur noch das Grausame und Zerstörerische sieht, das Große und Reine aber nicht mehr wahrzunehmen vermag. Euro-pa braucht, um zu überleben, eine neue - gewiß kritische und demütige - Annahme seiner selbst, wenn es überleben will. Die immer wieder leiden-schaftlich geforderte Multikulturalität ist manchmal vor allem Absage an das Eigene, Flucht vor dem Eigenen. Aber Multikulturalität kann ohne ge-meinsame Konstanten, ohne Richtpunkte des Eigenen nicht bestehen. Sie kann ganz sicher nicht ohne Ehrfurcht vor dem Heiligen bestehen. Zu ihr gehört es, dem Heiligen des anderen ehrfürchtig zu begegnen, aber dies können wir nur, wenn uns das Heilige, Gott, selbst nicht fremd ist. Gewiß, wir können und sollen vom Heiligen der anderen lernen, aber es ist gerade vor den anderen und für die anderen unsere Pflicht, selbst in uns die Ehr-furcht vor dem Heiligen zu nähren und das Gesicht des Gottes zu zeigen, der uns erschienen ist - des Gottes, der sich der Armen und Schwachen, der Witwen und Waisen, des Fremden annimmt; des Gottes, der so mensch-lich ist, daß er selbst ein Mensch werden wollte, ein leidender Mensch, der mit uns mitleidend dem Leiden Würde und Hoffnung gibt. Wenn wir dies nicht tun, verleugnen wir nicht nur die Identität Europas, sondern versagen auch den anderen einen Dienst, auf den sie Anspruch haben. Den Kulturen der Welt ist die absolute Profanität, die sich im Abendland herausgebildet hat, zutiefst fremd. Sie sind überzeugt, daß eine Welt ohne Gott keine Zu-kunft hat. Insofern ruft uns gerade die Multikulturalität wieder zu uns sel-ber zurück. Wie es mit Europa weitergehen wird, wissen wir nicht. Die Charta der Grundrechte kann ein erster Schritt sein, daß es wieder bewußt seine Seele sucht. Toynbee ist darin Recht zu geben, daß das Schicksal einer Gesell-schaft immer wieder von schöpferischen Minderheiten abhängt. Die gläubi-gen Christen sollten sich als eine solche schöpferische Minderheit verstehen und dazu beitragen, daß Europa das Beste seines Erbes neu gewinnt und damit der ganzen Menschheit dient. Vatikan: Neues Interview mit Kardinal Ratzinger zu Buttiglione, Niederlande, EU-Verfassung - Zeigt der Fall Buttiglione, dass die Mitarbeit von Christen in der EU nicht mehr gewollt ist? "In der Tat - es ist ein Zeichen, daß zunächst die weltanschauliche Neutralität des staatlichen Bereichs sich in eine Art von ideologischer Dogmatik umzuwandeln im Begriff steht, Laizismus also nicht mehr die Gewähr vielfältiger Überzeugungen in Freiheit darstellt, sondern sich selbst als eine Ideologie etabliert, die vorschreibt, was man denken und sagen darf und eine öffentliche Präsenz des Christlichen, zum Beispiel, eben nicht mehr gewährleistet. Das ist, denke ich, schon ein Phänomen, das uns zu denken geben muß: dass das, was zunächst als Gewähr gemeinsamer Freiheit erschien, sich in eine Ideologie umformt, die zum Dogmatismus wird und die Religionsfreiheit zu gefährden beginnt." - Stürzt im Moment in den Niederlanden ein multi-kulturelles Kartenhaus in sich zusammen? "Dass natürlich die Multi-Kulturalität so einfach nicht geht, wie man es hinstellt; dass faktisch die Erfahrung der Fremdheit auch immer wieder Zusammenstöße schaffen wird; und dass sie also nicht auf der Basis der Gleichgültigkeit, sondern nur auf der Basis positiver Wertschätzung wachsen kann - das scheint mir schon offensichtlich zu sein." - War es von der Kirche richtig, sich so auf die EU-Verfassung, auf Christentumsbezug und auf Erwähnung Gottes zu "kaprizieren"? Oder war das angesichts einer Verfassungstradition, die in Europa auch lange ohne Gottesbezüge herangewachsen war, nicht vielleicht doch der falsche Schauplatz für das Thema, dass das Christentum weiter seine Rolle spielen soll beim Aufbau Europas? Wie sehen Sie das im Rückblick? "Zweierlei ist wichtig: Zum einen, dass man natürlich in den großen inhaltlichen Punkten die Präsenz unseres Rechts- und Moralbewußtseins gewährleistet - was zum Teil gelungen ist. Insofern ist natürlich der Inhalt, also die einzelnen Elemente der Europäischen Verfassung, ganz entscheidend. Wenn nur in der Präambel etwas stünde, was keine Entsprechung in den wesentlichen Rechtsvorstellungen fände, wäre es eine Leerformel, die nichts nützen würde. Ich denke aber, dass man schon darum gerungen hat, in den konkreten Elementen der Europäischen Verfassung und ihrer Rechtsgestalt das christliche Rechtserbe zur Geltung zu bringen... mit unterschiedlichem Erfolg. Trotzdem würde ich es nicht als unnütz oder gar verfehlt ansehen, dass in der Präambel selbst eine Identität definiert wird und dass Europa einfach sagt, was es ist, wo es herkommt, von wo es seine Maßstäbe nimmt. Ich würde sagen: Die Berufung auf Gott ist in der deutschen Verfassung ja da; sie ist in der amerikanischen Tradition, in der angelsächsischen Tradition... Ich würde auch sagen: Das Argument ist falsch, dass man damit andere Religionen schockiert. Im Gegenteil: Sie sind schockiert über unseren absoluten Säkularismus. Deswegen meine ich, dass schon beides sich entsprechen muß - dass in der Präambel die geistigen Grundlagen benannt werden müssen und, und die sind nun einmal in dem biblischen Erbe gegeben, und dass andererseits natürlich das, was dann an Rechtsgestalt noch ausgeführt wird, diesem in der Präambel Gesagten entsprechen muss." - Ist denn nicht das amerikanische Modell - Religion als Rechtsfertigungsfundus für das Handeln - erfolgversprechender gegenüber dem europäischen, das eine immer weitere Trennung und Differenzierung der Sphären bis hin zum drohenden Verschwinden des Christlichen will? "Ja, ich denke schon, dass in vieler Hinsicht das amerikanische Modell besser ist. Europa war im Staatskirchentum festgefahren; die Leute, die nicht einer Staatskirche zugehören wollten, sind nach Amerika gegangen und haben also bewußt einen Staat geschaffen, der selber nicht eine Kirche vorschreibt, der aber nicht einfach als religiös neutral erfahren wurde, sondern als der Raum, in dem Religionen sich bewegen können und auch öffentliche Gestaltungsfreiheit haben, nicht bloß ins Private verwiesen sind. Insofern kann man ohne Zweifel von Amerika lernen. Dass wir das jetzt nicht so einfach auf uns übertragen können, ist mir klar, aber der Vorgang, dass der Staat Raum gibt für die Religion, sie aber nicht selbst vorgibt, aber doch wieder davon lebt, dass sie da ist und öffentliche Gestaltungskraft hat, ist sicher eine positive Form." Die Fragen an Kardinal Ratzinger stellte Stefan Kempis im Studio von Radio Vatikan. |
| #30 zzzzzzzzz23.05.2005 - 23:52 |
| Freitag, den 26. Nov. 2004 Der verdrängte Ratzinger Mir fiel auf, dass die vom Bayerischen Rundfunk am Montag, den 22. November verbreitete Kurzmeldung, Kardinal Ratzinger habe sich in einem Interview mit Radio Vatikan gegen den Pazifismus ausgesprochen und dabei die christliche Standfestigkeit von Präsident Bush gelobt, in der Presse eine so geringe Resonanz fand. Ich dachte, das müsse doch einen Grund haben. Wollte man bei den Kirchenoberen verhindern, dass Fragen auftauchen, wer denn nun in Rom das Sagen habe, der Papst Johannes Paul II. oder der ehrgeizige Bayer, der wohl selbst gern Papst werden möchte? Hatte denn Johannes Paul II. nicht oft genug das amerikanische Vorgehen gegenüber dem Irak beklagt? Wie reimt sich das alles? Um mehr zu erfahren, zappte ich unverdrossen durch den deutschen Pressewald. Das Ergebnis war mager. Fündig wurde ich nur bei Spiegel online, wo unter der Überschrift Von Amerika lernen folgendes zu lesen war: Der deutsche Kurienkardinal ist voll des Lobes für die amerikanische Gesellschaft. Ihn begeistert das Ansehen der Religion dort. Weiter sagte Kardinal Ratzinger: Ich denke, dass in vieler Hinsicht das amerikanische Modell besser ist. Er kritisierte damit das christliche Verhalten Europas. Eigentlich war ich über die Aussagen des aus dem oberbayerischen Chiemgau stammenden Polizistensohnes nicht allzu sehr verwundert. Ich bin ihm in meinem Leben mehrfach begegnet, als Schüler und später als Journalist. Mir war der Mann mit seiner leisen Kastratenstimme, seiner salbungsvollen Wortwahl und seiner asketischen Haltung stets fremd geblieben. Ich sah in ihm nie den blutvollen aufrechten Gottesmann, sondern nur den geschmeidigen Diplomaten, wie sie in der katholischen Kirche häufig tonangebend waren und sind. Kirchenfürsten wie Ratzinger halten es stets mit den Mächtigen. Deshalb seine Bewunderung für Franz Josef Strauß, der nun weiß Gott in seinen Handlungen kein Vorzeigeexemplar christlicher Lebensführung war. Christliche Skrupel spielen da keine Rolle, dabei bleiben ist alles. Das war schon im Dritten Reich so: Eine Wahrheit, die von den Kirchenoberen heute gerne verdrängt wird, auch, dass Priester unsere Waffen im Zweiten Weltkrieg segneten, Waffen, die aus den NS-Rüstungsschmieden. stammten. Da nimmt es nicht wunder, dass der Kardinal kein Problem mit den bombenden und folternden Bush-Kriegern hat. Er teilt wohl die religiös bestimmte Denkweise der politischen Kaste Amerikas, dass die Niederlage der Kriegsgegner eine Strafe Gottes sei, während die US-Sieger die Hilfe Gottes erfahren hätten. Gott ist eben Amerikaner! Da aber die Verlierer aus Gottes Hand gefallen sind, darf man sie auch dementsprechend züchtigen und demütigen. Wer also von Amerika lernen will, muss auch Guantanamo und die Foltergefängnisse im Irak in den Lernprozess mit einbeziehen. Von Ihren Vorstellungen, Herr Kardinal Ratzinger wenden sich die wahren Christen, für die die Nächstenliebe zu den obersten Prinzipien gehört, mit Grausen ab. Oder sie treten aus der Kirche aus. Und es werden immer mehr. Nicht zuletzt dank der Hirten, wie Sie einer sind! |
| #29 ddddddddddd22.05.2005 - 14:51 |
| Short Essays 1st Prize--Nicholas Starvaggi, "As American as Cherry Pie: The Weather Underground and its Legacy" 2nd Prize--Molly Alcox, "Erasmus as an International Figure" 3rd Prize--Neil Waggoner, "Confucius: Progressive or Conservative" Term Papers 1st Place--David Bullock, "Homophobia and Heteronormativity in Black Culture: Black Lesbian Authors Respond" 2nd Place--Margaret Kostendt, "Thomas More and Humanist Education" 3rd Place--Robert Sidwell, "Lost and Divided: Southern Perspectives on Robert E. Lee\s Most Controversial Command Decisions" 2004 Short Essays 1st Prize--Alfonse Battiselli, "Triumph of Stability in the American Revolution" 2nd Prize--Brian Gebhart, "A Face in the (Ruling) Crowd" 3rd Prize--Robert Sidwell, "Is Empire Bad" Term Papers 1st Place--Tim Ashe, "You\ve Come a Long Way, Baby: The Peculiar Evolution of Strategic Bombing into the American Way of War" 2nd Place--Andrew Connor, "He Sets his Mark on the Foreheads of his Soldiers: Asceticism & Mithraism in the Roman Legions during the Imperial Period" 3rd Place [TIE]--Evan Dicken, "Romance in the Mid-Heian Period, An Examination of Gender Relations in Japanese Court Society through the Tale of Genji & Other Heian Texts" John McKenna, "If You Have Doubts About Our Grandeur, Look at Our Edifice: The Evolution of Art as a State Tool during the rise of the Mughal Empire" 2003 Short Essays 1st Prize--Thomas Williams, "Lockean Principles and the War of Independence" 2nd Prize--Jennifer Blahnik, "Virginity and Mary" 3rd Prize--Adam Nagle, "Personal Struggles in an International Conflict" Term Papers 1st Place--Lauren Christopher, "Elizabeth Barton and Thomas More: Fates Entwined" 2nd Place--Tim Ashe, "Nation and Rifle: The 1936-1939 Arab Rebellion in British Palestine" 3rd Place--Adriel Shearer, "The Bonds of Patronage in New France" 2002 Short Essays 1st Prize--Adam Groves, "Chains Over Time: A Critical Historiography of Slavery" Term Papers 1st Prize--Jennifer Blahnik, "The Mandate of Morality" 2nd Prize--Sarah La Asmar, "The Birmingham Campaign: The Children that made it Possible" 3rd Prize--Katie Kuhl, "African American Soldiers Who Challenged White Attitudes" 2001 Short Essays 1st Prize--Laura Weinhardt, "Changing Tides: An Examination of Current Ottoman Historiography" 2nd Prize--Erin J. Jennice, "The Golden Athenians?" Term Papers 1st Prize--Jolene Setlock, "Prigg v. Pennsylvania." 2nd Prize--Andrew Kellet, "Britain\s Political \Hot Potato\: Anglo-Irish Policies, 1798-1922." 3rd Prize--Kimberly M. Baker, "WACs Who Dressed in Slacks: The Lesbian Threat Within the World War II Women\s Army Corps" 2000 1st Prize--Andrew Kellett, "The Ultimate Sacrifice: Two Visions of Irish Republican Martyrs, 1798-1980" 1st Prize--Un Kyong Ho, "The Intergenerational Effects of Nazism: Implications for the Children of the Holocaust Survivors and Children of former Nazi Members" 3rd Prize--Jeffrey Wise, "Thucydides\ Bias Against Cleon" |
| #28 vvvvvv18.05.2005 - 09:55 |
| SEATTLE (AP) - A group of Roman Catholic and Anglican leaders studying the role of Mary, the mother of Jesus, said Monday that after years of talks they have agreed that Catholic teachings on the Immaculate Conception and the Assumption of Mary into heaven are consistent with Anglican interpretations of the Bible. The two sides issued a joint document, ``Mary: Grace and Hope in Christ,\\ which will now be examined by the Vatican and the Anglican Communion. If the terms of the new accord are eventually accepted by top church officials - by no means a certainty - it would overcome one of the major doctrinal disagreements dividing the world\s 77 million Anglicans and more than 1 billion Roman Catholics. Historically, the Anglican Communion has opposed the papal teachings because there is no direct account of them in the Bible. Immaculate Conception refers to the mandatory Catholic dogma, pronounced in 1854, that Mary was born free of ``original sin.\\ The Assumption refers to the belief required since 1950 that Mary was directly received, body and soul, into heaven at the end of her life. Anglicans have neither teaching. Both Catholicism and Anglicanism officially agree, however, on the virginal conception, meaning that Mary was a virgin when Jesus was born. Anglican Archbishop Peter Carnley of Perth, Australia, co-chairman of the Anglican-Roman Catholic International Commission, said the Catholic dogmas concerning Mary are ``consonant\\ with biblical teachings about hope and grace. The remaining question between the faiths is the authority on which those dogmas are based, he said - a question to be tackled in future discussions. ``For Anglicans, that old complaint that these dogmas were not provable by scripture will disappear,\\ Carnley said during a news conference with Seattle\s Catholic Archbishop, Alexander Brunett. The commission spent five years developing the 81-page booklet, in a process sponsored by the Anglican Consultative Council and the Vatican\s Pontifical Council for Promoting Christian Unity. The document\s release was also significant because it follows tensions between Catholicism and Anglicanism over actions by the Episcopal Church, the Anglicans\ U.S. branch. Presiding Episcopal Bishop Frank Griswold, who for a time chaired the commission studying Mary, resigned from the panel after he oversaw the consecration of gay Bishop V. Gene Robinson in New Hampshire. As recently as last month, the Vatican said Robinson\s consecration and same-sex blessings by Canadian Anglicans ``created new obstacles\\ for relations between the churches. Though Griswold did not attend the news conference, he was in town Monday to have lunch and attend vespers with Brunett and Carnley. Bob Chapman, a reporter for the independent Episcopal weekly The Living Church, said there is a long Anglican tradition of honoring Mary - there is even a shrine to her in Walsingham, England - but the degree of devotion varies greatly within the faith. ``I can name a couple of parishes here in Seattle that have better Marian devotion than some Roman Catholic parishes,\\ he said, but to other Anglicans, the notion of honoring her is ``anathema.\\ The accord announced Monday is aimed at bridging those extremes, he said. ``There are churches that look with suspicion on people who do these things, and yet we all live together under the same umbrella,\\ Chapman said. |
| #27 http://theanchoressonline.com/2005/05/12/sigh-my-bloddwork-is-off/18.05.2005 - 09:52 |
| http://theanchoressonline.com/2005/05/12/sigh-my-bloddwork-is-off/ |
| #26 http://thinklings.org/18.05.2005 - 09:47 |
| http://thinklings.org/ |
| #25 ddddddddddddHomepage08.05.2005 - 19:58 |
| http://www.ljhammond.com/phlit/2004-06.htm |
| #24 fffffffffHomepage08.05.2005 - 15:39 |
| http://www.stimmen-der-zeit.de/StdZ_12_03_Acklin.pdf. |
| #23 ffffff08.05.2005 - 08:25 |
| Der Großinquisitor der modernen Kirche Kardinal Ratzinger, der Glaubenseinschärfer des Vatikans John L. Allen Jr Continuum Kardinal Ratzinger ist ein Wunderkind. Als ein Mann von hervorragender und subtiler Intelligenz, als ein in den höchsten Standards einer deutschen Universität ausgebildeter Wissenschaftler und als einer der jüngeren Mitglieder jener progressiven Gruppe von Theologen, die das Zweite Vatikanische Konzil so stark beeinflußten, wurde er in einem sehr reaktionären Augenblick die mächtigste Gestalt der römischen Kurie und nahm eine ganze Reihe von Positionen ein, die offensichtlich im Gegensatz den Auffassungen seiner Jugendzeit standen. Er hat die Autorität von Bischöfen und Bischofskonferenzen reduziert, er hat gewissermaßen das theologische Bewußtsein der Kirche zentralisiert und in diesem Prozeß eine große Anzahl katholischer Theologen entfremdet. Er hat jedoch seine großen Unterstützer, natürlich auch Papst Johannes Paul II.. Wir benötigten ein Buch über ihn, das gut recherchiert, informativ und analytisch ist, entsprechend kritisch, aber gründlich und entschieden gerecht. John Allen hat gerade ein solches Buch verfaßt. Ein junger amerikanischer katholischer Journalist, nun Korrespondent in Rom für den National Catholic Reporter of Kansas City, hat er die Theologie ziemlich gut im Griff und seine Darstellung Ratzingers ist im Allgemeinen überzeugend. Er zollt dem Kardinal auf mehreren Gebieten Achtung und anerkennt die Schwierigkeit seiner Aufgabe in der heutigen pluralistischen Kirche. Ratzinger hat sich bemüht, seine Arbeit mit einer Mauer des Schweigens zu umgeben. Dennoch sind die Fakten seiner Tätigkeit sowohl als Erzbischof von München als auch als Präfekt der Glaubenskongregation wohlbekannt. Seine berühmteren Angriffsziele schließen Hans Küng, Leonardo Boff, Charles Curran, Matthew Fox und Tissa Balasuriya mit ein, deren Leben und Werk er beschädigt hat. Er fühlte sich verpflichtet, sie im Namen der \einfachen Christen\ zu disziplinieren (oft auf eine Weise, die sich im Nachhinein als kontraproduktiv erwies), wiederholt darauf hinweisend, seine Aufgabe sei es, \den Glauben dieser kleinen Leute vor der Macht der Intellektuellen zu beschützen\. Allen\s Bericht konzentriert sich auf Ratzinger selbst und ist in einigen Punkten etwas eindimensional. Er wirft wenig Licht auf die Beziehung des Kardinals zu Papst Johannes Paul II:, der ihn 1981 nach Rom berief (Papst Paul VI. hatte ihn zum Erzbischof von München und 1977 zum Kardinal gemacht), oder zu der übrigen Kurie. Vor allem war Kardinal Casaroli als Staatssekretär die mächtigere Gestalt in der Kurie, und die Dominanz Ratzingers scheint 1990 mit der Pensionierung Casaroli\s begonnen zu haben, aber Allen erwähnt Casaroli kaum. Wie soll man nun die Einstellung eines Kardinals Ratzinger im Gegensatz zu der eines Professors Ratzinger 20 oder 30 Jahre früher erklären? Der Kern von Allen\s Argument ist, daß er sich in einem Zustand der Absage an drei verschiedene Dinge befindet: Erstens der plötzliche Wechsel der Position, als er 1968-70 nicht nur den prestigereichen Lehrstuhl in Tübingen zugunsten eines Postens an der neuen bayrischen Universität Regensburg aufgab, sondern sich auch intellektuell von bisher nahen Kollegen wie Küng und sogar seinem alten Bundesgenossen Rahner trennte. Die zweite Absage betrifft das Zweite Vatikanische Konzil und seine eigene Rolle darin, worüber sich seine Kommentare als Kardinal sehr von dem unterscheiden, was er damals schrieb. Die dritte Absage betrifft seine Einstellung zu Nazideutschland, in dem er aufwuchs. Seine Bekehrung nach 1968 verbindet Allen mit dem Umschwung von den Studentendemonstrationen und dem marxistischen Gequassel dieses Jahres. \Es gab eine Instrumentalisierung durch Ideologien, die tyrannisch, brutal, und grausam waren. Diese Erfahrung machte mir klar, daß man dem Mißbrauch des Glaubens widerstehen muß\, sagt Ratzinger später in einem Interview, das im Buch \Das Salz der Erde\ enthalten ist. Es mag außerordentlich erscheinen, daß jemand, der in einer Naziwelt aufwuchs, die wirklich \tyrannisch, brutal, und grausam\ war, offensichtlich dadurch so wenig betroffen sein und andererseits durch die oberflächlichen marxistischen Studenten 20 Jahre später so umgekippt werden konnte. Ratzinger hatte darauf bestanden, daß er und sein Vater gegen den Nationalsozialismus waren, und daran gibt es keinen Zweifel. Jedoch war sein Vater, ein devoter Katholik, ein Neffe des berühmten aber notorisch antisemitischen Priesters Georg Ratzinger und diente mehrere Jahre nach Hitlers Machtergreifung weiterhin als Polizeiinspektor Und was noch mehr zählt: Er erlebte das kurze Trauma, als Bayern 1919 eine \Sowjetrepublik\ wurde. Der Eindruck, den Ratzinger von seiner eigenen Kindheit vermittelt, ist der eines fast idyllischen Bayern. Jeder Widerstand gegen den Nationalsozialismus, das betont er, sei unmöglich gewesen. Allen aber zeigt, wieviel Widerstand es dort tatsächlich gab. Die Juden in Ratzingers Heimatstadt Traunstein wurden in der Kristallnacht angegriffen, es gab Konzentrationslager gleich um die Ecke. Es ist unmöglich, daß Ratzinger nicht merkte, daß dies \tyrannisch, brutal und grausam\ war. Der junge Priester Ratzinger konnte für eine Weile all dies hinter sich lassen, Schüler Rahners werden und sich den Reihen der moderat Progressiven anschließen. Auf viele Weise sind die wichtigsten Dinge in Allen\s Buch die langen Zitate Ratzingers aus der Konzilszeit, der Bericht über seine Beziehung zu Kardinal Frings und die Gegensätze zu seiner neueren Lehre. Das Jahr 1968 erweckte sein früheres Selbst und einen Schrecken vor dem Marxismus. Natürlich gibt es keinen Grund zu zweifeln, daß sein Vater und er im Gegensatz zum Nationalsozialismus standen; dennoch ist sein Anspruch trügerisch, die katholische Kirche sei im Dritten Reich eine Zitadelle des Glaubens und der Geradlinigkeit gewesen. Sehr viele Katholiken waren tatsächlich zutiefst dagegen. Hunderte Priester waren in Konzentrationslagern. Doch die Rolle der Hierarchie war weitaus nachgiebiger und zweideutiger, und Ratzinger selbst wurde ein widerstrebendes Mitglied der Hitlerjugend. Es ist merkwürdig, daß Ratzinger das Beispiel des Dritten Reichs benützt, um zu argumentieren, politische Freiheit solle nicht durch Einzelpersonen, sondern durch eine autoritäre Kirche verteidigt werden. Gerade dies mißglückte in Nazideutschland. Ratzingers Politik als Kardinalpräfekt der Glaubenskongregation wurde von einigen als eine Angelegenheit von Ehrgeiz und Machtpolitik abgetan. Dies ist ein Irrtum, denn seine theologische Wende fand offenbar statt, lange bevor er nach Rom ging. Sie wurde von anderen älteren Theologen mitvollzogen, die durch eine offensichtliche Auflösung der Theologie nach dem Konzil irritiert waren, vor allem Henri de Lubac und Hans Urs von Balthasar, und wurde durch eine Dimension seines Denkens ermöglicht, die immer präsent gewesen war, den Augustinismus. Allen betont dies viel zu wenig. Es ist sicher seltsam, daß der \Einschärfer\ der katholischen Rechtgläubigkeit sich selbst als Anti-Thomist bekennen sollte. Seine Abneigung gegen die Ansichten des Aquinaten wurden nie verhehlt und sie liegen sowohl seiner Kritik am Zweiten Vatikanischen Konzil - auch damals schon - als auch seiner folgenden Entwicklung zugrunde. Für ihn sind Thomisten allesamt bezüglich der menschlichen Natur zu optimistisch. Sein Pessimismus bezüglich der Verderbtheit der menschlichen Befindlichkeit - und hier ist zumindest sein Temperament sehr verschieden vom tiefen Optimismus, der von Papst Johannes Paul ausstrahlt, wie er auch vom Konzil ausstrahlte - sieht zeitweise so lutherisch aus, daß er etwas befangen seine Differenzen mit Luther geltend machen muß. Sein Pessimismus ließ ihn so viel Abneigung gegen die Kirchenkonstitution des 2. Vaticanums, Gaudium et Spes, haben. Wieder und wieder erklärt Ratzinger in seinem Konzilskommentar von 1967, daß Teile der Konstitution \sehr unbefriedigend\ seien. Die Einstellung, die Gaudium et Spes gestaltete, klagt er, \ist überhaupt nicht darauf vorbereitet, die Sünde zum Zentrum des theologischen Gebäudes zu machen\.Sogar Lumen Gentium in seiner Lehre über das Heil außerhalb der Kirche fand er \sehr unbefriedigend\, seine Formulierungen grenzten an Pelagianismus. Wahr ist, daß der Aquinat, das Zweite Vatikanische Konzil und die Befreiungstheologie auf ähnliche Weise Bewegungen weg von Augustinus in eine halb-pelagianischen Richtung darstellen - Bewegungen, die Ratzinger als Utopien beklagt. Es liegt eine konzentrierte Subtilität in Ratzingers Konzilskommentar aus den Sechzigerjahren, die den Geist eines großen theologischen Wissenschaftlers enthüllen, der das Zweite Vatikanische Konzil loyal interpretiert, jedoch mit einem augustinischen Anflug. Leider findet man selten Vergleichbares in dem, was er neuerdings geschrieben hat und was von zu leichfertigen Verurteilungen als \Relativismus\, \Historizismus\, \marxistischem Einfluß\ und \liberalen\ akademischen Haltungen jeder Art voll ist. Die Gefahr bei alldem ist, daß es trotz seines Protestes sich als unmöglich erweist, seine Ansichten als Theologe von seiner Politik als Kardinalpräfekt zu trennen. Wie Allen bemerkt, scheint es kaum zu überraschen, daß der höchstverehrte Überlebende des 2. Vatikanums, Kardinal König, Alterzbischof von Wien, sich 1998 veranlaßt fühlte, auszurufen: \Ich kann nicht schweigen, denn mein Herz blutet, wenn ich sehe, welcher Schaden dem gemeinsamen Gut der Kirche Gottes zugefügt wird (Artikel aus \The Tablet\, 16. Januar 1999, zitiert von Allen), Die Glaubenskongregation, so meinte König, müsse imstande sein, \besser Wege zu finden, um ihre Arbeit zu verrichten.\ 1964, währen der dritten Sitzungsperiode des Konzils, baten 334 Bischöfe, daß Gaudium et Spes in seinem Abschnitt über den Atheismus einen Hinweis auf das Dekret des Heiligen Offiziums von 1949 enthalten sollte, das die Kommunisten exkommunizierte. Die zuständige Kommission lehnte dies ab und Ratzinger kommentierte: \Die Waffe der Verurteilung wurde bis zum Äußersten versucht ..... es ist nicht mehr möglich, das Problem auf diese Weise zu behandeln\. Man würde sich wünschen, er hätte sich an diese Worte erinnert, als er 1977, 30 Jahre später, Balasuriya exkommunizierte, einen demütigen, älteren und sehr engagierten Priester. 1963, als die erste Sitzungsperiode des Konzils vorüber war, faßte Ratzinger das Wesentliche prägnant zusammen: \Sollte .... die alte Politik der Ausschließung, Verurteilung und Verteidigung fortgesetzt werden? Oder sollte die Kirche ..... ein neues Blatt aufschlagen und eine neue und positive Begegnung mit ihrem eigenen Ursprung wagen, mit ihren Brüdern und mit der Welt von heute? \ Wenn man den letzten Brief des Papstes, Novo Milennio Ineunte, liest, mit seinem endgültigen Bestehen darauf, das Zweite Vatikanische Konzil bleibe \ein sicherer Kompaß für den Eintritt in das nun beginnende Jahrhundert\, dann versteht man, daß diese Frage in Rom noch offen ist. Aber ist sie es auch für Kardinal Ratzinger? |
| #22 ffffffffffffffff26.04.2005 - 22:54 |
| Soleil en Capricorne Elle est intègre, réservée, circonspecte, honorable, volontaire. Son ambition est tranquille, dans la limite du raisonnable, elle aime les responsabilités et les assume. Peut travailler dans le social. Affligé: Esprit cuisant, hostile, antipathique et soupçonneux. Capricorne ascendant bélier Soleil en X La réussite professionnelle est certaine et les honneurs peuvent affluer. Vulnérabilité sur le plan de l\orgueil. Conjonction Soleil - Vénus Bon aspect: Elle est gaie, sociable, d\allure avenante. C\est une grande amoureuse, et elle l\est assez souvent; elle se laisse séduire par la beauté, le charme. Elle aime les arts, les plaisirs, la vie sociale. Sextile Soleil - Mars Bon aspect: Elle est énergique, déterminée, courageuse, elle est pleine de confiance en elle. Elle aime s\imposer, commander, diriger. Elle surmonte toutes les difficultés rencontrées par sa force de volonté, sa tenacité et son courage. Elle est franche. Carré Soleil - L\Ascendant Elle a beaucoup d\ambition, mais elle est prétentieuse, vaniteuse et ne se rend parfois pas compte que ses objectifs sont trop ambitieux et donc inaccessibles. Décalage entre le comportement et la volonté, entre l\apparence et l\intérieur. Conjonction Soleil - Milieu du ciel Elle sait ce qu\elle veut sur le plan professionnel, connaît ses buts et fait tout pour les atteindre, elle va au bout de ses idées. Elle a une bonne situation ainsi qu\une bonne réputation. Volonté efficace au service de son ambition. La Lune représente la réaction instinctive, la prédestination inconsciente, l\humeur de tous les jours, la sensibilité, l\émotivité, la partie féminine du caractère, l\intuition, l\imagination. Pour un homme, elle représente aussi sa mère puis plus tard son épouse. Lune en Scorpion Courage, vaillance, indépendance, nature peu craintive. Style de femme sensuelle, qui aime l\érotisme. Affligé: Abuse des plaisirs charnels; volupté, sensualité. Lune en VII L\union est très importante pour elle, pour le meilleur et le pire. Elle ne supporte pas la solitude. Elle a beaucoup de relations professionnelles. Pour un homme, excellente position pour le mariage. Pour une femme, elle s\investit à fond dans son rôle d\épouse. Conjonction Lune - Mars Elle est franche, honnête, pleine de vigueur et d\ambition. Elle a de la volonté et de la puissance dans le travail. Elle est un peu trop dure pour elle mais surtout pour les autres qui n\ont pas obligatoirement la même force d\entreprendre et l\humeur aussi dynamique et contrôlée. Sextile Lune - Neptune Une très grande imagination amplifiée par une sensibilité extrême et beaucoup d\imagination. Elle a des goûts raffinés, aime s\entourer d\amis intelligents, ayant une bonne éducation. Elle aime la mer, le calme. Conjonction Lune - Pluton Elle hésite entre une vie affective réussie et riche et une réussite sociale. Elle a des difficultés pour réussir les deux. En fait presque toujours, le choix est fait pour une vie sentimentale idéale. Passion possible. Instinct puissant, sensibilité très fine, véritable radar ambulant. Sextile Lune - Milieu du ciel Elle a le sens de la famille, ses sentiments sont profonds et aime particulièrement les enfants. S\il y a des changements dans sa vie professionnelle, ceux-ci seront profitables. Mercure représente la communication, l\esprit logique et cartésien, l\habilité intellectuelle. Mercure en Sagittaire Démocrate, philosophe, tolérante, respectueuse des lois. Aime voyager à l\étranger. Tout est bon pour s\instruire. Affligé: Esprit libre, aime l\aventure et se lance dans des entreprises hasardeuses et risquées... Mercure en IX Ses connaissances ne sont jamais assouvies. Elle a une grande activité mentale. Elle fait de grandes études, étudie toujours pour le plaisir. Elle aime les voyages lointains et peut s\installer à l\étranger. Conjonction Mercure - Uranus Elle est perspicace, ingénieuse; elle reçoit comme qualités l\intelligence et l\originalité, parfois avec du génie. Elle aime la littérature et en particulier la fiction. elle est spontanée dans ses amitiés et elle sait profiter des opportunités qui se présentent. Conjonction Mercure - Neptune Elle peut mettre facilement par écrit tout ce que son imagination et son intuition lui dictent. Conjonction Mercure - Milieu du ciel Elle aime avoir sa propre idée des choses, se faire une opinion, réfléchir aux problèmes qui se posent. C\est une intellectuelle. Vénus représente l\affectivité et la capacité de séduction. Pour les hommes, elle représente aussi le type de femme idéale pour l\amour (et non pour le mariage forcément qui lui est indiqué plutôt par la Lune, Vénus est la maîtresse et non l\épouse). Vénus en Capricorne Ses amours sont sincères. Elle s\attache essentiellement aux personnes à problème, ce qui lui complique la vie car elle épouse les problèmes de l\autre. Ses sentiments sont profonds, stables, solides, définitifs. Elle est peu expansive et parfois mélancolique. Affligé: Elle a tendance à refouler ses sentiments, elle est trop réservée et elle a peur d\être déçue. Vénus en X Son charme est un atout pour sa vie professionnel; les femmes jouent un rôle important pour sa carrière. Pour un homme, il aura tendance à idéaliser et admirer la femme dont il tombe amoureux et à l\associer à son destin durablement sans pour autant l\épouser forcément. L\amour peut l\aider dans sa vie professionnelle, elle a un don certain pour la séduction. Elle aime recevoir; elle aime le confort et la beauté dans son entourage professionnel. Sextile Vénus - Mars C\est une amoureuse, pas une amoureuse calme et tranquille, mais une passionnée ayant un fort tempérament dans le domaine sexuel. Elle est démonstrative en amour, aime les plaisirs sains. Elle croque la vie à pleines dents. Amour et sensualité, sentiments et sexualité sont parfaitement en phase. Conjonction Vénus - Neptune Sa vie professionnelle est instable. Elle a le goût des arts, elle est rêveuse, influençable et romanesque. Elle est émotive et très sensible. Carré Vénus - Ascendant Elle commet des excès dans les plaisirs, a des fréquentations douteuses. Elle manque de bon goût. Elle est très dépensière mais fait profiter son entourage de ses largesses. Ses amis sont plus intéressés que sincères. Conjonction Vénus - Milieu du ciel Elle a bon goût, elle est d\une nature affectueuse, ses sentiments amoureux sont chaleureux et profonds, basés sur l\entente intellectuelle, sur des goûts communs. Ses amitiés lui sont profitables pour ce qui concerne sa réussite professionnelle. Mars représente la capacité d\action et l\énergie physique, la sexualité, la force. Pour une femme, Mars représente le type d\homme vers lequel elle se sent attirée (et non pas forcément pour le mariage, indiqué plutôt par le Soleil, Mars est l\amant et non le mari). Mars en Scorpion L\agressivité peut conduire à un combat contre la société, la famille, contre les injustices en général. Cette agressivité peut parfois être très violente. elle peut être leader d\une association, d\un syndicat, mais elle peut être contrôlée et mener à la destruction générale de ce qui a été construit si elle n\éclate jamais, ne laisse pas sortir ses émotions, ou ne fait pas preuve de souplesse. La souplesse est le concept à travailler avec cette configuration un peu... dure. Affligé: Ardeur, emportement, fanatisme, disputes. Mars en VII Elle domine ses associés ou ses collaborateurs. Elle en est de même dans sa vie amoureuse ou conjugale, elle domine le conjoint et cela peut entraîner de belles scènes de ménage en perspective. Carré Mars - Jupiter Elle refuse toute dépendance. Elle manque de réflexion, agit impulsivement et parfois avec imprudence d\où quelques ennuis. Elle veut tout et tout tout de suite, emprunte pour arriver à ses fins des chemins qui ne sont pas toujours honnêtes ou recommandables. Sa vie affective est perturbée par des disputes, des conflits parfois violents . Conjonction Mars - Pluton Elle est ambitieuse, possède une grande force de travail, elle a confiance en elle et va au bout de ses projets. Jupiter représente la bienveillance, la générosité, les atouts dans la vie, la partie large et enthousiaste de l\être. Jupiter en Verseau Dualité de coeur, générosité, philanthropie. Elle est tolérante et indulgente. Affligé: C\est une idéaliste qui s\insurge, se révolte. Jupiter en XI Elle est coopérative, aide tout le monde. Elle grimpera les échelles sociales grâce à l\appui d\amis, de relations. Elle les choisit, les sélectionne, non pas pour leurs qualités mais pour ce qu\ils peuvent lui apporter. Vie amicale favorisée. Nombreuses protections. Elle atteint ses buts. Sextile Jupiter - Uranus Elle sait saisir une situation du premier coup d\oeil. Elle aspire à la connaissance, c\est une bonne organisatrice. Originalité et ambition. Elle est très indépendante, aime sa liberté d\action, c\est une non conformiste et elle est très agréable en société, sa présence est recherchée. Sextile Jupiter - Ascendant Elle aime les réunions amicales autour d\une bonne table et dans une ambiance cordiale. Elle est agréable, joviale, généreuse et sympathique. Saturne représente la partie vulnérable de chacun, l\effort, la rigueur, le temps, la sagesse, la concentration, mais aussi le dépouillement nécessaire pour avancer. Saturne en Sagittaire Elle a sa manière originale et parfois rebelle de penser sur un sujet, elle a ses propres idées sur les choses. Elle respecte la société et sa conduite est guidée par les règles de celle-ci. Affligé: Dureté, esprit injuste, rigueur, insensibilité et parfois inhumanité. Esprit borné et étroit. Saturne en VIII Financièrement, pas de grosses fortunes, un salaire moyen. Le conjoint est peu fortuné également. Possibilité d\un petit héritage qui arrangera bien les affaires. Longue vie et mort naturelle, si les aspects le permettent. Les domaines de la sexualité et des crises ne sont pas pris à la légère, loin de là, ce qui peut entraîner des blocages. Pertes possibles dans les placements, la bourse, ou héritages perdus si les aspects à Saturne sont critiques. Uranus représente l\originalité, le génie, la surprise, le contraste, tout ce qui sort de l\ordinaire. Uranus en Sagittaire Elle est timide, délicate, mais fière, courageuse et vive. Uranus en IX S\intéresse à l\humanitaire, à l\humain. Elle a de grandes aptitudes intellectuelles. Elle fait de nombreux voyages. Son activité mentale est toujours en éveil, même dans son sommeil où elle arrive à résoudre les problèmes de la veille ! Trigone Uranus - Ascendant Elle est toujours en mouvement, elle est instable mais si originale. Elle est prête à innover, à tout changer, elle est inventive. Neptune représente l\impressionnabilité, l\imagination, le flou, l\hésitation, la compassion, les états mystiques. Neptune en Capricorne Elle a du discernement, elle est sage et avisée. Neptune en IX Intérêt pour l\art, son idéal est élevé et a un grand attirance pour les voyages maritimes ou lointains. Sextile Neptune - Pluton Conjonction Neptune - Milieu du ciel Ses objectifs manquent de réalité et sont donc souvent inaccessibles. Pluton représente les transformations profondes, les mutations et éliminations, la sexualité et le magnétisme, le pouvoir et le secret aussi. Pluton en Scorpion Grande activité sexuelle. Sextile Pluton - Milieu du ciel Elle déploie toute son énergie pour réussir sa vie professionnelle. Elle a le sens de l\organisation et de l\autorité. Noeud nord Lilith La maison I ou Ascendant est le domaine du comportement, de l\apparence. Elle exprime la façon avec laquelle le sujet agit dans le monde. Elle est l\image de la personnalité vue par autrui et de l\attitude extérieure du sujet. Elle est en relation très proche avec la santé et la vitalité, avec le Soleil et la Lune, ainsi que les maisons , et partiellement . Capricorne ascendant bélier Ascendant en Bélier Elle est impatient et dynamique, toujours en train de courir dans la vie. Elle peut être difficile à supporter à cause de ses manières trop brutales. Cette fougue permet l\esprit d\entreprise et de toujours se relever après des déboires éventuels. Réussite sociale grâce à son énergie, vie scolaire bonne, talents pour les sports. La maison II est le domaine de la sécurité matérielle, de l\argent gagné par le sujet. La maison II en Taureau La réussite sociale sera acquise par un travail souvent laborieux, long et demandant beaucoup de patience. La maison III est le domaine de l\apprentissage social et intellectuel, des études, des relations avec les proches ou le voisinage, des petits déplacements, des contacts rapides et légers, des correspondances. La maison III en Gémeaux Elle s\adapte à tous changements avec enthousiasme. Elle n\aime pas la monotonie. Travail demandant des déplacements. La maison IV est le domaine de l\émotion intérieure, de la famille, du père, du foyer d\origine et de celui que le sujet se crée plus tard. La maison IV en Cancer Aime la vie de famille, les enfants ont une grande place dans son coeur. Elle est de nature calme, affectueuse, délicate et tendre. La maison V est le domaine des plaisirs et des amours, de la créativité et des divertissements, du sentiment et des loisirs, mais aussi des enfants, formes suprêmes de la créativité. La maison V en Cancer La voilà bien souvent amoureuse, jusqu\au jour où elle rencontre l\élu de son coeur. Alors, plus de flirt, un seul but : fonder une famille, harmonieuse et nombreuse si possible. La maison VI est le domaine de l\apprentissage par le travail et l\effort, de la vie quotidienne, de la santé aussi, des relations avec les collègues ou subordonnés dans le travail. La maison VI en Lion Esprit de commandement et autorité dans le travail. Points faibles, le coeur et les artères. La maison VII est le domaine de l\association avec les autres, du mariage, des contrats, des contacts avec autrui, avec l\extérieur. La maison VII en Balance Mariage d\amour avec une personne de condition supérieure, apportant le luxe et leS raffinements désirés. La maison VIII est le domaine de la sécurité émotionnelle, des profondeurs de l\âme, de la transcendance, de la sexualité, des mystères, des bouleversements, de l\argent des autres (placements, héritages), des métamorphoses après les crises, de la mort. La maison VIII en Scorpion Trop de vivacité et de précipitation font que la vie peut être en danger trop souvent, attention, une fois pourrait être de trop... La maison IX est le domaine de l\apprentissage supérieur, du lointain au sens propre (les voyages, l\étranger), et au sens figuré (la philosophie, la politique, la spiritualité). La maison IX en Sagittaire De longs voyages à l\étranger. Possibilité de s\installer dans un pays étranger définitivement. Travaux intellectuels, esprit mathématique. La maison X est le domaine du destin et de la carrière au sens global (et non le travail dans la vie quotidienne comme signifié par la maison VI). Le Milieu du Ciel (la maison X est appelée ainsi) représente la place que se fait le sujet dans la vie sociale. Il devient de plus en plus important avec l\âge. La maison X en Capricorne Personne de toute confiance professionnellement. Personne respectable, irréprochable dans son travail et dans sa moralité, scrupuleuse et méritante. La maison XI est le domaine de la vie amicale et des protections du sujet, de la recherche de la sécurité et de la reconnaissance du sujet en société, de l\action ou des projets collectifs et humanitaires. La maison XI en Capricorne Amitiés stables avec des personnes posées, sages, ayant une expérience de la vie dont elle profite pour la sienne. La maison XII est le domaine des choses cachées, des ennemis, des lieux fermés (hôpitaux, prisons, couvents etc.), des épreuves en général, du secret, des mystères. La maison XII en Verseau Les amis peuvent apporter pas mal d\ennuis. |
| #21 ggggggggggg11.04.2005 - 19:27 |
| STEP 1: Wash your hair using a moisturising shampoo. Follow with a hydrating conditioner. STEP 2: On damp hair, apply - depending on your hair\s thickness - a dollop of gel. advertisement Start by applying a small amount to the scalp and work it through to the ends. STEP 3: Blow-dry your hair using a medium-sized round brush. If you have long layers around your face like Liv, dry normally and brush to the side. For the rest of your hair, dry hair in two to three-inch sections. At the end of each section, intensify the heat on the hair rolled in the brush for one to two minutes, then let cool before releasing. Dry each section in this way. STEP 4: Take each section and wrap it around two fingers to make a large pincurl until you get about five inches from your scalp. Clip the curl and spray that section with one spritz of hair spray. Continue with each section; curls can be rolled either forward or backward. STEP 5: Allow pincurls to stay clipped while you dress and apply make-up. STEP 6: Remove clips and release each section, using your fingers to shake the curls free. |