| #305 fffff01.08.2007 - 22:05 |
| ahrgang mit starken Leistungen 29 von 68 Realschülerinnen schaffen Eins vor dem Komma - Barbara Döllinger mit Note 1,08 Waldsassen. (kgg) Für 68 junge Damen hieß es am Freitagabend Abschied nehmen von der Mädchenrealschule Waldsassen. Nicht weniger als 29 von ihnen erreichten eine Eins vor dem Komma. "Dies ist beachtlich", lobte Äbtissin Laetitia Fech bei der Abschlussfeier in der Aula des Klosters. Jahrgangsbeste ist Barbara Döllinger mit einem Notendurchschnitt von 1,08. "Ihr geht gut vorbereitet in einen neuen Lebensabschnitt", sagte Konrektor Karl-Heinz Ernstberger sichtlich erfreut über das gute Abschneiden der Absolventinnen. Äbtissin Laetitia Fech ging in ihrem Grußwort der Frage nach, warum die Zisterzienserinnen die Schule auch noch nach 60 Jahren unterhalten. "Kirchliche Schulen ,boomenï¾ zurzeit in ganz Deutschland." Die Gründe dafür seien vielfältig, so die Äbtissin. Breite Wissensbasis Eine ehrliche Analyse der Gründe für die Schulauswahl mache deutlich, dass der Wunsch nach einer ausdrücklich christlichen Erziehung in der hiesigen Region leider zweitrangig sei. Ganz oben stünden die Vermittlung einer breiten, soliden Wissensbasis auf dem aktuellen Stand sowie eine pädagogisch fundierte Erziehungsarbeit. "Eine Einführung ins Leben kommt aber ohne Einführung ins Christentum nicht aus", sagte Äbtissin Laetitia Fech. Bürgermeister und stellvertretender Landrat Herbert Hahn gratulierte den Mädchen zu ihrem Abschluss. Durch die Schule hätten sie viel für den neuen Lebensabschnitt mit auf den Weg bekommen. "Das gute Abschlussergebnis bedeutet auch eine weitere Aufwertung der Schule", meinte Hahn und dankte Lehrkräften, Eltern und Schulleitung für ihr Engagement. Die Absolventinnen ermutigte er, bei Problemen nicht aufzugeben. "Lernen fürs Leben" Im Namen des Elternbeirates gratulierte Udo Kasseckert. "Wir lernen nicht für die Schule - wir lernen fürs Leben" - diesen Satz hätten sich die Schülerinnen oft anhören müssen. Doch wie wahr dieser sei, werde schon bald nach der Schulzeit bemerkt. Udo Kasseckert freute sich über das gute Abschneiden des Jahrgangs und dankte dafür besonders auch den Lehrerinnen und Lehrern. "Ihr wart die ersten, die in die fünfte Klasse der damals neu eingeführten sechsstufigen Realschule eingetreten sind und seid die ersten, die diesen neuen Schultyp verlassen", erinnerte Rektor Martin Schwemmer. Diese Premiere und das gute Abschlussergebnis des Jahrgangs seien ein Anlass, in besonderer Art und Weise zu feiern. Gutes Beispiel abgeben Ein Wert von 43 Prozent der Absolventinnen mit einer Eins vor dem Komma sei etwas ganz besonderes für die Schule. Schwemmer wünschte den jungen Damen für die Zukunft die Fähigkeit, ein gutes Beispiel abzugeben und zu zeigen, wie man im Leben seiner Verantwortung gegenüber seinen Mitmenschen und der Gesellschaft nachkommen könne. Zielstrebigkeit beibehalten Schulsprecherin Verena Stier sagte, dass nun ein neuer Lebensabschnitt warte, der wiederum vom Lernen und vom Teamgeist geprägt sein werde. Sie rief ihre Mitschülerinnen auf, die Zielstrebigkeit der Schulzeit beizubehalten und die vermittelten Werte nicht außer Acht zu lassen. Im Anschluss überreichte Äbtissin Laetitia Fech zusammen mit den Lehrkräften die Zeugnisse. Der Schulchor und die Instrumentalgruppen übernahmen die musikalische Gestaltung des Abends. |
| #304 hhhhhhhhh23.07.2007 - 14:28 |
| 7. Literaturrecherche Es wird vorausgesetzt, dass DiplomandInnen selbständig die einschlägige Literatur zu ihrem Themengebiet recherchieren und mit den dafür nötigen traditionellen und elektronischen Recherchiermethoden vertraut sind. Insbesondere sei in diesem Zusammenhang verwiesen auf: Bibliography of Translation Studies, Translation Studies Abstracts von St. Jerome (Recherchierraum im 1. Stock), Translation Studies Bibliography von Benjamins (Link!) die bibliographische Datenbank Bitra, die über die Homepage der UB (Elektronische Ressourcen) zugänglichen bibliografischen Datenbanken (insbesondere MLA, Index Translationum) und die elektronische Zeitschriftenbibliothek, die ebenfalls über die Homepage der UB zugänglich ist. Sollten Sie in dieser Hinsicht Probleme haben, nehmen Sie bitte die Informationsangebote der Fachbibliothek (Einführungen ins elektronische Recherchieren) in Anspruch. Allgemeine Hinweise zum Recherchieren finden Sie auch auf unserer Homepage unter Literaturrecherche. Literaturtipps: Gile, Daniel/Dam, Helle V./Dubslaff, Friedel/Martinsen, Bodil/Schjoldager, Anne (eds.) (2001) Getting Started in Interpreting Research. Methodological reflections, personal accounts and advice for beginners. Amsterdam/Philadelphia: John Benjamins (Benjamins Translation Library 33). Williams, Jenny/Chesterman, Andrew (2002) The Map: A Beginners Guide to Doing Research in Translation Studies. Manchester/Northhampton: St. Jerome. |
| #303 tttttttt22.07.2007 - 22:01 |
| Friedrich Kardinal Wetter Schöpferische Treue (efficiens fidelitas) Zum Ordensleben in Tradition und Moderne Bei keinem Aspekt des göttlichen Heilsplans sehen wir auffallendere Entwicklungen als in der Abfolge der Geschicke des Mönchtums. Als der Jüngling Antonius sich aufmachte, in der Wildnis allein mit dem Bösen zu ringen, wie wenig konnte er da vorausahnen, eine wie sublime und vielseitige Geschichte er in Gang brachte, eine Geschichte, deren erste Entwicklungen sogar schon zu seinen Lebzeiten geschahen. Mit diesen Worten charakterisierte John Henry Newman ein in der Tat erstaunliches Phänomen: die Vielfalt des Ordenslebens, wie sie sich im Laufe der Geschichte (besonders in der westlichen Kirche) herausgebildet hat. In seinem großen Werk Über die Entwicklung der Glaubenslehre beschrieb er das sukzessive Entstehen der großen Ordensfamilien als jeweils charakteristische Antwort auf die besondere Not einer Zeit. Die Entstehung der verschiedenen Orden und ihrer Spiritualität hängt zusammen mit dem Verhältnis der Kirche zur Welt: Die im Laufe der Zeit wechselnden Herausforderungen regten neue Formen an. Beispiel: Benedikts Zeit: Völkerwanderung, Entwurzelung vieler Menschen, Auflösung der spätantiken Strukturen. Antwort: Das Kloster als Schule Christi, Stabilitas im doppelten Sinn: Stabilitas loci, Bindung an das Kloster, und Stabilitas in der Liebe und Treue zu Jesus Christus Nichts darf der Liebe Christi vorgezogen werden. Bewahrung der echten humanen Werte, der Kultur im umfassenden Sinn. Anderes Beispiel: DominikusZeit: Stadtkultur, entstehende Universitäten, evangelische Bewegung mit hohen Idealen und teilweiser Distanzierung von der Kirche in Lehre und Praxis; Katharismus = Häresie nicht mehr lokal begrenzt, sondern zu Gegenkirche organisiert. Notwendig: Neue Formen der Seelsorge Predigtunterweisung, individuelle Seelsorge, Auseinandersetzung - 2 - mit den aufstrebenden Wissenschaften, apostolischer Lebensstil. Antwort: Mobilität, Armut, Studium. In Newmans Augen ist die Entstehung der verschiedenen Orden ein hervorragendes Beispiel für echte, genuine und fruchtbare Entwicklung in der Kirche. Um legitime Entwicklungen von einer verfehlten oder verkümmerten zu unterscheiden, benannte Newman sieben Kriterien, die zwar einzeln und für sich genommen kein absolut gewisses Urteil erlauben, aber doch zusammen betrachtet zu einem rational verantworteten Urteil führen. 1) Bewahrung des Grundtypus; 2) Kontinuität der Prinzipien; 3)Assimilierungsvermögen; 4) Folgerichtigkeit (logic) des Wandels; 5) Antizipierte Zukunft; 6) Bewahrte Vergangenheit; 7) Beständige Lebendigkeit. Diese Kriterien sind nicht nur auf die Dogmenentwicklung oder auf die Entwicklung der Ordensfamilien anwendbar, sondern mutatis mutandis auch auf die Entwicklung einer einzelnen Gemeinschaft, eines Klosters, ja gleichsam als Exerzitien auf die persönliche Entwicklung im Leben des einzelnen Ordenschristen. Denn auch dieser wird sich im Laufe der Zeit immer wieder an seinen Anfang erinnern und sich die Frage stellen: Warum bin ich gekommen? Wie präsent ist der Anfang, die ursprüngliche Freude jetzt? Ist sie eingewurzelt durch die verschiedenen Erfahrungen, die ich dazugewonnen habe, oder hat sie sich im Vergessen verflüchtigt? accommodata renovatio Ohne daß wir jetzt darauf im einzelnen eingehen können, sei nur auf eine interessante Tatsache hingewiesen: Die Kriterien Newmans zeigen, daß und inwiefern etwas sich treu bleibt, weil und indem es sich verändert. Jeden Wandel hartnäckig zu verweigern, ist Ursache für Verfall: denn die Grundgestalt, die ursprüngliche Idee, kann nur bewahrt werden, wenn sie seine Kraft auch unter veränderten Umständen entfalten kann. Andererseits sind etwa Veränderungen, wo die Prinzipien aufgegeben werden, die doch in den konkreten Formen wirksam werden sollen, oder Veränderungen, die plötzlich oder gewaltsam durchgeführt werden kein Zeichen beständiger - 3 - Lebendigkeit, sondern der Fehlentwicklung. In anderen Worten hat das II. Vaticanische Konzil den legitimen, fruchtbaren Wandel mit dem Ausdruck accomodata renovatio bezeichnet (PC 2) was als zeitgemäße Erneuerung übersetzt wurde. Das hier angestrebte Neu-Aufleben ist unabdingbar geknüpft an das Gründungscharisma, das aber entsprechend der veränderten Situation lebendig umgesetzt werden soll. Es ist weder eine romantische Konservierung, noch eine einfache Anpassung. Im nachsynodalen Apostolischen Schreiben Vita consecrata hat Papst Johannes Paul II. diesen inneren Zusammenhang als schöpferische Treue (efficiens fidelitas) bezeichnet (n. 37). Der Blick auf die Wurzeln ist notwendig. Das gilt für die einzelnen Ordensgemeinschaften, aber es gilt auch für das Ordensleben insgesamt. Entwicklungen Als vor rund vierzig Jahren das Konzilsdekret Über die zeitgemäße Erneuerung des Ordenslebens diskutiert und verabschiedet wurde, ahnte wohl noch kaum jemand die heraufziehenden Entwicklungen, die uns nun vor Augen liegen. Das Dekret über das Ordensleben gehörte damals anscheinend für die meisten Konzilsväter nicht zu den besonderen Brennpunkten des Interesses, es gab Drängenderes. Wie sehr sich hier die Dinge gewandelt haben, das zeigt nicht zuletzt die Fülle päpstlicher oder anderer offizieller Dokumente aus den letzten Jahrzehnten an, die das Geweihte Leben thematisieren. Die Landschaft der Orden 1960 ist recht verschieden von der im Jahre 2007. Wir müssen nüchtern feststellen, daß es in den vergangenen Jahrzehnten viele Versuche der Erneuerung gab, aber auch Verluste, die nicht allein in Zahlen zu messen sind. Es gab in der Kirchengeschichte immer wieder Zeiten, wo sich das Geweihte Leben, das Leben nach den evangelischen Räten, das Klosterleben mit einer massiven Kritik von außen, nicht selten in aggressiver Form, konfrontiert sah. Oftmals wird diese äußere Infragestellung auch das innere Selbstverständnis in Mitleidenschaft gezogen haben. Es sei nur an die radikale Kritik der Reformatoren am Klosterleben erinnert: Die theologische Kritik an der Möglichkeit und Erlaubtheit von Gelübden ging an den Nerv; und nicht wenige Ordensleute kamen soweit, ihre Gelübde aufzugeben. Oder die Zeit der Säkularisation: Es wird nicht einfach gewesen sein, - 4 - angesichts der ständig wiederholten Behauptungen, kontemplative Ordensleute seien nutzlose Esser, in Demut den inneren Frieden zu bewahren. Dennoch scheint die Situation der letzten Jahrzehnte unserer Gegenwart sich davon zu unterscheiden. Das Ordensleben befinde sich in einem Prozeß von einem Ernst und einer Radikalität, die ohne Parallele sein dürften, stellte vor kurzem Abt Christian Schütz in einem Referat vor der Deutschen Bischofskonferenz fest. Diese Umbruchsituation ist offenkundig eng mit dem kirchlichen und gesellschaftlichen Klima verbunden, wie ja überhaupt die Situation des Ordenslebens als eine Art Seismograph für die Situation von Kirche und Glauben gelten kann. Besinnung auf die Wurzeln Was zeigt uns da ein Blick der Besinnung auf die Wurzeln, der zu einer lebendigen Erneuerung führen soll? Das Geweihte Leben gehört wesentlich zur Kirche als ganzer. Es ist nicht ein Randphänomen oder eine Privatangelegenheit einzelner Christen, die von sich aus ein intensiveres geistliches Leben führen wollen. Es ist keine rein menschliche Institution. Vielmehr, so lehrt das Konzil, gründet das Leben nach den evangelischen Räten in Wort und Beispiel des Herrn (LG 43). Auch wenn es nicht immer Ordensgemeinschaften im heutigen Sinn gegeben hat, so hat es zu allen Zeiten Christen gegeben, die allein oder in Gemeinschaft nach den evangelischen Räten lebten, weil sie darin einen an sie ergehenden Ruf in die Nachfolge Jesu erkannten (christologische Dimension), und es wird sie immer geben. Denn das Leben nach den evangelischen Räten gehört unerschütterlich zum Leben und der Heiligkeit der Kirche (Lumen Gentium 44). Das Adjektiv unerschütterlich zeigt, daß keine Erschütterung, die über die Kirche kommen kann, das gottgeweihte Leben, das durch die evangelischen Räte gekennzeichnet ist, auslöschen wird (Johannes Paul II). - 5 - Die Taufe ist Grundlage des Lebens nach den Räten, aber sie ist nicht notwendig oder logisch darauf hingeordnet. Die freiwillige Verpflichtung zu einem Leben in Ehelosigkeit, Armut und Gehorsam, und darüber hinaus: in Gemeinschaft, ist eine eigene Berufung, die nach dem Selbstverständnis der Kirche in der Initiative Gottes gründet. Dieses Leben macht auf besondere Weise sichtbar, was die Kirche selbst ist (ekklesiologische Dimension), und verweist auf die von Gott verheißene Zukunft der kommenden Welt (eschatologische Dimension). Noch vor allen anderen Aufgaben, vor der Ausgestaltung in Werken des Apostolats oder der Caritas, ist der wichtigste Dienst der Ordensleute der Dienst der Heiligung an Kirche und Welt. Wenn man häufig hört: Die Kirche braucht Ordensleute dann sollte man nicht sofort an die vielen Einrichtungen denken, die aufgrund des fehlenden Ordensnachwuchses in ihrem Bestand gefährdet sind. Denn wenn die Bedeutung des Ordenslebens, des klösterlichen Lebens oder des Geweihten Lebens schlechthin, für die Kirche zur Frage steht, dann geht es nicht in erster Linie um die Ausfüllung von Funktionen oder um das Funktionieren. Gewiß braucht die Ortskirche Mitarbeiter, die bei der Erfüllung ihrer wesentlichen Aufgaben helfen: in Verkündigung, Gebet und Diakonie; aber die Bischöfe brauchen die Ordensleute nicht bloß, um diese in pastorale Strukturen einzubeziehen, sondern weil deren Leben selbst fruchtbar ist. Das ist der besondere Beitrag zum Apostolat einer Ortskirche. Paul VI.: Wenn eure Berufung euch für andere Aufgaben im Dienst an den Menschen bestimmt: Seelsorge, Mission, Lehre, Werke der Nächstenliebe usf., ist es dann nicht vor allem die Innigkeit eurer Verbindung mit dem Herrn, die dieses Tun fruchtbar sein läßt? Betrachtet man die Kulturgeschichte nicht nur Europas im umfassenden Sinn: Literatur, Architektur, Kunst, Musik, aber auch Entwicklung sozialer Einrichtungen, so ist kaum vorstellbar, wie sie ohne den Beitrag der zahlreichen Ordensgemeinschaften verlaufen wäre. Doch die vielen kulturellen und sozialen Leistungen kamen sozusagen auf dem Rücken einer einzigen großen Sehnsucht - 6 - zustande: Euch muß es zuerst um das Reich Gottes gehen; alles andere wird euch dazugegeben. Letzten Endes ist dies die Gewissensfrage auch für die Kirche als ganze, die nicht innerweltlich verzweckt werden darf. Innerhalb der Kirche kommt dem geweihten Leben der Auftrag zu, die fortwährende Erinnerung zu erhalten, daß Gott das erste Recht am Menschen hat, und daß der Mensch unverzweckbar ist. Es gehört dies zum prophetischen Dienst der Ordensleute wie einst die Propheten Israels das Recht Gottes in dieser Welt zu vertreten hatten. Erlauben Sie mir, als Nicht-Zisterzienser, nun noch einen Blick werfen auf die nicht bloß historischen, sondern tragenden! Wurzeln des zisterziensischen Ordenslebens, ohne als nimis audax zu gelten. Zisterziensisches Klosterleben Der Zisterzienserorden ist bekanntlich selbst aus der Sehnsucht nach Erneuerung hervorgegangen. Er ist ein Beispiel für fruchtbare Erneuerung im Blick auf ein ursprüngliches Ziel. Es entstand etwas Neues, ohne daß dadurch das Vorhergehende obsolet wurde; denn Entfaltung bedeutet nicht Ablösung, sondern ermöglicht die Ergänzung von Charismen. Zunächst waren es Männer, aber sehr bald zog das Ideal auch zahlreiche Frauen an das erste Zisterzienserinnenkloster, Tart, dürfte zwischen 1120 und 1125 begonnen haben. Die rechtliche Stellung der Zisterzienserinnenkonvente läßt sich zwar von der Geschichtswissenschaft nicht in jedem Fall klären. Manche Konvente waren in den Orden inkorporiert, andere empfingen geistliche und zuweilen auch materielle Unterstützung. Die ersten Nonnen in Seligenthal wurden anscheinend von den Mönchen zu Kaisheim unterstützt. In vielen Fällen engagierten sich die Ortsbischöfe für einen Zisterzienserinnenkonvent. Wenngleich die Cura monialium von den Zisterziensern des 12. und beginnenden 13. Jahrhunderts mit Zurückhaltung betrachtet - 7 - worden ist, so überrascht es noch mehr, daß sich die Frauen, die nach dem zisterziensischen Ideal leben wollten, keineswegs abschrecken ließen, sondern, wie ein Zeitgenosse bewundernd schrieb, die weiblichen Zisterzen bereits zahlreicher als die Sterne am Himmel waren. Was wollten die Zisterzienser und die Zisterzienserinnen? Die Regel des hl. Benedikt in größerer Entschiedenheit leben, die Säulen des benediktinischen Lebens: Gebet, Arbeit, Lesung, ganz bewußt zu den Säulen des eigenen Lebens machen. Das bedeutet: Schlichtheit des Lebens mit eigener Hände Arbeit, Einsamkeit und Schweigen (d. h. Ideal, sich nicht in der Welt häuslich, wirtschaftlich, politisch etc. einzurichten jedoch nicht lange durchgehalten), eine brüderliche/schwesterliche Gemeinschaft zu pflegen. In einem recht kurzen Brief an die Mönche von Aulpes schrieb Bernhard: Unser Ordensstand bedeutet: den letzten Platz wählen, Demut, freiwillige Armut, Gehorsam, Friede und Freude im Hl.Geist. Unser Ordensstand schließt ein: unter einem Lehrmeister, unter einem Abt, unter der Regel, unter der klösterlichen Zucht zu stehen. Unser Ordensstand heißt: sich um Schweigen bemühen, Fasten praktizieren, Nachtwachen, Gebete, Arbeit mit den Händen, und über all das hinaus den hervorragenderen Weg einhalten, der die Liebe ist. Das Leben, wie Bernhards Brief es lakonisch zusammenfaßt, ist geformt von der conversatio morum: den Gelübden, und den in jahrhunderte alter Erfahrung erprobten Mitteln: Fasten, Nächtliches Gebet als Ausdruck der eschatologischen Wachsamkeit, Beherrschung im Reden, um die innere Sammlung nicht zu zerstören, aber auch um Mitbrüder oder schwestern möglichst nicht zu verletzen, mit einem Wort: Schweigen, um dem Wort Gottes die Ehre zu geben; denn um dieses Wort ist die Gemeinschaft versammelt! - 8 - Das Ziel dieser Lebens-Praxis ist Friede und Freude im Hl. Geist. Diese Frucht wird auf dem Weg der caritas erreicht. Die Liebe wird als das Ziel des Klosterlebens vorgestellt, genauso realistisch wie vorher alle Härten und Anforderungen aufgezählt wurden. Ein Bernhard oder Wilhelm von St. Thierry, eine Gertrud oder Mechthild hatten genug Menschenkenntnis und Selbsterkenntnis, um keine schwärmerischen Utopien zu predigen. Das äußere Leben war entbehrungsreich, und der Gedanke, daß das monastische Leben fortwährende Bekehrung des Herzens ist, spielt eine große Rolle. Aber das Kloster, wie es sein soll, wird von Bernhard nicht mit dem Fegefeuer, sondern mit dem Paradies verglichen. Paradisus claustralis, vere, claustrum est paradisus. Freude wird voraus-gekostet, weil sie eine Frucht der Liebe ist. Die Liebe verleiht der Seele unbefangene Großherzigkeit. Und einen fröhlichen Geber hat Gott lieb. Dieses Wort, das auch in der Regel des hl. Benedikt steht, zitiert Bernhard ganz besonders gern. Freundschaft mit Christus und untereinander Und hier ist noch etwas, wohl das Entscheidende zu sehen: Die Liebe zu Gott und den Menschen nimmt in der zisterziensischen Spiritualität eine besondere Farbe an. Ein Orden entsteht nicht nur im Zusammenhang einer bestimmten Zeit, als Antwort auf eine Herausforderung, sondern jeder Orden verwirklicht in spezifischer Weise einen besonderen Aspekt des Evangeliums. Die Spiritualität einer Gemeinschaft wird davon geprägt, daß ein bestimmter Zug im Antlitz Christi als besonders anziehend und mehr als andere Züge faszinierend entdeckt wird. Die Art der Gott-Suche in einem Orden entspricht dem Aspekt, der an Gott, an Jesus Christus fasziniert. Es ist auffällig, wie viele Werke der Zisterzienser-Väter (und -Mütter) im Titel von Gnade und Liebe sprechen: De diligendo Deo (Bernhard) De natura et dignitate amoris (Wilhelm von St. Thierry), De spirituali amicitia Speculum caritatis (Aelred), Legatus divinae pietatis (Der Gesandte der göttlichen Zuneigung: Gertrud von Helfta), Liber specialis gratiae (Das Buch der besonderen Gnade: Mechthild von Hackeborn) und natürlich die Kommentare zum Hohenlied. - 9 - Die persönliche Zuneigung Christi, seine Freundschaft, bildet den geheimen Mittelpunkt des klösterlichen Lebens nicht nur für die großen Mystikerinnen. Sie bringen nur ihre Erfahrung der geglaubten Wirklichkeit ins Wort: Der Herr ist der Freund, der das Leben mit allen Beschwernissen mit uns teilt, der in der geistlichen Lesung und Betrachtung gesucht, und in der Liturgie angebetet wird. Diese innige persönliche Farbe der Christusbeziehung prägt auch die Zuwendung zum Mitbruder, der Mitschwester. Abgesehen von zahllosen Briefen von Zisterziensern bezeugt dies wohl am klarsten Aelreds von Rieval Amicitia spiritualis. Sie beginnt mit den Worten: Ecce ego et tu et spero quod tertius inter nos Christus sit Siehe, da sind ich und du, und ich hoffe, dass der Dritte unter uns Christus ist. Die Zisterzienser stehen damit in der Tradition des hl. Augustinus, der in einem Brief schreibt: Amicitia nostra non solus invicem nos, sed etiam ipsi domino sociabit Unsere Freundschaft wird uns nicht nur gegenseitig, sondern auch mit dem Herrn verbinden (ep. 258,5). accommodata renovatio heute Wie könnte nun eine zeitgemäße Erneuerung des Ordenslebens aussehen, die in schöpferischer Treue vollzogen wird und mit der die Orden heute auf die Nöte unserer Zeit eine helfende und heilende Antwort geben? Eine umfassende Antwort auf diese Frage ist nicht möglich. Diese Antwort muss durch gemeinsames Suchen gefunden werden. Dabei ist es wichtig, miteinander auf die Stimme Gottes zu hören und die Zeichen der Zeit richtig zu deuten. Darum nur einige Hinweise, in welcher Richtung sich die Erneuerung in schöpferischer Treue zum Charisma des Ursprungs bewegen könnte. Dabei richten wir unseren Blick auch auf die Besonderheit des Zisterzienserordens. Romano Guardini, ein scharfer Diagnostiker unserer zeitgeschichtlichen Vorgänge, nannte vor 50 Jahren in seiner Festrede zur Gründung der Katholischen Akademie in - 10 - Bayern zwei Dinge, die unsere Welt zu ihrer Heilung braucht: Kontemplation und Askese. Beides sind Aufgaben, die zum Ordensleben gehören, ohne die das Ordensleben verkümmern, ja zugrunde gehen würde. Kontemplation als Blick in die Tiefe, der das Ganze des Menschseins umfasst, den Menschen und seine Welt vor das Angesicht Gottes stellt und dieses Ganze im Lichte Gottes sieht. Das Leben des Menschen wird heute zerlegt in die verschiedensten Teilbereiche. Im Getriebe eines Betriebes ist er ein Rädchen, im Krankenhaus ein Fall; darum gibt es Fallpauschale; in der Wirtschaft ist er der umworbene Kunde, den man braucht, um Erfolge zu erzielen. An der Zerstückelung des Lebens kranken die Menschen. Denn in den Teilbereichen kommt der Mensch nicht mehr als ganzer Mensch vor. Natürlich gibt es diese Teilbereiche. Doch müssen sie zur tieferen Einheit verbunden werden. Dazu hilft die Kontemplation. Aus ihr erwächst die Aktion, die Gestaltung der verschiedenen Lebensbereiche, die jedoch eingebunden werden in das, was den Menschen zum Menschen macht. Ein Baum, dessen vielfältigen Blüten und Früchte allesamt aus einer Wurzel und einem Stamm hervorwachsen, machen dies anschaulich. So zerfällt das Leben nicht mehr in einzelne Teilbereiche, sondern erhält seine Einheit, die das Leben erst menschlich macht. Das Zweite ist die Askese, Verzicht. Verzicht nicht an Nahrung und Lebensnotwendigem, sondern Verzicht als Haltung, die einem Sich-Verschwenden in Konsum, Beschäftigung, Gewinnsucht, Ehrgeiz und Technik widersteht. Zur Kunst des Lebens gehört die Fähigkeit, zu unterscheiden zwischen dem, worauf es ankommt, und dem, worauf es nicht ankommt. Dahin führt uns die Askese. Wir müssen wieder Zeit finden zum vertieften Nachdenken und uns dazu befreien von Dingen und Aktionen, die uns an solchem Nachdenken hindern. Unsere Orden mit ihren Klöstern sind Stätten der Kontemplation und Askese. Darum können sie Quellen sein, aus denen Hilfe und Heilung in die menschliche Gemeinschaft fließen. - 11 - Noch ein letzter kurzer Hinweis auf eine Not unserer Zeit, die auf die Antwort der Orden wartet. Das ist die Bindungslosigkeit. Wer darauf festgelegt ist, sich nicht festlegen zu wollen, oder wer meint, sich nicht binden zu können, weil er sich selbst nicht über den Weg traut, der hat sich gebunden an eine Form der Ungebundenheit (Tück, in Communio 36/216). Diese Ungebundenheit lässt kein Wachstum von Bindungen in der Zeit zu mit all den beglückenden Überraschungen, die sie bereithalten. Ist der Bindungsunwillige noch freundschaftsfähig? Wie wir sehen, prägt die Christusfreundschaft, wie sie die Zisterzienser pflegen, die Freundschaft unter den Brüdern und Schwestern. Aelred: Siehe, da sind ich und du, und ich hoffe, dass der Dritte unter uns Christus ist. Klöster sollen Orte sein, an denen die Christusfreundschaft gleichsam verdichtet spürbar wird und wo man im Lichte der Christusfreundschaft lernen kann, was Freundschaft unter uns ist; wo man an der Bindung an Christus lernen kann, was Bindung unter Menschen bedeutet und wie sie unser Menschsein in beglückender Weise bereichert. Seligenthal feiert Jubiläum, 775 Jahre ist das Kloster alt geworden und jung geblieben. Ich wünsche dem Kloster schöpferische Treue, dass es aus tiefer Christusverbundenheit helfende und heilende Antwort gibt auf die Nöte der Zeit; dass es seinem Namen Ehre macht und hier im Isartal immer ein Strahl jenes Lichtes wahrzunehmen ist, das einst unsere Seligkeit sein wird. |
| #302 rrrr22.07.2007 - 17:17 |
| Immer wieder wird über die Vertreibung und Aussiedlung der deutschen Bevölkerung aus der Tschechoslowakei nach dem Zweiten Weltkrieg diskutiert. Über die weitere Entwicklung in den ehemaligen Sudetengebieten ist hingegen weniger bekannt. Seit einigen Jahren wird nun aber verstärkt der Frage nachgegangen, was eigentlich in diesen Gebieten passierte, nachdem die Deutschen weg waren? Andreas Wiedemann beschäftigt sich in unserem heutigen Geschichtskapitel mit einem speziellen Aspekt der tschechischen Nachkriegsgeschichte: Mit der Rolle der Kirche im Zusammenhang von Vertreibung und Wiederbesiedlung. Sudetengebiet Sudetengebiet Zeitgleich mit der Vertreibung und Aussiedlung der Sudetendeutschen verlief die Neubesiedlung der ehemaligen Sudetengebiete bzw. der Grenzgebiete der böhmischen Länder. Die Deutschen, die in den Grenzgebieten insgesamt die Bevölkerungsmehrheit stellten, sollten durch Tschechen und Slowaken ersetzt werden. Mindestens 1,7 Millionen Neusiedler folgten den Aufrufen von Regierung und Parteien und gingen in die Grenzgebiete. Die meisten von ihnen kamen aus dem tschechischen Binnenland. Etwa zwei Jahre nach Kriegsende bildeten diese Neusiedler die Bevölkerungsmehrheit in den Grenzgebieten. Durch die Vertreibung und Besiedlung wurden nicht nur große Veränderungen in der Bevölkerungsstruktur, sondern auch in der Wirtschaftsstruktur und im kulturellen und konfessionellen Bereich in Gang gesetzt. Welche Rolle spielte die Kirche bei der Vertreibung und Besiedlung in den Grenzgebieten? Wie sahen sie die Lage in der unmittelbaren Nachkriegszeit? Der Historiker Martin Zückert, Geschäftsführer des Collegium Carolinum in München, erläutert: "Viele Kirchenvertreter bezeichneten nach 1945 die Situation in den Grenzgebieten Böhmens und Mährens als eine Situation wie in einem Missionsland. Das lag vor allem daran, dass vielfach Strukturen, vor allem der katholischen Kirche, zusammengebrochen waren und es an Priestern mangelte, da viele Priester deutscher Nationalität, ebenso wie die deutsche Bevölkerung insgesamt vertrieben wurde." Die wilden Vertreibungen im Frühjahr und Sommer 1945 erfassten die deutschen Priester und Ordensleute in gleicher Weise wie den Rest der deutschen Bevölkerung. Ausnahmen wurden nur gemacht, wenn deutsche Geistliche als Antifaschist anerkannt wurden Die Folgen für die Kirche waren vielerorts katastrophal: Viele Gemeinden blieben in der Folge ganz ohne Priester, zahlreiche Pfarrhäuser standen leer. Welche Positionen vertrat die Kirche gegenüber der Vertreibung und Aussiedlung der Deutschen? Die Vertreibung der Deutschen Die Vertreibung der Deutschen "Man kann im Großen und Ganzen sagen, dass es einen Konsens gab. Innerhalb dieses Konsenses wurde die Vertreibung und Aussiedlung der Deutschen nicht in Frage gestellt. Es gab allerdings Positionen, insbesondere innerhalb der katholischen Kirche, die versuchten Willkürmaßnahmen und Ausschreitungen zu verhindern", so Zückert. Gab es eventuell unterschiedliche Positionen zwischen den tschechischen Kirchen? Dazu sagt Zückert: "In der evangelischen Kirche der böhmischen Brüder wie auch in der tschechoslowakischen Kirche gab es auch diesen Konsens, also die Überzeugung, dass es richtig ist, die Deutschen auszusiedeln. Zusammengefasst kann man sagen: Alle drei hier genannten großen Konfessionen, die katholische Kirche, die evangelischen Kirche der böhmischen Brüder wie auch die tschechoslowakischen Kirche bejahten bzw. akzeptierten die Vertreibung der Deutschen, bemühten sich aber darum, dass es zu keinen Willkürmaßnahmen kommt." Die Situation in der katholischen Kirche war allerdings etwas anders als bei den evangelischen Konfessionen. Die römisch-katholische Kirche war gewissermaßen übernational organisiert, ihr gehörten sowohl deutsche als auch tschechische Priester an. Die Tschechoslowakische Kirche, die heute den Namen Tschechoslowakische Hussitische Kirche trägt, wurde von tschechischen Katholiken im Jahr 1920 gegründet und war eine national-tschechisch organisierte Kirche. Die Deutsche Evangelische Kirche in Böhmen, Mähren und Schlesien war ebenfalls eine national strukturierte Kirche. In ihr übten nur deutsche Geistliche das Pfarramt aus. Sie war nach der Gründung der Ersten Tschechoslowakischen Republik entstanden, als sich die bis dahin einheitliche evangelische Kirche Altösterreichs in eine deutsche und eine tschechische evangelische Kirche trennte. Die tschechische Kirche trug seit 1918 den Namen Evangelische Kirche der böhmischen Brüder. Für die deutsche evangelische Kirche bedeutete die Aussiedlung der deutschen Pfarrer das Ende ihrer Existenz, da keine tschechischen Priester auf die Posten der ausgesiedelten Deutschen nachrücken konnten. Die Kirche wurde aufgelöst und ihr Vermögen fiel an den Staat. Die Mehrheit der Tschechen, die aus dem Binnenland in die Grenzgebiete kamen, waren religiös nur wenig gebunden, so dass die Kirchenarbeit in den Grenzgebieten auch ein wenig den Charakter einer Missionierung hatte. Martin Zückert erläutert die doppelte Bedeutung, die der Missionsbegriff für die Grenzgebiete hatte: "Dieser Begriff des Missionslandes zielte also auf zwei Aspekte: Zum einen auf den Zusammenbruch der Strukturen bzw. den teilweisen Zusammenbruch der Strukturen. Zum anderen auf das religiöse Leben in den Grenzregionen. Denn man war sich nicht sicher, inwieweit neue kirchliche Strukturen entstehen würden durch den Zuzug der Neusiedler", erläutert Zückert. Der strukturelle Wiederaufbau bedeutete konkret die Besetzung von Pfarrstellen mit Priestern als Ersatz für die ausgesiedelten Deutschen. Ferner sollten leerstehende Pfarrhäuser geschützt und deren Plünderungen verhindert werden. Der Tschechoslowakische Staat betrachtete es als eine seiner wichtigsten Aufgaben, die Neuankömmlinge in den Grenzgebieten zu integrieren und die neu entstandenen Strukturen zu stabilisieren. Auch die Kirche bemühte sich darum, den Neusiedlern Orientierung und Halt zu geben. "Ziel war es, den Neusiedlern neue Deutungsangebote bieten zu können. Wie soll man diesen Prozess verstehen, wie soll man ihn in einen religiösen Kontext einordnen. Dazu gab es z.B. 1947 eine Wallfahrt, bei der die Gebeine des heiligen Voytech, des heiligen Adalbert, durch die gesamte Tschechoslowakei getragen wurden und unter anderem auch Stationen im Grenzland eingebaut wurden. Dort sollte die nationale aber eben auch die christliche Mission des heiligen Voytech für die Grenzgebiete betont werden. Man muss einschränkend aber sagen, dass die Kirchen damals sicherlich nicht die Deutungshoheit in der Tschechoslowakei hatten, sondern hier mit den allgemeinen Deutungsangeboten: Aufbau einer sozialistischen Gesellschaft. Tschechisierung, Nationalisierung in Konkurrenz stand", so Zückert. Der heilige Vojtech / Adalbert Der heilige Vojtech / Adalbert Die neue Gesellschaft in den Grenzgebieten setzte sich nach dem Abschluss von Aus- und Ansiedlung aus Menschen verschiedener Herkunftsgebiete zusammen. Rund 200.000 Tschechen und Slowaken, deren Vorfahren ausgewandert waren, kamen nach dem Zweiten Weltkrieg in die Tschechoslowakei. Ein großer Teil dieser genannten Reemigranten siedelte sich in den Grenzgebieten an. Sie gehörten unterschiedlichen Konfessionen an. Einige der slowakischen Reemigranten aus Rumänien waren evangelisch, Zuwanderer aus der Slowakei gehörten der römisch-katholischen oder der griechisch-katholischen Kirche an und die Tschechen aus Wolhynien waren orthodox. Wie lassen sich die Veränderungen in den Grenzgebieten durch Vertreibung und Wiederbesiedlung zusammenfassen? "Einerseits gab es große Veränderungen in den kirchlichen Strukturen, zum Teil auch einen allgemeinen Rückgang z.B. durch den Mangel an Priestern in der katholischen Kirche. Andererseits kann man kurz und knapp sagen, dass durch den Zuzug unterschiedlicher Siedler, die zum Teil orthodox waren, griechisch-katholisch oder einer der kleineren evangelischen Konfessionen angehörten, eine neue konfessionelle Vielfalt entstanden ist." Für die verschiedenen Kirchen entstand somit auch eine gewisse Konkurrenzsituation beim Aufbau ihrer Organisation in den Grenzgebieten. Eine Frage bleibt der Forschung in Zukunft aber noch erhalten, wie Zückert erläutert: "Die zukünftige Forschung müsste auch danach fragen, inwieweit religiöse Zugehörigkeit und religiöse Deutungsangebote für die Neusiedler identitätsstiftend waren, trotz aller Deutungshoheit des nach 1948 kommunistisch dominierten Staates", so Zückert |
| #301 ddddddddd22.07.2007 - 10:47 |
| Der Besuch des Papstes verpflichtet zur geistlichen Erneuerung (pdr) Seit 1997 wird in der weltweiten Kirche zum Fest Darstellung des Herrn am 2. Februar der Tag des gottgeweihten Lebens begangen. Frau Ordinariatsrätin María Luisa Öfele, Leiterin des Referats Orden und Geistliche Gemeinschaften im Bischöflichen Ordinariat Regensburg, erklärt zum Tag des gottgeweihten Lebens, der Besuch Benedikts XVI. sei ein großes Geschenk für alle Gläubigen. Was ist, kurz gefasst, das geweihte Leben? Ordinariatsrätin Öfele: Das geweihte Leben ist zunächst ein Geschenk der Dreifaltigkeit an die Kirche. Von Anfang an gab es in der Kirche Männer und Frauen, die unter dem Antrieb des Heiligen Geistes danach verlangten, Christus in größerer Freiheit nachzufolgen, und ein Leben führten, das Gott geweiht war. Viele wählten ein Einsiedlerleben, andere gaben den Anstoß zu religiösen Gemeinschaften, die von der Kirche kraft ihrer Vollmacht gern unterstützt und bestätigt wurden. Die vollkommene Liebe, zu der alle Gläubigen berufen sind, bringt für jene, die den Ruf zum geweihten Leben frei annehmen, die Verpflichtung mit sich, die Keuschheit in Ehelosigkeit um des Reiches Gottes willen sowie in Armut und Gehorsam zu leben. Das Gelübde dieser Räte in einem von der Kirche anerkannten dauernden Lebensstand kennzeichnet das gottgeweihte Leben. Durch die Taufe hat sich die Person des geweihten Lebens Gott übereignet. Sie hat ihr ganzes Leben Gott überantwortet, den sie über alles liebt. Das begründet gleichsam eine Weihe, die zutiefst in der Taufweihe wurzelt und diese voller zum Ausdruck bringt (Perfectae Caritatis 5). Welches besondere Verhältnis hat das gottgeweihte Leben zur Kirche? Ordinariatsrätin Öfele: Durch die Gelübde oder andere heilige Bindungen ist die gottgeweihte Person in besonderer Weise mit der Kirche und ihrem Geheimnis verbunden und macht diese von Gott gestiftete wunderbare Verbindung sichtbar. Sie ist ein Zeichen der kommenden Welt. Das ganze Dasein einer gottgeweihten Person wird zu einer beständigen Verehrung Gottes in der Liebe. Das geweihte Leben bringt auf anschauliche Weise das innere, bräutliche Wesen der Kirche zum Ausdruck. Deswegen kann die Kirche auf das geweihte Leben in all seinen Formen absolut nie verzichten. Es bedarf solcher Menschen, die das väterliche Antlitz Gottes und das mütterliche Antlitz der Kirche zeigen, die das eigene Leben aufs Spiel setzen, damit andere Leben und Hoffnung haben. Die Kirche braucht Personen des geweihten Lebens, die, noch ehe sie sich dem Dienst an der einen oder anderen edlen Sache widmen, sich von der Gnade Gottes verwandeln lassen und dem Evangelium vollständig gleichförmig werden (Vita Consecrata 105). Den Personen des geweihten Lebens ist die Aufgabe anvertraut, den Gläubigen wie jenen, die Christus noch nicht kennen, den Auferstandenen sichtbar zu machen als das eschatologische Ziel, nach dem alles strebt, den strahlenden Glanz, dem gegenüber jedes andere Licht verblasst, die unermessliche Schönheit, die allein das Herz des Menschen vollständig zu erfüllen vermag (Vita Consecrata 16). Sie spornen ihre Brüder und Schwestern durch ihr Beispiel an und geben ein hervorstechendes und herausragendes Zeugnis dafür, dass die Welt ohne den Geist der Seligpreisungen nicht verwandelt und Gott dargebracht werden kann" (Lumen Gentium 31). Was bedeutet das Papstamt für die Personen des geweihten Lebens? Ordinariatsrätin Öfele: Das gottgeweihte Leben findet sein Ursprung und sein Fundament in all seinen Formen in der Person Jesu Christi, in seinem Leben und in seiner Lehre. Insofern steht es in enger Verbindung mit der Kirche und ihrem Haupt, also auch mit dem Stellvertreter Christi auf Erden, dem Papst. Die tiefste Wahrheit und der Reichtum der Werte des geweihten Lebens sind ein Wiederschein der Offenbarung Gottes in Jesus Christus, der zugleich der Mittler und die Fülle der ganzen Offenbarung ist. Im Festhalten mit Herz und Verstand am Lehramt der Bischöfe kommt in den Personen des geweihten Lebens ein besonderes Merkmal kirchlicher Communio (Gemeinschaft) zum Ausdruck. In ihnen erscheint der Sinn für die Kirche immer lebendig und zeigt sich in ihrer vollkommenen Teilnahme am kirchlichen Leben in all seinen Dimensionen und im bereitwilligen Gehorsam den Bischöfen, insbesondere dem Bischof von Rom gegenüber. Das sentire cum ecclesia (Mit der Kirche fühlen und denken) schafft kirchliche Gemeinschaft und wirkt insofern missionarisch im Dienst der Einheit der Kirche. Dann wird die Kirche in ihrem sakramentalen Wesen, in der Vereinigung mit Gott und dem gesamten Menschengeschlecht immer vollkommener verwirklicht. Was bedeutet da der Papstbesuch im September für das geweihte Leben in der Diözese Regensburg? Ordinariatsrätin Öfele: Der Besuch unseres Heiligen Vaters ist ein großes Geschenk für alle Gläubigen und alle Menschen guten Willens in der Diözese Regensburg. Wir verbinden damit eine große Ehre und eine große Freude, die alle Gläubigen zum Dank und zur geistlichen Erneuerung verpflichtet. Für die Personen des geweihten Lebens liegt in der Zeit der Vorbereitung auf den Besuch des Papstes eine besondere Chance, die eigene Berufung und Sendung in Gemeinschaft mit der ganzen Kirche zu vertiefen. Während dieser Vorbereitungszeit (und darüber hinaus) haben sie viele Gelegenheiten, den Menschen, die nach Gott suchen und fragen, ein dankbares und frohes Zeugnis der eigenen Berufung zu schenken und sie für einen solchen Weg in der Kirche zu ermutigen. Mit diesem Zeugnis tragen sie zusammen mit allen Gläubigen und ihrem Hirten zu einer Vertiefung des religiösen Lebens in der Diözese Regensburg bei. Inwiefern hat das Ordensleben teil am Hirtenamt der Bischöfe? Ordinariatsrätin Öfele: Der Stand, der durch das Gelöbnis der evangelischen Räte begründet wird, ist zwar nicht Teil der hierarchischen Struktur der Kirche, gehört aber unerschütterlich zu ihrem Leben und ihrer Heiligkeit" (Lumen Gentium 44). Alle Ordensleute gehören zu den Mitarbeitern des Diözesanbischofs in seinem Hirtenamt (vgl. Christus Dominus 33 bis 35), auch dann, wenn sie ihm nicht direkt unterstellt sind (vgl. CIC, Canon 591). Zur missionarischen Einpflanzung und Ausbreitung der Kirche ist es schon von Anfang der Evangelisierung an notwendig, dass das Ordensleben in allen seinen Formen vorhanden ist (vgl. Ad Gentes 18; 40). Die Geschichte bestätigt die großen Verdienste der Ordensfamilien bei der Ausbreitung des Glaubens, der christlichen Kultur und der Bildung neuer Kirchen. Worin besteht die Verbindung der Mitglieder des geweihten Lebens mit den Christen, die nicht nach den evangelischen Räten leben? Ordinariatsrätin Öfele: In der Taufe erkennen die Personen des geweihten Lebens gemeinsam mit allen Gläubigen den sakramentalen Ursprung und teilen mit ihnen die Berufung zur Heiligkeit und zum Apostolat. Indem sie Zeichen für diese universale Berufung sind, machen sie die besondere Sendung des geweihten Lebens sichtbar. Doch ist allen Gliedern der Kirche die Verpflichtung gegeben, voll Eifer mit den Hirten und Lehrern zusammenzuarbeiten, denn durch die Vielfalt der Gnadengaben und Dienste geben sie Zeugnis für die Einheit in der Kirche. Durch Taufe, Firmung und Eucharistie sind wir alle dazu berufen, an der Entfaltung und am Wachstum der Kirche mitzuwirken (vgl. Ad Gentes 36). |
| #300 INFORMATIONEN FÜRE REL:LEHRER22.07.2007 - 10:23 |
| http://www.service.bistumlimburg.de/ifrr/PDFs/INF_05_4.pdf |
| #299 ggggggg21.07.2007 - 13:55 |
| http://www.theologisches.net/THEO506NEU.pdf |
| #298 http://www.bistum-regensburg.de/default.asp?op=show&id=250826.06.2007 - 14:44 |
| http://www.bistum-regensburg.de/default.asp?op=show&id=2508 |
| #297 CONFESSIO26.06.2007 - 13:30 |
| Vielleicht kennen Sie die launige Zusammenfassung des Dramas "Wilhelm Tell" von Friedrich Schiller in dem einen Satz: "Mann schießt auf Obst." Natürlich ist es ein dramatischer Höhepunkt, wenn da ein Vater mit dem Pfeil auf den Apfel auf dem Kopf seines eigenen Sohnes schießen muß, aber es wäre doch eine gewaltige Verkürzung, wollte man in diesem einen Satz den Reichtum des ganzen Stückes ausgedrückt sehen. Wäre es nicht eine ähnliche Verkürzung, wenn wir jetzt über die Beichte sprechen und nur die Sätze im Auge hätten: "in Demut und Reue bekenne ich ..." und "So spreche ich dich los von deinen Sünden ..."? Hieße dies nicht, die ganze Geschichte vom verlorenen Sohn und barmherzigen Vater, die uns im Lukasevangelium erzählt wird, auf die zutreffende, aber verkürzende Formel zu bringen: "Vater, ich habe mich gegen den Himmel und gegen dich versündigt" (Lk 15,18)? Da wird doch viel mehr angesprochen: ein Familien- und Generationsproblem, das Genußleben mit dem Ende vor dem Schweinetrog, die Erinnerung an ein gutes Vaterhaus, eine lange Gewissenserforschung, das liebevolle Warten des Vaters, das Bekenntnis der Sünde und die Bitte um eine neue Lebensmöglichkeit, die festliche Versöhnung, der mühsame Verbrüderungsversuch mit dem älteren Sohn und schließlich die Aufgipfelung der ganzen Geschichte in dem Wort: "Jetzt müssen wir uns doch freuen und ein Fest feiern, denn dein Bruder war tot und lebt wieder" (Lk 15,32). In diesem Schlußsatz wird uns schon eine erste Antwort auf die Frage "Beichten - warum?" nahegelegt: "ich beichte, weil Gott, der barmherzige Vater, durch Jesus mich einlädt zur Gemeinschaft mit ihm und zum Spiel der Freude und weil ich da mitmachen möchte, dem Himmel und mir zur unbändigen Freude!" Aber, ehrlich gefragt, sind denn unsere Beichten wirklich Geschichten der Freude und nicht eher Angst- und Schauermärchen? Da könnten wohl manche Geschichten erzählt werden, die alle die Oberschrift tragen: "Mir fällt das Beichten so schwer, weil ..." Mir fällt das Beichten so schwer, ? weil ich mich schrecklich schäme, eine peinliche Schuld eingestehen zu müssen; ? weil ich ja doch immer wieder dasselbe beichten muß; ? weil ich einmal in indiskreter Weise ausgeforscht wurde; ? weil es nicht mehr so klar zu sein scheint, was Sünde ist; ? weil der eine Beichtvater Verständnis aufbringt für Empfängnisverhütung mit künstlichen Mitteln, der andere aber nicht; ? weil ich nach dem Urteil meines Beichtvaters wegen meiner geschlechtlichen Verfehlungen ununterbrochen über dem Abgrund der Verdammung schwebe; ? weil ich es satt habe, mein ganzes Leben mit Schuldbewußtsein und Skrupeln zu leben; ? weil ich auch ohne Beichte vor Gott meine Schuld bekennen kann; ? weil ich alt bin und die Gedanken nicht mehr zusammenbringe ... Wir könnten nun auf all diese und viele andere gute und weniger gute Begründungen eingehen. Wir können uns aber auch einfach fragen, warum es gelegentlich Christen gibt, die sagen: "ich freue mich so sehr auf die Beichte!" - "So wahnsinnig" hat jemand einmal mit fast verschämter Stimme zu mir gesagt. Wie ist so etwas möglich? Die Antwort werden wir wohl nur finden, wenn wir den etwas engen Beichtstuhl zu einem Festsaal ausweiten. Um in diesem Bild zu bleiben: Wir werden im folgenden die vier Wände des Festsaales der Versöhnung anschauen und die Inschriften auslegen, die sie tragen Die erste Wand des Festsaales trägt die Inschrift: "Die Liebe läßt sich durch das Böse keine Grenze setzen!" Um diese Wahrheit hat der gesetzeseifrige Paulus gewußt, der bereit gewesen war, für seine Religion Menschen dem Tod auszuliefern. überwältigt von der unfaßbaren, unbegrenzten Liebe Gottes schreibt er im Brief an die Römer: "Christus ist schon zu der Zeit, da wir noch schwach und gottlos waren, für uns gestorben. Gott aber hat seine Liebe zu uns darin erwiesen, daß Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren. ... Da wir mit Gott versöhnt wurden durch den Tod seines Sohnes, als wir noch (Gottes) Feinde waren, werden wir erst recht, nachdem wir versöhnt sind, gerettet werden durch sein Leben" (5,6-10). In einer nicht mehr überbietbaren Steigerung ist hier gesagt: Gott läßt sich von seiner Liebe zu uns durch nichts abhalten: nicht durch Sünde, nicht durch Feindschaft, nicht durch Gottlosigkeit. Er sagt nicht: "Ich liebe dich nur, wenn ...; ich liebe dich nur, solange als ... ; ich entziehe dir meine Liebe, falls du nicht ... " Ich darf Ihnen dasselbe sagen, weniger theologisch, aber nicht weniger wahr, und zwar mit einer etwas anrüchigen Geschichte von einem kleinen Mädchen: Der Hund der Familie kam eines Tages völlig verdreckt und stinkend vom Feld heim und sprang auf den Sessel im Wohnzimmer. Die Frau des Hauses schrie entsetzt auf, das kleine Mädchen dagegen umarmte den Hund liebevoll und meinte kurz: "Wen man liebhat, der darf auch stinken!" So erzählt, hört sich dieses Erlebnis lieb oder bewegend oder tief an. Wenn wir aber selber gerufen sind zur Liebe einem Menschen gegenüber, den wir "nicht riechen" können, dann sehen wir, wieviel Liebe kosten kann. Wieviel Gott sich seine Liebe kosten ließ, sehen wir im Blick auf das Kreuz Jesu Christi. Dies vor Augen, sehen wir, was Sünde eigentlich ist, aber mehr noch dürfen wir sehen, wieviel wir Gott wert sind. "Das Kreuz gab mir die Antwort, wieviel ich wert bin", sagte mir jemand, der von Minderwertigkeitsgefühlen angenagt war. Und ein anderer meinte: "Wenn Gott mich annimmt, wie ich bin, dann gibt es eigentlich keinen Grund, warum ich mich nicht annehmen sollte." Hier wird man hinzufügen dürfen: "Wenn Gott auch die anderen annimmt, wie sie sind, dann gibt es eigentlich keinen Grund, daß ich nicht versuchen sollte, sie auch so anzunehmen." "Beichten - warum?" Um sich dies eine immer wieder neu sagen zu lassen - ganz persönlich: "Die Liebe läßt sich durch das Böse keine Grenzen setzen!" - "Mit ewiger Liebe liebe ich dich!" Die zweite Wand des Hauses der Versöhnung trägt die neutestamentliche Inschrift: "Die Wahrheit wird euch frei machen!" Also "Beichten - warum?". Weil dies mir die befreiende Wahrheit meines Lebens zeigen kann. Die Wahrheit unseres Lebens liegt nicht einfachhin offen da. Paulus, von dem wir bereits gesprochen haben, gehörte zu den Menschen, von denen Jesus sagte: "Sie werden euch töten und glauben, Gott damit einen Dienst zu tun!" Solches Niederhalten der Wahrheit ist möglich. "Den Splitter im Auge deines Nächsten siehst du und den Balken im eigenen nicht!" sagt Jesus mit kaum überhörbarer Deutlichkeit Um der befreienden Wahrheit willen deckt Jesus immer wieder Lügen auf: Jesus entlarvt die Menschenverachtung mitten im Gebet des Pharisäers, der spricht: "O Gott, ich danke dir, daß ich nicht bin wie der da ..." Jesus macht die Sündigkeit der ehrbaren alten Männer sichtbar, welche die Ehebrecherin steinigen wollen. In der Erzählung vom barmherzigen Vater zeigt Jesus das schreckliche Mißverständnis, in dem der ältere Sohn gelebt hat. Man hört den Vater förmlich fra-gen: ja, Kind, wie ist das denn möglich? Hast du wirklich jahrelang neben mir gelebt und immer geglaubt, daß ich dir nicht einmal ein Ziegenböcklein gönne? Hast du so die ganze Zeit von mir gedacht? Wie konntest du mit diesem Bild von einem Rabenvater leben? Du mußtest ja ständig hoffen, daß ich bald sterbe! Du, Kind, Sohn, alles was mein ist, ist doch dein!" Welche Mißverständnisse, welche Abgründe werden da aufgedeckt! Da wird verständlich, warum der Beter in Psalm 19 spricht: "Wer bemerkt seine eigenen Fehler? Sprich mich frei von Schuld, die mir nicht bewußt ist!" (V. 13). An diesem Punkt angekommen, zeigt sich auch, daß die Rede von der Freude des Sakramentes der Versöhnung nicht ein bequemes Vergnügen meint. Eher kommt einem der Vers in den Sinn: Jubelt mit Zittern ..." Furcht und Freude, Richten und Aufrichten, Gerechtigkeit und Barmherzigkeit sind eng beieinander. Thomas von Aquin sagt einmal: "Gerechtigkeit ohne Barmherzigkeit ist Grausamkeit. Barmherzigkeit ohne Gerechtigkeit ist die Mutter der Auflösung." Ja, es ist im Menschen beides: die Sehnsucht nach Gerechtigkeit und nach Barmherzigkeit, nach einer liebevollen Wahrheit und nach einer wahrhaftigen Liebe. "Ich möchte, daß du entsetzt bist", sagte mir eine junge Frau, die jahrelang in der Drogenszene gelebt hatte. Sie wollte das Entsetzen vor dem Entsetzlichen und wollte gleichzeitig und zuerst und zuletzt die Annahme ihrer selbst. Eine Versöhnung, die verharmlost oder ein Stück des Lebens einfach unter den Teppich einer unwahren und schwächlichen Gutmütigkeit kehrt, nützt allen heimkehrenden Töchtern und Söhnen nichts. Was hilft, ist das Erschrecken, das von der Sünde Abstand nehmen läßt, und das Staunen über die väterlich-mütterlichen Arme, die allen Umkehrenden Heimat sind. "Beichten - warum?" Weil hier Wahrheit, die befreit, geschenkt werden kann. Schauen wir nun auf die dritte Wandinschrift. Sie lautet: "Das Bekenntnis gibt Gemeinschaft." Diesen Zusammenhang von Bekenntnis und Befreiung zu Gemeinschaft hat der evangelische Christ Dietrich Bonhoeffer einmal klar und eindringlich ausgedrückt. Lassen wir ihn ausführlicher zu Wort kommen: "Wer mit dem Bösen allein bleibt, der bleibt ganz allein. Es kann sein, daß Christen trotz gemeinsamer Andacht, gemeinsamen Gebetes, trotz aller Gemeinschaft im Dienst allein gelassen bleiben, daß der letzte Durchbruch zur Gemeinschaft nicht erfolgt, weil sie zwar als fromme Gemeinschaft miteinander haben, aber nicht als die Unfrommen, als die Sünder ... Es ist aber die Gnade des Evangeliums..., daß es uns in die Wahrheit stellt und sagt: Du bist ein Sünder, ein großer, heilloser Sünder, und nun komme als dieser Sünder, der du bist, zu deinem Gott, der dich liebt. In der Beichte geschieht der Durchbruch zur Gemeinschaft. Die Sünde will mit dem Menschen allein sein ... Je einsamer der Mensch wird, desto zerstörender wird die Macht der Sünde über ihn ... Die ausgesprochene, bekannte Sünde hat alle Macht verloren ... " "Beichten - warum?" Weil darin Durchbruch zur Gemeinschaft geschehen kann! Es gäbe noch eine letzte Wand des engen Beichtstuhles, die es gilt, zum Saal auszuweiten. Es ist die Seite, die aus der Tür besteht oder die einfach offen ist für den Zugang. Lassen wir uns diese offene Seite zum Symbol dienen. Es kann uns damit gesagt sein. Der Beichtraum ist wie ein offenes Grab; wie das Grab, in dem die Sünde und der Tod gestorben sind und das Leben auferstand. Jedes Beichtzimmer ist wie ein Grab, aus dem Lazarus heraus-gerufen wird zum Leben von dem, der selber das Leben ist: "Ich bin gekommen", sagt Jesus, "daß sie das Leben haben und daß sie es in Fülle haben! " Er ist gekommen, um uns aus dem Dunkel der Lüge in das Licht der Wahrheit, aus der Isolie-rungshaft des Egoismus in die Gemeinschaft, aus dem Sündentod ins Gnadenleben herauszurufen. Für einen Christen gibt es nur eine Sünde, nämlich die, nicht zu leben. Von dieser Sünde will Gott uns freisprechen. In der Vorbereitung auf die Erstbeichte nahm eine Schwester die Geschichte von der Sündenvergebung Jesu und der Heilung des Gelähmten durch. Darauf meinte ein Junge spontan: "Du, jetzt versteh ich das, wenn mein Vater und meine Mutter jeden Tag streiten, dann sind sie gelähmt in der Liebe!" Sünde heißt gelähmt in der Liebe sein; totenstarr vor Lieblosigkeit. Sündenvergebung - "So spreche ich dich los von deinen Sünden ..." - heißt, in der Glaubenskraft Jesu zu sagen: "Nimm deine Bahre und geh!" Sündenvergebung, Sakrament der Versöhnung feiern heißt, Jesu Wort zu verstehen, das er den Pharisäern aller Zeiten zuruft und dem ältesten Sohn in uns: "Dein Bruder, du selber, warst tot und lebst wieder. Da muß man sich doch freuen! Beichten - was? Sie kennen vielleicht die Frage jener Hausfrau an ihren Ehemann, worüber denn der Pfarrer gepredigt habe. Nach kurzem überlegen bekommt sie zur Antwort: "über die Sünde. Der Herr Pfarrer hat über die Sünde gepredigt." - "Ach so, und was hat er über die Sünde gesagt?" - Nach einer etwas längeren Denkpause sagt der Gatte: "Er war dagegen!" Dies wäre eine mögliche Antwort auf die Frage, was denn Sünde und demnach zu beichten sei: "Sünde ist, wogegen der Pfarrer ist!" So praktisch diese Definition auch sein mag, sie hilft nicht weiter, wenn wir uns ernsthaft nach dem Wesen beziehungsweise Unwesen der Sünde fragen. Was ist Sünde eigentlich? Oder, wie manche fragen: Gibt es Sünde heute noch? Ist sie nicht wegpsychologisiert worden? Lassen Prägung, Erziehung, Milieubedingtheit, unbewußte Motivationen noch Raum für ein freies, verantwortliches Tun? Galt nicht vor dreißig Jahren noch das Versäumen der Sonntagsmesse und alles, was irgendwie mit dem sechsten Gebot zu tun hatte, als schwere Sünde - und jetzt? Versuchen wir eine Antwort zu finden im Blick auf das zehnte Kapitel des Lukasevangeliums. Dort fragt ein Gesetzeslehrer, was man tun müsse, um das ewige Leben zu erlangen. Jesus verweist ihn auf das Gesetz, in dem geschrieben steht: "Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen und ganzer Seele, mit all deiner Kraft und all deinen Gedanken, und: Deinen Nächsten sollst du lieben wie dich selbst" (V. 27). Es heißt, daß dann der Gesetzeslehrer weiterfragte: Ja, aber wer ist denn mein Nächster? Ist das meine Frau, die Familie, die Verwandtschaft, jeder, der mir über den Weg läuft? Und was ist mit den Fremden und Feinden? Sind die meine Nächsten? Jesus antwortet mit der Erzählung von dem Mann, der unter die Räuber fiel. Ein Priester und ein Levit sehen ihn, aber laufen vorüber. Ein Samariter aber sieht ihn, empfindet Mitleid mit ihm und versorgt ihn liebevoll. Und jetzt fragt Jesus: "Was meinst du: Wer von diesen dreien hat sich als der Nächste dessen erwiesen, der von den Räubern überfallen wurde?" (V. 36). Jesus kehrt hier die Frage des Gesetzeslehrers einfach um. Der hatte doch gefragt: "Wer ist mein Nächster?" Jesus dagegen fragt: "Wem hast du dich als Nächster erwiesen?" Was kann uns dies sagen für die Frage, was denn Sünde sei? Zunächst wird gesagt, was Sünde ist: Gott, den Herrn, nicht zu lieben aus ganzem Herzen, aus ganzer Seele, aus ganzer Kraft und mit seinem ganzen Denken. Ebenso gilt, daß es Sünde ist, wenn man sich selber nicht liebt und den Nächsten nicht liebt wie sich selbst. Und weiter wird gesagt: Wichtiger als die Frage nach der Definition, was denn genau Sünde sei, wichtiger ist die Frage nach meinem eigenen Zustand: Wann bist du an einem vorbeigelaufen, der unter die Räuber gefallen war? Wann hast du aus Angst um dich selbst nicht zu jemandem gestanden? Wann hast du täglich Kinderschreien auf deinem Stockwerk gehört - und hast den Fernseher lauter gedreht? Wann warst du wie der Priester, der dem Ausgeraubten nicht half und dann, in Jericho angekommen, klagte und jammerte, daß die Zeiten immer unsicherer würden, die junge Generation nur schlechter werde und der Kirchenbesuch trotz eines zuverlässigen Service jährlich um zwei Prozent abnehme! So macht es Jesus, wenn ihn einer nach der Sünde fragt. Er führt schnell zum springenden Punkt: "Bist du ein Mensch des Mitleids oder nicht? Hast du dich jemandem gegenüber als lieblos erwiesen? Geh hin und sündige nicht mehr!" Trotz dieser von Jesus selbst gebotenen Kürze und Direktheit mag es hilfreich sein, drei Dimensionen der Sünde zu nennen: Die Sünde zeigt sich in unserer Beziehung zum letzten Halt unseres Lebens, in unseren Haltungen und in unserem Verhalten. Ein Mensch, der eine Mitte hat, der aus Begegnung lebt, ist ein Mensch, der einen letzten Halt hat. Er kann sagen: "Ich bin gehalten. Du bist mein Halt. An dich will ich mich halten. Du hältst mich auch, wenn ich falle und mich fallen lasse." Biblische Worte und Bilder dafür sind: "Herr, du mein Fels, meine Burg" (Ps 18,3). -"Ich lege mich nieder und schlafe ein, ich wache wieder auf, denn der Herr beschützt mich" (Ps 3,6). - Jahwe spricht: "[Ich] halte meine Hand über dich" (Ex 33,22) Auf diesem Hintergrund gesehen, ist der Sünder der haltlose Mensch, der ungehaltene Mensch, der Mensch, der keine Hand hat, die ihn hält und abhält: Der Mensch ohne Halt, ohne Gegenüber: "Warum kehrt ihr mir den Rücken zu und nicht das Angesicht?" Diese klagende Frage ist einer der sinnenhaftesten und tiefsten Ausdrücke für Sünde. Und so lautet letztlich alles Sündenbekenntnis: "Ich habe mich nicht an Gott gehalten, sondern bin Götzen nachgelaufen. ich habe ihm den Rücken zugekehrt und die kalte Schulter gezeigt. Ich bin haltlos." Eine zweite Dimension der Sünde zeigt sich in den Haltungen. Mit Haltung sind all die tiefen, inneren Geprägtheiten, Einstellungen, Vorurteile und Stimmungen gemeint, die unser Begegnen, Reden und Tun bestimmen. So kann ein Mensch aus einer aufrichtigen, wohlwollenden, freilassenden, gelassenen Haltung heraus leben oder aus einer mißtrauischen, eifersüchtigen, aggressiven, gierigen Verfassung Diese Haltungen sind so etwas wie die Stimmung eines Instrumentes: Wenn die Saiten falsch gestimmt sind, dann kann selbst der beste Spieler nur Mißklänge produzieren. Das Bekenntnis auf dieser Ebene kann lauten: Ich lasse mich von Haltungen der Rachsucht, der Gier, der Bequemlichkeit, der Ehrsucht, der dauernden Selbstrechtfertigung, der Mutlosigkeit, der Angst, des Perfektionismus, der überheblichkeit, des schwächlichen Selbstmitleids bestimmen. Ich gehöre von meiner inneren und vielleicht auch äußeren Haltung zu jener "krummgewachsenen Generation", von der die Heilige Schrift spricht. Die dritte Dimension unseres Lebens ist die des Verhaltens. Sie umfaßt alles äußerlich Sichtbare, Greifbare, Beschreibbare. Das Verhalten drückt sich aus in Worten, Gesten, Mimik, Bewegungen, Handlungen, Körperhaltungen usw. Im Schuldbekenntnis zeigt sich diese Dimension zumeist in den Worten "Ich habe ...": ich habe einem Schulkameraden Geld geklaut; ich habe jemanden angelogen; ich habe jemanden ausgelacht; ich habe Gewalt angewendet; ich habe getötet ... Vielleicht vermittelt das bisher Gesagte den Eindruck, daß die Worte Halt, Haltung und Verhalten nur so ein Rahmen sind für einen Spiegel, in dem man sich, in dem man das Wesen der Sünde erkennen könne - der eigentliche Spiegel, der "Gewissensspiegel" fehle noch! Was aber ist der Spiegel? Wo ist er zu finden? Der vollkommenste Spiegel ist das Auge Gottes in dieser Welt: Jesus Christus. Wer nach einem Gewissensspiegel sucht, der kann in der Heiligen Schrift nachschlagen, ob ihm da aus dem Leben und den Lehren und aus den Augen Jesu eine Frage entgegenschaut. Es gibt viele solcher Fragen: Willst du zu mir kommen? Kannst du mit mir Einsamkeit im Gebet aushalten? Hast du den Mut, mit zwei Fischen und fünf Broten zu vielen Menschen zu gehen? Solltest du nicht besser auf dem Weg zur Kirche umkehren, um dich mit deinem Bruder zu versöhnen? Glaubst du an die Macht der Sanftmütigen? Alle diese Fragen und viele mehr sammeln sich in der einen, die Jesus dem Apostel Petrus stellt: Liebst du mich? Da kann es dann einem vielleicht einmal gehen wie ihm, als ihn der gefangene Jesus anschaute. Es heißt "Und Petrus ging hinaus und weinte bitterlich." Im Auge Jesu kann sich unser Leben spiegeln und erkennbar machen. Auf der Suche nach dieser Selbsterkenntnis im Angesicht Gottes sind die verschiedenen Beichtspiegel entstanden, die wir in unserem Gebet- und Gesangbuch, dem "Gotteslob", finden. Sie sind mit viel Sorgfalt und Einfühlungsvermögen geschrieben und können eine gute Vorbereitung für die Beichte sein Oder man kann sich auch einer etwas ungewöhnlichen und doch alltäglichen Gewissenserforschung bedienen, die ich einer Familie riet, deren neue Wohnung ich segnen durfte. Ich sagte damals: Jedes Zimmer eures Hauses kann euch etwas sagen und fragen über eure gegenseitige Beziehung Das ganze Haus: Sind wir einer dem andern Schutz? Das Wohnzimmer: Sind wir einander Heimat? Das Schlafzimmer: Sind wir Menschen, die den andern in sich zur Ruhe kommen lassen, oder regen wir uns dauernd auf? Das Bad: Sind wir uns gegenseitig Hilfe zur Reinigung, zur Selbsterkenntnis, zur Heiligung? Die Fenster und Türen: Geben wir einander den Blick frei für das, was in der Welt vorgeht? Der Eingang: Sind wir gastfreundliche Menschen? Die Garage: Sind wir füreinander Impulse und Kraft, unterwegs zu bleiben auf dem Lebensweg? Die Idee mag etwas fremd sein und doch: Ist das wahre Haus für den Menschen nicht der Mensch selber? Darf nach dem Zeugnis und nach den Bildern der Heiligen Schrift der Mensch nicht sogar Haus Gottes sein? "Ihr seid ein Tempel des Heiligen Geistes!" - "Wir werden kommen und Wohnung nehmen." So gesehen ist Sünde, den göttlichen Gast aus dem Haus des Lebens auszusperren. Ihn in Bethlehem, auf dem Richtplatz und auf Golgota draußen vor der Tür zu lassen. Die Tür zu unserem Haus des Lebens ist unser Herz. Dort klopft er an. Dort, an der Türschwelle, können wir mit dem römischen Hauptmann sprechen, wie wir das in jeder Meßfeier tun: "Herr, ich bin nicht würdig, daß du eingehst unter mein Dach, aber sprich nur ein Wort, so wird meine Seele gesund." Und wenn uns auch dieses Wort des Glaubens nicht leicht möglich ist und wir wie die Jünger aus Angst das Haus verrammelt haben - keine Angst, der Auferstandene dringt durch alle Mauern hindurch. Er ist auferstanden, hat Tod und Sünde überwunden, mitten in uns. Sein Heiliger Geist spricht in uns das Wort der Versöhnung: "Hab keine Furcht. Ich bin es. Der Friede ist mit dir! Beichten - wie? Wenn nach vielen Jahren jemand zum Beichten kommt und endlich, endlich eine Last sich von der Seele redet, dann gehört das zum Wunderbarsten und Bedrückendsten, was sich im Sakrament der Versöhnung ereignen kann. Wunderbar, weil da ein großes Aufatmen durch eine Seele geht und Raum für Freude geschaffen wird. Bedrückend, weil man die große Not nachspüren kann, in der ein Mensch in Mitteilungsangst, falscher Scham, im skrupulösen Gewissensgefängnis, in Verdammungsängsten gelebt und gelitten hat. Da mag sich auch die Frage stellen: "Beichten - aber wie?" Voll Angst? Im gesetzhaften Bemühen um eine reine Weste? In Vorfreude auf Erlösung und Befreiung? Als Zwangshandlung, die sich lediglich eine psychologische Entlastung schaffen will? "Beichten - aber wie?" Lassen wir uns die Antwortrichtung geben von dem verlorenen Sohn aus der Erzählung im fünfzehnten Kapitel des Lukasevangeliums. Wie fand er den Heimweg? Da haben wohl zwei Kräfte zusammengewirkt: zum einen der große Leidensdruck eines fast kaputten Lebens an den Schweinetrögen und zum andern die Erinnerung daran, wie gut es daheim im Vaterhaus war. Ohne diese Erinnerung, die ihm zur Hoffnung wurde, hätte er den Heimweg nicht angetreten. Hierin liegt eine erste Antwort auf unsere Frage "Beichten - aber wie?": "in Erinnerung an die Wohltaten Gottes!" Wie dies geschehen kann, zeigt die Art und Weise, wie Kardinal Carlo Maria Martini, der Erzbischof von Mailand, zu beichten pflegt. In einem seiner Bücher schreibt er, bei seiner Beichte mache er drei Schritte: Zunächst beginne er mit einer Danksagung für Situationen, in denen er die liebevolle Hand Gottes gespürt habe. Ich danke ihm, schreibt er, "daß ich mit jener Person zusammenkommen konnte, die ich seit längerer Zeit gemieden hatte; daß ich dieses mein eigenes Problem oder das eines anderen, das mich bedrückte, anpacken konnte; daß ich ein Gebetsproblem, mit dem ich mich herumschlug und das ich nicht lösen konnte, verstanden habe". In einem zweiten Schritt bekenne er, was er lieber nicht in seinem Leben gehabt hätte; was er bereut, was ihm mißlungen ist: eine Rücksichtslosigkeit, die Abneigung gegen einen Menschen, das Verspüren einer inneren Gier, Handeln aus eigener Bequemlichkeit usw. Er sage dann etwa: "Siehe, Herr, das bin ich, das ist das Material, über das du verfügst, das sind die Bausteine deiner Kirche; sie sind schmutzig, schlecht geschliffen, eckig, stumpf. Ich wollte, es wären andere, aber, Herr, ich bringe sie vor dein Angesicht, denn ich weiß, daß du barmherzig bist." In einem dritten Schritt versuche er, sein Vertrauen auf die heiligende Kraft Gottes auszudrücken; sein Vertrauen auf Gottes Geduld, die ermutigt, immer neu anzufangen; sein Vertrauen auf die Inspiration durch den Heiligen Geist, die ihm im konkreten Alltag hilft, immer mehr auf Gottes Liebe hin zu leben. Beichten - aber wie?" In Erinnerung an die Wohltaten Gottes. Und Beichten im Blick auf die eigenen Un-taten. Un-taten im wörtlichen Sinn verstanden, als Nicht-Getanes. Das Böse besteht nicht nur in außerordentlichen und sichtbaren Bosheiten, sondern öfter noch im Guten, das wir unterlassen haben, wie wir das im Bußritus der Messe bekennen. Es gibt ein sehr hartes, aber zutreffendes Wort: "Was muß man tun, damit jährlich viele Millionen Menschen verhungern? Nichts!" Man könnte in diesem Stil weiterfragen: Was muß man tun, damit das Gespräch in einer Ehe einschläft? Nichts! Was muß man tun, damit nichts besser wird? Nichts! Nichts zu tun genügt, um schuldig zu werden. Das Wachstum in der Liebe zu verweigern ist die gewöhnlichste Form der Sünde. Die heilige Teresa von Avila drückt dies mit den Worten aus: "Wer nicht wächst, schrumpft ein. Ich halte es für unmöglich, daß die Liebe sich damit begnügt, ständig auf der Stelle zu treten." "Beichten - aber wie?" Im Blick auf unsere Un-taten! Und Beichten ohne falsche ängstlichkeit. Der Blick des sich verfeinernden Gewissens auf die unterlassene Liebe kann auch zu einer Skrupulosität führen; oder auch dazu, daß man die "Mücken siebt und die Kamele schluckt", wie Jesus einmal sagt. Bruce Marshal hat ein hübsches Beispiel für die Frage von zu weitem oder zu engem Gewissen. Er sagt, wenn man beichte, daß man ein Seil gestohlen habe, dann solle man gegebenenfalls auch dazu sagen, ob an dem Seil eine Kuh angebunden gewesen sei. Umgekehrt wird man dem Menschen mit einem zu skrupulösen Gewissen sagen dürfen: Wenn du gebeichtet hast, daß du eine Kuh gestohlen hast, dann brauchst du nicht ängstlich zu sein, wenn du von dem Strick, mit dem du sie weggeführt hast, nichts erwähnt hast. "Beichten - aber wie?" Ohne falsche ängstlichkeit, in Einfachheit und Klarheit. Die Frage "Beichten - wie?" kann auch beinhalten: "Beichten - und wie oft?" Erschrecken Sie nicht zu sehr über die Antwort: "Immer!" Im ganzen Leben. Unser ganzes Leben darf und soll immer durchsichtiger, klarer, wahrhaftiger werden. Also beichten lernen im Alltag. Beichten mit den vielen kleinen Gesten und Worten: "Entschuldige!" - "Oh, daß ich das nicht bemerkt habe!" -"Ich glaube, ich habe Ihnen damit weh getan!" - Ja, wirklich, das habe ich falsch gesehen!" - "Danke, Sie reagieren immer so verständnisvoll auf mein Heftigsein!" - "Hast du mal Zeit? Ich glaube, wir sollten uns einmal länger aussprechen!" "Beichten - wie oft?" Im Alltag, immer dann, wenn es dran ist. Und wie oft beichten in der Kirche, dem Priester gegenüber? Dies ist nicht einfach zu beantworten. Aber es legt sich nahe zu sagen: Dann, wenn eine ganz schwerwiegende Lieblosigkeit die Beziehung zu Gott und den Menschen beeinträchtigt: Weiterhin legt sich nahe zu sagen: nicht zu selten. Es ist zumeist so, daß man um so weniger zu sagen hat, je seltener man geht. Es ist damit wohl so wie bei Eheleuten, die lange Zeit sich nicht mehr über ihre Beziehung unterhalten haben und sich nun nichts mehr oder nur noch wenig zu sagen haben. Orientierungspunkte für die Beichtzeiten könnten sicherlich die großen Feste der Kirche sein: Adventszeit, Weihnachten, Fastenzeit, Ostern, Pfingsten. Es heißt zu Recht, daß ein Fest zu einem guten Teil in seiner Vorbereitung besteht. Die Beichte könnte ein solches "Sich-Herrichten-Lassen" sein. Manchem kann ein persönliches Datum hilfreich sein: der Geburts- oder Tauftag, der Zeitpunkt der Eheschließung, der Ablegung der Gelübde, der Priesterweihe. Schließlich gibt es Christen, die erfahren, daß für sie ein oftmaliges und regelmäßiges Beichten eine große Hilfe auf ihrem Lebensweg ist. "Beichten - wie oft?" Sooft es einem guttut! "Sooft es einem guttut..." Da mag manch einer denken: "Mir tut es nie gut; jedenfalls hilft mir das Beichten wenig. Es ist doch immer dasselbe!" Mit dieser Aussage ist wohl einer der Hauptgründe für die sogenannte Beichtkrise gegeben. Wir neigen dazu, die Wende mit der Umkehr zu verwechseln. Die Wende gibt eine neue Richtung an - in die wir aber gehen müssen. Es ist wie im Evangelium: Jesus vergibt die Sünde und heilt den Gelähmten, und dann sagt er: "Nimm deine Bahre und geh!" Gott gibt den Anfang des Wunders, wir dürfen es im Weitergehen zu Ende wirken. Darf ich Ihnen zum Abschluß zwei kleine Krücken als Hilfe fürs manchmal mühsame Gehen geben? Die erste Krücke heißt: "Einüben in die liebevolle Aufmerksamkeit." Anders gesagt: dem Nächsten, den Gesprächen, den Ereignissen Beachtung schenken. Konkret kann dies heißen: Eine Unterrichtsstunde noch eine Minute nachklingen lassen; den Frieden wahrnehmen, der sich einem schenkt, wenn man tagsüber immer wieder kurz versucht, mit dem Geist Gottes Verbindung zu suchen; drei Minuten den schlechten Geschmack wahrnehmen, den eine Lüge hinterläßt; spüren, wie unser Bruder Leib die Auswirkungen von Gutem und Bösem signalisiert im Gefühl von Leichtigkeit, Kopfweh oder Magendruck. Sie können dies weiter fortsetzen. Diese Wachheit geht fast im Nebenbei: auf dem Weg von einem Zimmer zum andern; beim Nachhausegehen; während einer Zigarettenpause, beim Luftholen. Obwohl die liebende, begleitende Aufmerksamkeit so im Einherlaufen geschieht, ist sie sehr wirksam. Durch sie geschieht Zuwendung, Beachtung, Verwandlung. Sie ist wie ein seelisches Atemholen, eine Pufferzone im Tageszug, eine ständige Einübung und Ausübung der Unterscheidung der Geister. Die zweite Krücke für das Weitergehen können wir mit dem Namen belegen: "Einen Emmausgang machen." Im Lukasevangelium, Kapitel 24, wird erzählt, wie zwei Jünger ganz traurig nach Emmaus gehen und einem unbekannten Wanderer ihr Herz ausschütten. Beim Brotbrechen erkennen sie ihn dann als den auferstandenen Herrn und kehren voll Freude nach Jerusalem zurück. Auch wir können "einen Emmausgang machen", wenn uns ein Problem, eine negative Beziehung bedrückt. Wie läuft dies ab? Zuerst bitten wir darum, daß Gottes Geist mit auf dem Weg sei, daß der Auferstandene uns begleite. Dann können wir in der Phantasie dem Men-schen gegenüber, mit dem wir ein Problem haben, uns alles freiweg von der Seele reden, klagen, schimpfen, weinen. Wenn wir uns alles von der Seele geredet haben, können wir ein wenig innehalten und dann innerlich auf den Partner, der in der Phantasie "lebt", hinhören, so wie auf einen abwesenden Briefpartner. Vielleicht kommt da eine Antwort. Zum Schluß können wir dann nochmals beten, so wie es uns der Geist eingibt. Wenn wir nicht weitergekommen sind, dann können wir noch einige Male diesen Emmausgang machen. Noch hilfreicher ist es natürlich, wenn es zu einem Gespräch mit dem wirklichen Gegenüber kommt, wenn beide Seite an Seite einen Spaziergang machen: Mutter und Kind, Arbeitskollege und Arbeitskollegin, wer es auch sei. Für den Fall, daß die Situation sehr verfahren ist, ist es äußerst hilfreich, wenn bei einem Gespräch nur der eine Partner sagt, wie er die Beziehung erlebt, den andern, sich selber. Eine Woche später werden die Rollen gewechselt: Der andere spricht, und der eine hört nur zu. Das ist normalerweise entkrampfend und hilfreich, da man wirklich zuhören kann und nicht unter Rechtfertigungsdruck steht. Auch dieses Gespräch in zwei Teilen kann öfter geführt werden, bis man spürt, daß man einen Schritt weitergekommen ist und vielleicht sogar "voll Freude zurückeilen" kann. Und wenn man nicht eilen kann, dann eben humpeln, wie das bei Krücken der Fall ist. Mit den zwei Krücken, die ich Ihnen an die Hand gab und mit den vielleicht besseren Krücken, die Sie kennen. Zum Schluß darf ich Ihnen noch eine kleine Weg-Geschichte erzählen: Ich ging mit meinen Eltern zusammen spazieren. Da hörten wir plötzlich einen Lärm und sahen einen kleinen Buben, der mit seinem Dreirad umgekippt war. Wir gingen alle drei in Startstellung, um beim ersten Schreien hinzueilen und zu schauen, was dem Kerlchen passiert sei. Nichts dergleichen. Kein Weinen. Er schaute nur auf zu uns und rief uns über zwanzig Meter zu: "Das war jetzt ein Verkehrsunfall!" Dann schwang er sich auf sein Dreirad, strampelte davon, drehte sich im Fahren halb um und schrie uns nach: "Ich muß noch viel üben!" Ist das nicht schön! Diese ruhige, nüchterne Feststellung, daß da etwas danebengegangen ist. Und dann nicht die Beschuldigung des "blöden Dreirades" oder eines "dummen Steines", sondern die einfache Erkenntnis: "Ich muß noch viel üben!" Auch dies gehört zum Sakrament der Versöhnung: die Liebe üben. Täglich einüben und ausüben. Es ist uns zugesagt, daß wir das können; denn der, welcher uns richtet, ist auch der, welcher uns aufrichtet aus dem Staub und sagt: "Nimm deine Bahre und geh!" Pater Willi Lambert, SJ |
| #296 ddddddddd14.06.2007 - 17:33 |
| Was ist das für eine junge Frau, die in dieser unheiligen Zeit Theologie studiert, sich mit alten Handschriften auf Latein beschäftigt und sich mit 27 fürs Kloster entscheidet ? Sie heißt Schwester Katharina und hat am 2. Juli die ewige Profess in Seligenthal abgelegt. Das war die endgültige Entscheidung fürs Kloster. Die heilige Katharina von Alexandrien: Der Legende nach sollte sie gerädert werden. Als das Rad zerbrach, ließ sie der römische Kaiser enthaupten. Engel brachten ihre sterblichen Überreste auf den Berg Sinai genau dorthin, wo Gott sich Mose im brennenden Dornbusch offenbart hatte. Die heilige Katharina beim Dornbusch verbindet das Alte mit dem Neuen Testament. Das hat der jungen Katharina von heute gefallen. Für ihren Beruf braucht Schwester Katharina einen kritischen Blick. Er war nötig, als sie ihre Promotion schrieb: eine Forschung im Fach Bayerische Kirchengeschichte über Wolfgang Marius, der 1514 bis 1544 dem Kloster Aldersbach als Abt vorstand und einen Kommentar zur Benediktusregel geschrieben hat. Bisher war ein solcher Kommentar aus dem 16. Jahrhundert unbekannt. Die Arbeit des Abts war unter falschem Titel im Handschriftenkatalog einordnet; darum blieb sie als Regelkommentar unentdeckt. Seitenweise Handgeschriebenes aus dem 16. Jahrhundert. Das bedeutet: unbekannte Abkürzungen entschlüsseln, den Text abtippen, die selben Stellen immer wieder korrigieren und vergleichen. Weil nichts so hartnäckig ist wie Fehler. Schwester Katharina ist noch hartnäckiger. Schon der Vater nannte sie Sturkopf eine Eigenschaft, die sie mit keine halben Sachen machen und man muss dranbleiben können beschreibt. Dranbleiben muss, wer 2500 Jahre alte Texte im griechischen Urtext liest. Das Original ist nicht so glatt wie die Übersetzung. Es gibt Begriffe, die zwingen dem Lesenden Pausen auf; machen bewusst, dass Geschichte nicht statisch ist: Eine Vorstellung ist nicht einfach da. Sie entwickelt sich. Die Leidenschaft für Forschung hat per se noch nichts mit dem Kloster zu tun. Fürs Kloster entschied sich die ruhig und klar wirkende Schwester Katharina nicht, weil sie mögliche Lebensformen miteinander verglich. Es gab keine Alternative. Irgendetwas in ihr sagte: Wenn ich das nicht tu, vermurks ich mein Leben. Die Familie sah das anders. Schon beim Studium der Theologie sollte sie lieber was Gscheits machen: Lehrerin oder Finanzbeamtin zum Beispiel. Inzwischen haben sie daheim gemerkt, dass das Glück auch im Kloster liegen kann. Ein paar Mitstudenten sind der Klosterschwester gegenüber distanzierter als einer jungen Frau in Zivil. Aber auch das ändert sich, sobald sie merken, dass in dem Gewand ein ganz normaler Mensch steckt. Leben im Kloster: Der Tag beginnt um 5 Uhr morgens mit einer Zeit des persönlichen Gebets und endet offiziell um 19.45 Uhr mit der Komplet, dem Nachtgebet. Dazwischen gibt es viele weitere Gebete und so viel Arbeit, wie jede schafft. So richtet sich jeder Tag aus auf die innere Stimme, bei der nur Gott im Zentrum steht. Das ist etwas anderes als egozentrische Selbstfindung. Etwas ganz anderes als das, was Schwester Katharina Klostertourismus nennt. Damit meint sie Leute, die Klosteraufenthalte auf Zeit mit ihrer abgeschirmten Atmosphäre wie ein Wellnessprogramm genießen: von einem Kloster ins nächste tingeln und dabei das Wesentliche nicht mitbekommen. Und doch ist es die Aufgabe der Klöster, den Menschen in einer hektischen Zeit zu helfen, zu sich wieder selbst und vor allem zu Gott zu finden. Die 27-Jährige will im kommenden Wintersemester ihr Lehramtsstudium für die Fächer Latein und Religion abschließen. Mit den Schülern kommt sie gut klar. Sie ist sogar erstaunt darüber, wie sehr sich diese für so gar nicht jugendliche Themen wie meditative Gebetsformen interessieren. Vielleicht rührt ihr guter Draht zur Jugend daher, dass sie authentisch ist. Sie tut einfach das, was sie sagt. Ohne viele Schnörkel und ohne Drumherumreden. Und sie macht aus ihrer eigenen Unheiligkeit keinen Hehl: Auch eine Klosterschwester macht Fehler. Und darf immer wieder neu anfangen. Das, was gerade ansteht, richtig und gut machen. Darauf kommt es an. Dann gibt es auch keinen Grund, sich Sorgen zu machen. Gisela Dürselen |
| #295 ffffffff14.06.2007 - 17:02 |
| Sapere Benedictum oder: Die Würze des Mönchtums Weltverantwortung aus benediktinischer Sicht gestern und heute Ein An-Denken über das Salz der Erde DT vom 20.04.2002 Von Abt Albert Altenähr OSB Es sei zu Beginn die gefährliche Frage gestattet, ob Weltverantwortung überhaupt eine benediktinische Kategorie ist. Weltverantwortung ist ein moderner Begriff. Eigentlich ist nirgends in der Regel Benedikts etwas von einer Verantwortung des Mönches gegenüber der Welt zu lesen. Die Instanz, vor der sich der Abt als Modell eines jeden seiner Mönche verantworten muss, ist nicht die Welt, sondern Gott, vor dem er Rechenschaft ablegen muss. Diese Präzisierung des Blicks ist kein akademisches Glasperlenspiel, sondern sie ist für das benediktinische Lebensverständnis grundlegend. Nicht die Welt ist die Instanz, vor der Benedikt sich rechtfertigen muss, sondern Gott ist das Ziel, vor das der Weltmensch und Weltmönch Benedikt sich gestellt sieht. Die leichthin genannte Weltverantwortung möchte ich als Gottverantwortung der Welt neu umschreiben. Für den Mönch benediktinischer Prägung heißt das: Wie kann er diese Welt, die nicht einfachhin vor dem Tor seines Klosters beginnt, sondern die er selbst ist, auf Gott hin leben. Was hat Benedikt Europa und der Welt gegeben? Papst Paul VI. hat 1964 Benedikt zum Patron Europas erhoben. Es war die kirchen- oder liturgie-offizielle Anerkennung, dass Benedikt Europa der Welt etwas gegeben hat. Doch was hat Benedikt der Welt gegeben? Es sei zumindest ansatzweise aufgezählt. Da sind die Skriptorien, die die antiken Schriftsteller kopierten und wunderbare Handschriften schrieben und illuminierten. Da sind die Baumeister, die Kirchen und Klöster mit goldenem Blick für Gottes Herrlichkeit und menschliche Notwendigkeit schufen. Da wurde gerodet und kultiviert, das Geheimnis der Kräuter und Essenzen entschlüsselt und für Heilkunst und Gaumenlust neu durchmischt. Die Lagen der Weinberge wurden durchschmeckt und bis ins Heute hinein mit dem Bonus Klosterprodukt etikettiert. Da wurde Gebet in Liturgie hinein strukturiert und zelebriert, nicht zu vergessen den zugleich herb-irdenen als auch esoterisch-schwebenden Gregorianischen Choral. Die Klöster waren Schulen des Abendlandes und gaben als solche und in Schulen ihre Erfahrung und ihr Wissen in die Welt hinein. Die Aufzählung könnte und müsste verlängert werden. Sie könnte und müsste zugleich in die verschiedenen Jahrhunderte und Regionen Europas detailliert hinein buchstabiert werden. Ob glaubens- und kirchenintensiver Christ, ob bekennender Atheist: Keiner, der durch Europa wandert, kann an diesen Zeugnissen benediktinischer Weltgestaltung vorbeigehen. Und wenn er es denn tut, dann geht er nicht an der Welt von gestern, sondern an der Welt heute vorbei, die ohne diese monastische Spur um mehr als eine Spur ärmer wäre. Und wie geht es weiter? Zunächst: Vieles lebt auch heute sehr lebendig. Die Welt darf dankbar dafür sein und wir sollen und wollen es weiter pflegen. Und doch: Wie geht es weiter? Oder anders gefragt: Beantwortet das, was ich aufgezählt habe und vergaß aufzuzählen, die Frage nach der Weltverantwortung aus benediktinischer Sicht? Hat es das je beantwortet und beantwortet es die Frage der Weltverantwortung der Benediktiner heute? In der Mitte der siebziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts gab es die Würzburger Synode der Bistümer in der Bundesrepublik Deutschland. In dem Beschluss Orden hieß es damals: Geistliche Gemeinschaften erfüllen ihren Auftrag nicht schon dort, wo sie diesen oder jenen konkreten Dienst leisten. Was sie den Menschen vor allem schulden, ist ein geistlicher Dienst: Erhellung des Lebenssinnes, Glaubensermutigung, Zeugnis für Gottes Dasein und Liebe, eine Haltung der Selbstlosigkeit und Hilfsbereitschaft, des Vertrauens und der Hoffnung, ein Beitrag zur Achtung der Menschenwürde und zur Menschlichkeit des Lebens. ... Nur dort, wo die Gemeinschaften mehr sind als bloße Zweckverbände, können sie ein Ferment christlicher Menschlichkeit sein in einer Gesellschaft, die den Menschen immer einseitiger nach Leistung und Bedürfnissen beurteilt und verplant. Damit ist nicht einer Zweigleisigkeit, nämlich der Abtrennung des Grund-auftrags von den Aufgaben der Zeit und vom Dienst am Mitmenschen das Wort geredet. Der Grundauftrag muss vielmehr in diesen selbst verwirklicht werden und erfahrbar sein. Das verbietet die Flucht in eine weltlose Innerlichkeit. Kritisch sei an den Schluss des Zitates die Frage gestellt, warum man eigentlich immer sehr schnell von einer Flucht in eine weltlose Innerlichkeit spricht? Selten bis nie höre ich im kirchlichen Milieu die Warnung vor einer Flucht der Geistlichen in die geistlose Weltlichkeit. Geistlose Weltlichkeit wird zumeist nur der Welt angelastet. Man sollte aber genauso kritisch auf eine geistlose Kirchlichkeit achten und vor der Flucht in einen geistlosen Verkündigungs- und Sendungsaktionismus warnen. Der Akzent des Zitates aus der Würzburger Synode will aber betont die Notwendigkeit in den Blick rücken, den Grundauftrag nicht als selbstverständlich vorauszusetzen. Wenn man ihn nicht immer wieder in den Blick nimmt, dann verliert man ihn eines schönen Tages aus dem Blick. Worüber man weniger und weniger spricht, das ist irgendwann nicht mehr der Rede wert. Es wird zu einer quantité négligeable. In der Konsequenz eines vernachlässigten Grundauftrags und der vernachlässigten Innerlichkeit liegt die Aussage, die mir vor kurzem knallhart begegnete: Den Sinn der Kirchen heute sehe ich lediglich in ihrem sozialen und caritativem Engagement. Wenn das so stimmen sollte, dann hätten wir Jesus Christus zu einem nützlichen Idioten zur Flickschusterei an der kaputten Welt herabgestuft. Mönche der benediktinischen Regelfamilie, die sich auf diese Nützlichkeitsschiene scheinbarer Weltverantwortung setzen ließen, würden untoten Wiedergängern gleichen, die vielleicht hervorragend funktionieren, die aber ohne Herz und Herzblut daherkämen. Das Gesagte sei noch einmal vielleicht etwas freundlicher mit einer Geschichte zu sagen. Diese Geschichte will nicht dazu auffordern, alle Werke, in denen Mönche Großes gewirkt haben und wirken, aufzugeben. Sie will die Mönche aber einladen, sich immer wieder einen reformatorischen Perspektivenwechsel zuzumuten, damit sie nicht die Quelle verlieren, aus der der Strom fruchtbaren Wirkens gespeist wird. Ein Weltflüchtling, aber die Menschen fanden ihn Ein Pilger ging eine Straße entlang und er kam an jemandem vorbei, der aussah wie ein Mönch und auf einem Acker saß. In der Nähe arbeiteten Männer an einem Gebäude. Du siehst wie ein Mönch aus, sagte der Pilger. Ich bin einer, sagte der Mönch. Wer ist das, der an dieser Abtei arbeitet? Meine Mönche, sagte der Mann, ich bin der Abt. Oh, das ist wunderbar, sagte der Pilger, es ist so gut, eine neue Abtei wachsen zu sehen. Wir reißen sie nieder, sagte der Abt. Niederreißen, rief der Pilger, warum das denn? Damit wir die Sonne aufgehen sehen können, sagte der Abt. Wenn ich es recht sehe, dann war Benedikt kein Prophet schneller Weltzuwendung und vordergründiger Weltverantwortung. Er ging aus Rom weg, er suchte die Zurückgezogenheit des Sacro Speco oberhalb Subiacos und habitavit secum er war ganz er selbst, ganz bei sich. Er war Weltflüchtling, ... aber die Menschen fanden ihn, der einen Schatz gefunden hatte, und er entzog sich ihnen nicht. Wenn ich die Regel Benedikts recht lese, dann propagiert Benedikt durchaus nicht das Ausschwärmen seiner Mönche in die Welt. Ihr Ort sind die claustra monasterii (RB 4,78) und im Kloster soll es alles Notwendige geben: So brauchen die Mönche nicht draußen herumlaufen, was ihren Seelen ja durchaus nicht zuträglich wäre (RB 66,7). Wo hat da die Weltverantwortung ihren Platz? Eine erste, einerseits weit vor-benediktinische, aber zugleich durch und durch benediktinische Antwort könnte so lauten: So weit sich der Mönch auch aus der äußeren Welt zurückzieht, die Welt begleitet ihn bis in den letzten Fluchtwinkel hinein, denn er selbst ist und bleibt Welt. Wenn das stimmt, dann darf auch wohl der Umkehrschluss gelten. Indem der Mönch einen anderen Weg geht, verändert er das Kräfteparallelogramm der Welt der ganzen Welt! Wenn wir die Botschaft Jesu von der kleinen Zahl ernst nehmen, dann ist dieser eine nicht nur nicht wenig, sondern als Salz der Erde und Licht auf dem Berg sehr viel. Wir brauchen weder viele Mönche noch große Klöster, das einzige, was wir brauchen sind gute Mönche und Mönchsgemeinschaften. Wir brauchen Mönche, die Mönche sind. Sie allein haben Strahlkraft, ein Licht in die Welt auszusenden. Aus dem benediktinischen Regelschatz seien an dieser Stelle nur zwei Gedanken in die Weltverantwortung hin-überbuchstabiert. Erstens: Im Prolog der Regel heißt es: So wirst du durch die Mühe des Gehorsams zu dem zurückkehren, von dem du dich in der Trägheit des Ungehorsams entfernt hast (RB Prolog 2). Es ist hier von Gott und der Sünde die Rede, von Gehorsam und Ungehorsam. Das klingt fromm, ist fromm und damit sehr schnell von sehr vielen mit dem Stempel des Obsoleten ad acta gelegt. Aber ist in diesem frommen Kontext nicht eine Meta-Botschaft verborgen, die ich fast als ur-menschlich und in diesem weiten Rückblick als ur-religiös bezeichnen möchte? Wenn ich nur einige Worte aus dem Zitat auslasse, dann klingt es gar nicht mehr fromm, geschweige denn kirchen-fromm oder gar frömmelnd: ... zurückkehren zu dem, von dem du dich entfernt hast. Das ist eine durchaus weltnahe Sprache und der angebotene Inhalt erscheint keineswegs weltfern. Was hier angeboten wird, ist ein Paradig-memenwechsel weg vom immer schnelleren Fortschritt in das Halt der Besinnung und in die Um- und Rückorientierung auf die tragenden Werte. Es ist ein Paradigmenwechsel von der Ideologie, das jeweilige Heute als den höchsten Stand der Offenbarung anzubeten, zur radikalen Anfrage, ob wir nicht ganz anders denken und leben müssten, um auf der Höhe des Heute zu sein und an der Schwelle der Zukunft zu stehen. Es ist ein Paradigmenwechsel von der Mode zur Moderne. Es ist wohlfeil, den Fortschritt an Komplizierungen des Lebens zu beklagen und zu verteufeln und dass es unendlich schwer ist, sich als Kind des Heute aus diesen Kompliziertheiten auszuklinken. Aber es ist nicht zu leugnen, dass die Welt auseinandergefallen ist in ein Durcheinander von Mikadostäbchen, denen die zusammenbindende Hand genommen ist. Und man leidet unter diesem Mikado-Durcheinander, das man nicht in den Griff bekommt. Ein globales Beklagen der nicht mehr greifbaren Komplexität und ein globales Einklagen eines Paradigmenwechsels ist eine Sache. Die Konsequenz daraus zu ziehen, ist eine andere. Sie wird und kann nur eine Sache der Individuen, konkreter Einzelner sein. Das setzt eine mutige Einfalt (simplicitas) voraus, gegen den Strom zu schwimmen. Es ist ein Ausdruck der Lebenssehnsucht und der Lebenskraft. Nur tote Fische schwimmen mit dem Strom, sagt ein chinesisches Sprichwort. Wo das gewagt und nicht im geheimen Kämmerchen versteckt wird, da wird bei Begegnungen eine Lebensfrage geweckt und Anschluss gesucht. Das ist keine These und keine Behauptung, sondern eine Erfahrung. Ein biblisches Bild für die Fruchtbarkeit des gelebten Einzelzeugnisses ist die Prise Salz und die kleine Menge Sauerteig, die weite Wirkungen zeigen. Benedikt konkretisiert den Paradigmenwechsel im programmatischen Eingangswort seiner Regel: Höre! Das lateinische obsculta oder ausculta lässt deutlich erkennen, dass Benedikts Anliegen eine auris cultivatio ist eine Kultivierung des Ohres und eine Kultur des Hörens. Erhellend für das Gemeinte ist die biblische Erzählung vom Traumwunsch des jungen Königs Salomo. Im Traum hat der junge König einen Wunsch frei und er bittet um ein hörendes Herz, damit er sein Volk zu regieren und das Gute vom Bösen zu unterscheiden versteht (1 Kön 3). Salomo ist sprichwörtlich geworden. Weil er um solches Hören gebeten hat, ist er salomonisch ist er er selbst geworden. Wie im Traum des Salomo ist auch bei Benedikt das Herz das Organ des Hörens. Neige das Ohr deines Herzens fordert der Prolog der Regel. Inzwischen klingt es fast billig als Kalenderblatt-Weisheit, wenn man Saint-Exupéry variiert: ... man hört nur mit dem Herzen gut. Vielleicht sollte man es darum ein wenig weniger schmalzig sagen. Das Hören wird dort zu seiner vollen Wirklichkeit gelangen, wo die Wurzel der Sehnsucht und der Nöte erreicht wird. Diese Wurzel wird im gelungenen Hören auf die Chance der Zukunft, des positiv Entwicklungsfähigen abgehorcht. Ein weiter vertiefender Hinweis des Regelprologs zur Hörkultur ist das Wort aus dem Psalm 95 Heute, wenn ihr seine Stimme hört, verhärtet eure Herzen nicht (RB Prolog 10). Seit den Zeiten der Abfassung des Hebräerbriefes (Hebr 3 u. 4) geleitet das Wort den Beter des kirchlichen Stundengebets als Impuls, wirklich mit Gott zu rechnen, in jeden Tag hinein. Eine jüdische Frage, wann denn heute sei, öffnet dem Wort eine noch einmal neue, eine meta-temporale Tiefe. Die Antwort auf die Frage lautet: Heute ist, wenn ihr seine Stimme hört. Das heißt: Der Mensch ist dann ganz da auf der Höhe der Zeit, auf der Höhe seiner selbst , wenn er im Hier und Jetzt die Ansprache / den Anspruch Gottes wahrnimmt. Die Regel Benedikts und die religiöse Tradition überhaupt nennt das Leben in der Gegenwart Gottes. In nicht-religiöse Sprache übersetzt würde das in etwa heißen: Ein Fundament finden, auf dem ein Standpunkt eingenommen werden kann. Zweitens: Der zweite Regelgedanke, der hier ins Blickfeld zu rücken ist, ist die Kehrseite des gerade ein wenig Ausgefalteten über die Hörkultur. Der kontrastierenden Einfachheit halber sei er in diesem Zusammenhang Redekultur genannt. Wer einen Lese-Streifzug durch die Regel Benedikts macht, wird an den verschiedensten Stellen Hinweise auf das Wort und seinen Gebrauch finden. Einige Zitate aus der biblischen und monastischen Weisheitsliteratur in der Regel Benedikts sind mir persönlich besonders lieb geworden. In multiloquio non effugies peccatum Bei vielem Reden entgehst du der Sünde nicht (Spr 10, 19; RB 6,4; 7,57). Der Schwätzer hat auf Erden keine Richtung (Ps 140, 12; RB 7,58). Und schließlich Den Weisen erkennt man an der Kürze seiner Rede (Sextus, Enchiridion 145; vgl. Sir 20, 5.7; RB 7,61). Mönche, seid Mönche, alles übrige wird euch dazu gegeben Die alte Vätertradition kennt die Kurzverkündigung. Die Menschen kamen zu den Altvätern und baten sie: Gib mir ein Wort. Und die Väter antworteten mit der Würze der Kürze. Ihre kurze Rede sagte etwas, denn sie hatten etwas zu sagen. Ein Rhetorik-Trainer sagte mir vor kurzem: Ob Sie etwas rüberbringen, entscheidet sich in den ersten 15 Sekunden ihrer Ansprache. Die Botschaft sind Sie selbst. Alles was Sie dann noch sagen, ist nur noch Ausdeutung dessen, was Sie in diesen Eingangssekunden rübergebracht haben oder auch nicht. Wenn ich diese moderne These mit der Praxis der Alten zusammendenke, dann übersetzt sich mir die Bitte der frühen Christen an die ersten Mönche in die Formel: Abba, du bist überzeugend. Was ist dein Lebensgeheimnis? Zeige auch mir den Schlüssel, damit ich zu mir selbst finde. Pascal hat diese Verkündigungspas-toral in das griffige Wort gefasst: Rede nicht, wenn du nicht gefragt wirst, aber lebe so, dass man dich fragt. Was ist Weltverantwortung in benediktinischer Sicht gestern und heute? Meine Antwort: Ich warne davor, sich auf Teufel komm raus durch Dieses und Jenes, durch ein Drittes und Viertes das Wohlwollen der Welt erschleichen zu wollen. Ich plädiere dafür: Mönche, seid Mönche, ... und alles übrige wird sich ergeben wird euch dazu gegeben. Der Autor ist Abt der Benediktiner-Abtei Kornelimünster bei Aachen. Artikel drucken |
| #294 ffff14.06.2007 - 00:07 |
| Holy Mother and Bride of Christ The intent of my post is not, of course, to challenge that the notion of Church as Mother or as Bride of Christ, or the effectiveness or either title. But they do provide a framework for an observation I would like to make. Amongst committed Catholics, an observer might note two general trends. Some very committed Catholics tend to hold things against "the Church" quite readily (usually, they mean the bishops, because this phrase is thrown around rather like "the Man" . The Church is to blame for this, the Church is accountable for that, the Church must answer for this. Certainly, they love the Church: usually, they have grown up very much "in the bosom of the Church," in a culture heavily marked by the influence of Church institutions, like schools and such. Yet there is a simultaneous familiariy and a sort of contempt which accompanies that familiarity.There are also, amongst committed Catholics, those who are much less likely to criticize "the Church" corporately. Even where they might have the exact same complaints, these complaints might be directed at "the bishops" or perhaps not levied at any particular individuals, but also not "the Church." Consequently, the idea of holding the whole Church (from Justin the Martyr to Edith Stein) demanding an account for the actions of a few individuals--even bishops!-- "from the Church" doesn\t particularly make sense. An observation of their usage of "the Church" tends, simultaneously, to be more broad: perhaps not trumpeting "we are the church!", but still speaking of "the Church" in a way that suggests the reaction of all the faithful through all time to the call of Chirst, or at least that community which directly inherits the Apostolic tradition in succession and teaching. The first group of committed Catholics tends to have grown up, as I said, "in the bosom of the Church," and for that reason, I posit, tend to be older (since the Catholic ghetto was so largely deconstructed after Vatican II), or from areas of the Church where those institutions are somehow continued to exert a strong influence (older dioceses). Interestingly also, they tend to somewhat resent those institutions. The second group tends to be those who --even if they were born Catholics-- were not brought up in such an exclusively institutionally Catholic enclave; hence, I posit, they tend to be younger Catholics, to be converts, or to be those who are from younger dioceses where such a strong institutional presence has not been constructed. I say this rather in reaction to something I read. In describing a new youth program at a local church, one 60-ish parishioner was saying, "This new program will be very good for the youth, it will let them do their own thing; it\s too late for us, but not for them." Now, I can tell you that this concern which the 60-ish parishioner exhibited is (in my area) rather strictly confined to those who group up before the Council: they had a very thorough, but very strict, education in invariably Catholic schools, from kindergarten to college. In this context, his concern for the creativity of the youth rather makes sense. Since the Council, however, in this area, religious education has more or less ceased to exist; no one goes to Catholic schools, only a few to Catholic colleges. Creativity isn\t particularly on the minds of the youth; one of my classmates in the program, who was not particularly religious, lamented that we didn\t learn anything for all the activities we did. I\m not sure what this really means, vis-a-vis the desirability of creating "Catholic ghettos." But it does seem to me that those who grow up in them, as I\ve remarked before, very often (1) Seem to view the Church as "the system" (2) Seem to place themselves outside or marginal to "the system" (3) In their outlook, tend to resent "the system." Whereas, those who have made more counter-cultural decisions to embrace their faith (1) Seem to view the Church as a historic community (2) Seem to more easily associate themselves with that living community (if not to insist that they ARE that community) (3) In their outlook, tend to have a more tender care for that community So while I\m not sure what this all exactly means, it helps me to make this observation. It reminds me that, in trying to understand the approach different people take towards the Church, they very often have different conceptions of the Church, which are very much a cultural thing. |
| #293 ffffffff14.06.2007 - 00:01 |
| Why the Camauro is Awesome By which I mean, "What makes things POD cool?" Why is it so easy to like cassocks, incense, side altars, etc.? More to the point, how to these matter to the center of our religion and of our lives, Christ: are they relevant, or, like Calvin critiqued, are they a distraction? Because the concept of "POD" is so instinctual, I\m not going to attempt a systematic answer. But please accept more of a reflection. A while ago, I wrote: "Catholics have an inherant love for all customs obscure and funny-looking." And actually, more thought went into that than may have appeared. Christianity claims to be one body, set apart and sanctified by the work and teaching of Christ, given to all men of all times and places, descendant from the Apostles and following their example in continuing to reach out to the world. To wit: one, holy, catholic, and apostolic. "POD" things, at least the ones which are awesome because they are "obscure" and "funny-looking," express particularly, I think, the holiness and catholicity of the Church, and even hint at its apostolicity. Our obscure traditions are obscured, usually, by the passage of time and the remoteness of the culture(s) from which they originated. Anyone who has studied the history of the old Mass knows that it is a jumble of symbols dating from many different times and many different places; as is, for that matter, clerical vestry. This very obscureness necesarily shows forth the catholicity of the Church: seeing a medieval custom continued today demands the recognition that the Church was present in the Middle Ages and, in continuity, is present today. Seeing a Gaulic or Greek or Italian symbol demands the recongition that the Church was present in that place, and now, across cultures and continents, is present here. The living obscurities of the Church witness to her character as universal, universal to all people and through all time. Our customs hint at the Apostolic because it is that vital connection to the Apostles from which the entire edifice of the Church\s credibility is drawn: we know what we know, we preach what we preach, and we do what we do because it was taught us by the Apostles, and kept by us in unbroken observance. How can one really believe the historical message of a historical figure can be preserved any other way? And by testifying to her presence in all ensuing ages, our obscure customs remind us of that link to the Apostles. The funny-lookingness of our customs is important in expressing the mark of a Church set apart. The Church is not your life as usual; the Church cannot be your life as usual, because Christ came specifically to radically destroy your life as usual. We do not fit easily into ordinary catagories, and we cannot blend in with the surrounding landscape. In fact, the more we do "blend in," the less relevant the Church becomes: when the more the Church looks like the rest of society, when banality reigns within her, she shares that contempt which fallen society has for itself. Of course: the way in which we live our graced lives is the central, the core, and the salvific expression of our radical otherness, our set-apart-ness, that is to say, our holiness--for holiness is simply being set apart for God alone. But that reality is also expressed materially: we don\t dress like you. We don\t sing like you. We don\t build like you. The Church is different, we refuse to blend into the world, and therefore we demand your attention--we demand that you consider the call of Christ to be set apart from the ordinary, fallen world in holiness of life. It is easy to dismiss ceremony and custom as "superfluous," "frivolous," or unrelated to the Word born in a manger long ago. Then again, it is usually easier to be Cavlinist, removing things from tension (like grace-freewill or ceremony-authenticity or symbol-Christ) and opting for one extreme or the other. Free will can be tricky, but the Catholic does not, for that reason, throw it out, as Calvin acknowledges he does for the very reason of its trickiness. Talk of ceremony or symbol can become superficial, but the Catholic does not therefore dismiss it superficial: the Catholic insists on seeing its proper (not its extreme) role. Quite the contrary, and exactly because of the incarnational principle which is the center of gravity in Christianity, these spiritual realities of catholicity and holiness demand physical manifestation. This manifestation is true, for truth is simply an expression which corresponds to reality. This manifestation is charitable, because it is a clear and easy (if simplistic) manner of evangelization: our weirdness compells the outsider to look for explanation, to be drawn in. And this manifestation, because it corresponds to the incarnational principle, is part and parcel with the Catholic vision and the Catholic instinct. It\s hardly peripheral. |
| #292 ffffffff13.06.2007 - 22:43 |
| By Popular Request... Our visit to the Holy Office Called in by that reader who denied that the Eucharist was symbolic in anyway, efficacious or otherwise? Brought in to answer for certain Bolognian saints or mystical visions? Nah... we just wanted to say hi 6 am. Since we had gone to sleep closer to 2am, waking up to see the Secretary of the Congregation for the Doctrine of the Faith at this hour was a more daunting struggle than it may seem. In a way, one might say we had our own "trial" before the Inquisition. However, three of us made it up and out, more or less on time, though perhaps more less than more. We emerged on the empty Roman street, stumbling for the first few steps, then power-walking the 7 minute stroll to St. Peter\s Square. In this square we found Matt as soon as we had hoped we would -- for we now had perhaps three minutes before the 7am Mass began -- and a good fortune this was, as he knew the correct gate by which we were to attempt to enter the Vatican walls. Frankly, I would have considered waking up this early simply to enter the non-tourist zone of our favorite holy citadel. But no -- we were hoping for an even greater pay off: the unbloody sacrifice of Our Lord. Celebrated by one Cardinal Ratzinger. We presented ourselves to the guards at an entrance next to St. Peter\s colonnade. They for their part seemed somewhat unfazed, so Emily and Matt approached them, I assume saying something in Italian equivalent to "Mass with Cardinal Ratzinger?" The guards laughed and waved us through, pointing in a general way towards what could have been one of two or three buildings. Hmm. It was now 7:01. Late. Blast. We made out the inscription on the Teutonic College, where Ratzinger was saying our Mass, and passed through a gate into a courtyard overgrown with grass and medieval tombs. After jiggling a few doors and rushing back to the guards for more specific directions, we finally found our way in. The chapel was beautiful, Gothic, and a breath of fresh air after a Baroque overload. My first impression was that it seemed just like the medieval chapels of Europe. My second impression was that it WAS one of the medieval chapels of Europe, the real deal. In so many ways. And here we were. It was just the sort of chapel in which you would expect to hear fine German singing wafting to the rafters. And indeed, we did. The Mass was concelebrated with perhaps 25 or 30 priests, sat in a semi-circle along the edge of the apse, the cardinal sitting in the rear directly behind the altar. We were a bit disappointed in that this was the German seminary, but we saw perhaps one seminarian, serving. But then again, it was the German seminary. The congregation was definitely overwhelmed by the sanctuary; there were perhaps 15 of us, maybe less. The Mass was beautiful, as is any Mass where Our Lord transcends reality to commune with His people and make present the saving mysteries. But the ceremonies themselves were beautiful in their own rite (er, right), well done, I thought, and the hymns transcendent. I was not surprised to see Matt navigating the German hymnal with all the ease of someone who has done so plenty of times before, even though to my knowledge he hadn\t; it was one of the ways he always surprises me and thus, paradoxically, no longer surprises me. I don\t remember from whom we took communion, but I rather suppose this is appropriate. Even if it were the Pope, I would hope that we would have been sufficiently distracted by the God in his hands.. (well, perhaps not the Pope, but my point stands). The Mass ended, the priests processed to the sacristy in the back of the chapel, and we had some time to spend with Christ as they devested. We went to the door of the sacristy, and one or two of us put a foot through the door, only to be immediately brushed/pushed out with some commotion, either in German or English, I don\t recall. This much I will give the NCR editorials -- high ranking officials have a way of surrounding themselves with unsmiling monsignori. Ah well. Somewhat chastised, we waited outside the door with two other young men who seemed to navigate the Germanic language more natively than we. When after some more time the cardinal emerged, we asked him if we could speak with him for a moment; he smiled and agreed. I handed him the rosary which I ask all my friends to pray and all my priests to bless, asking him to bless it as well; I confess, I did hand it directly to him on purpose. We explained we were from Notre Dame, and admired his writings, and thanked him for his ministry. Emily and Matt had him sign books he had written (he wrote, "God bless you!" . Brian, well, Brian had him sign one of these, right under the quote "Truth is not determined by a democratic vote." He seemed bemused -- we think he\s seen them before. I left with the strong impression of a kind, soft-spoken servant of God, very sincere in his work if somewhat tired, on whose bad side I would not want to be. We asked the two German guys to take our picture, and that you see below.Thanks for asking But I do have a question Sue.. how did you know who was who? |
| #291 ffffff13.06.2007 - 22:41 |
| don\t know whether to laugh or cry when I see the mainstream (secular) media\s portrayal of the latest document from the Congregation for the Doctrine of the Faith: "Vatican says feminism \lethal\ to families", screams Shasta Darlington (Reuters); "Pope hits out at feminist radicals" proclaims AFP; ""Vatican Assails Feminism" bemoans the Canada Globe & Mail . . . and so on. One wonders if they actually bothered to read the document, or merely skimmed it for a "controversial" sentence or two about which they could rant. On the Collaboration of Men and Women in the Church and in the World immediately struck me as being profoundly feminist -- howbeit not the kind that is envisioned in the manifestos of NOW or. It is a feminism rooted in love and the embrace of woman\s inherent differences, opposed to a feminist ideology motivated by antagonism and the struggle for power, or that which obscure or suppress sexual distinctions. Here are just a few passages that impressed me: . . . Formed by God and placed in the garden which he was to cultivate, the man, who is still referred to with the generic expression Adam, experienced a loneliness which the presence of the animals is not able to overcome. He needs a helpmate who will be his partner. The term here does not refer to an inferior, but to a vital helper. This is so that Adam\s life does not sink into a sterile and, in the end, baneful encounter with himself. It is necessary that he enter into relationship with another being on his own level. Only the woman, created from the same "flesh" and cloaked in the same mystery, can give a future to the life of the man. It is therefore above all on the ontological level that this takes place, in the sense that God\s creation of woman characterizes humanity as a relational reality. In this encounter, the man speaks words for the first time, expressive of his wonderment: "This at last is bone of my bones and flesh of my flesh" (Gn 2:23). * * * In this perspective, one understands the irreplaceable role of women in all aspects of family and social life involving human relationships and caring for others. Here what John Paul II has termed the genius of women becomes very clear. It implies first of all that women be significantly and actively present in the family, "the primordial and, in a certain sense sovereign society", since it is here above all that the features of a people take shape; it is here that its members acquire basic teachings. They learn to love inasmuch as they are unconditionally loved, they learn respect for others inasmuch as they are respected, they learn to know the face of God inasmuch as they receive a first revelation of it from a father and a mother full of attention in their regard. Whenever these fundamental experiences are lacking, society as a whole suffers violence and becomes in turn the progenitor of more violence. It means also that women should be present in the world of work and in the organization of society, and that women should have access to positions of responsibility which allow them to inspire the policies of nations and to promote innovative solutions to economic and social problems. * * * Therefore, the promotion of women within society must be understood and desired as a humanization accomplished through those values, rediscovered thanks to women. Every outlook which presents itself as a conflict between the sexes is only an illusion and a danger: it would end in segregation and competition between men and women, and would promote a solipsism nourished by a false conception of freedom. Without prejudice to the advancement of women\s rights in society and the family, these observations seek to correct the perspective which views men as enemies to be overcome. The proper condition of the male-female relationship cannot be a kind of mistrustful and defensive opposition. Their relationship needs to be lived in peace and in the happiness of shared love. Although released to the public in July 2004, as it has so often done in the past the Congregation dated the document on a special occasion in the life of the Church: "May 31, 2004, the Feast of the Visitation of the Blessed Virgin Mary." And it is Mary to which the Congregation directs the reader\s attention, as a model of faith, trust, courage and conduct. . . . It is from Mary that the Church always learns the intimacy of Christ. Mary, who carried the small child of Bethlehem in her arms, teaches us to recognize the infinite humility of God. She who received the broken body of Jesus from the Cross shows the Church how to receive all those in this world whose lives have been wounded by violence and sin. From Mary, the Church learns the meaning of the power of love, as revealed by God in the life of his beloved Son: "he has scattered the proud in the thoughts of their heart... he has lifted up the lowly" (Lk 1:51-52). From Mary, the disciples of Christ continually receive the sense and the delight of praise for the work of God\s hands: "The Almighty has done great things for me" (Lk1:49). They learn that they are in the world to preserve the memory of those "great things", and to keep vigil in expectation of the day of the Lord. To look at Mary and imitate her does not mean, however, that the Church should adopt a passivity inspired by an outdated conception of femininity. Nor does it condemn the Church to a dangerous vulnerability in a world where what count above all are domination and power. In reality, the way of Christ is neither one of domination (cf. Phil 2:6) nor of power as understood by the world (cf. Jn18:36). From the Son of God one learns that this "passivity" is in reality the way of love; it is a royal power which vanquishes all violence; it is "passion" which saves the world from sin and death and recreates humanity. In entrusting his mother to the Apostle John, Jesus on the Cross invites his Church to learn from Mary the secret of the love that is victorious. Far from giving the Church an identity based on an historically conditioned model of femininity, the reference to Mary, with her dispositions of listening, welcoming, humility, faithfulness, praise and waiting, places the Church in continuity with the spiritual history of Israel. In Jesus and through him, these attributes become the vocation of every baptized Christian. Regardless of conditions, states of life, different vocations with or without public responsibilities, they are an essential aspect of Christian life. While these traits should be characteristic of every baptized person, women in fact live them with particular intensity and naturalness. In this way, women play a role of maximum importance in the Church\s life by recalling these dispositions to all the baptized and contributing in a unique way to showing the true face of the Church, spouse of Christ and mother of believers. Responses from fellow bloggers and the web is, well, mixed: * Jimmy Akin engages in some humorous "pre-analysis grousing" ("The document, as usual, has a ponderously long title that badly needs to go on a diet before it develops vascular disease" and with moderation calls it a step in the right direction.* Oswald Sobrino, Catholic Analysis: "n my reading, the crux of the document consists of two points: the unchangeable nature of marriage as requiring male and female, and the central theological image of Bridegroom and Bride. . . . As usual, we have from Rome a prophetic document aptly timed to influence the decisions we must make." * Mary Ann Glendon (interviewed by National Catholic Reporter\s John Allen Jr.): "essentially a critique of certain aspects of old-line 70s feminism\ that have long since faded." * Amy Welborn: "such a cursory, unknowing introductory explanation of \feminism\ drains credibility from the rest of the document. Which is too bad, because the rest is generally better than this introductory material" Labels: ratzinger |
. The Church is to blame for this, the Church is accountable for that, the Church must answer for this. Certainly, they love the Church: usually, they have grown up very much "in the bosom of the Church," in a culture heavily marked by the influence of Church institutions, like schools and such. Yet there is a simultaneous familiariy and a sort of contempt which accompanies that familiarity.
But I do have a question Sue.. how did you know who was who?